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Ursula Körtner: „Alle Behörden haben versagt“

Missbrauchsfälle beschäftigen Politik

HAMELN-PYRMONT. Die Kindesmissbrauchsfälle auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen beschäftigen jetzt auch die lokale Politik. Das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont war für ein dort lebendes Pflegekind zuständig. Landrat Tjark Bartels erklärte am Mittwoch im Kreishaus vor dem Jugendhilfeausschuss, was er unternehmen wolle, um als Behörde künftig besser gegen Kindesmissbrauch vorgehen zu können.

veröffentlicht am 06.02.2019 um 21:16 Uhr

Auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen sollen zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch ereignet haben. Foto: jl
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Zusätzliche Mittel in Höhe von 100 000 Euro wolle Bartels dafür in den noch zu genehmigenden Haushalt für 2019 stellen. Zudem solle eine neue Stelle geschaffen werden, um eine auf das Erkennen von Kindesmissbrauch „spezialisierte Kompetenz“ im Kreishaus zu haben. Noch im Sommer solle ein „Präventionsprogramm“ starten. In Bezug auf die im Raum stehende Frage, ob das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont in dem Kindesmissbrauchsfall von Elbrinxen Fehler gemacht habe, wiederholte er, dass dies nicht auszuschließen sei. „Aber laut der der im Kreishaus verbliebenen Akten haben wir uns nichts vorzuwerfen, und der Rest der Akten liegt bei der Staatsanwaltschaft“, sagte Bartels. „Es ist wahrscheinlicher, dass kein Fehler vorliegt.“ „Für bedenklich“, merkte er an, halte er „Mord- und andere Drohungen“, welche derzeit die Mitarbeiter des Kreishauses über das Internet erreichten.

„Alle behördlichen Stellen haben in unterschiedlicher Weise versagt, sonst hätte es das nicht gegeben“, befand dagegen CDU-Ausschussmitglied Ursula Körtner. „Das ist die Macht des Faktischen.“ Bartels widersprach. „Das Wissen“ über etwaiges Versagen habe „heute niemand“. Körtner sprach sich ferner dafür aus, bei der Untersuchung und Betreuung von Pflegekindern verstärkt Kinderpsychologen einzubeziehen, da sie in der Lage seien, Missbrauch zu erkennen. „Prävention ist gut, aber so, wie es ist, kann es nicht bleiben“, sagte sie.

Monika Rehberger, beratendes Ausschussmitglied und Leiterin der Grundschule Rosenbusch in Hessisch Oldendorf, merkte an, dass es in Anbetracht der Größenordnung ihrer Schule auch dort Missbrauchsfälle „theoretisch geben müsste“, dass die Schwierigkeit aber darin bestehe, diese zu erkennen. Damit betroffene Kinder eine Anlaufstelle haben, bräuchten sie einen Ansprechpartner „außerhalb ihres Systems, damit sie ihr Nest nicht beschmutzen müssen“. Andreas Grehl, beratendes Ausschussmitglied und Richter am Amtsgericht Hameln, plädierte in Anbetracht „vieler Hypothesen“, die im Umlauf seien, erst mal „die Profis ihre Arbeit machen“ zu lassen. Wenn alle Fakten vorlägen, könne gesagt werden, „wo was schiefgelaufen ist“. Gleichwohl meinte auch er, dass „Signale von Kindern oft nicht richtig eingeschätzt“ würden. Hier brauche es Schulungen, diese Signale zu erkennen.



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