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Rotary Club Hameln feiert 60. Geburtstag / Benefizkonzert mit syrischem Exilorchester im Theater

Millionen für den guten Zweck

Hameln. Vor gar nicht allzu langer Zeit war der Rotary Club Hameln noch ein reiner Männerverein. Dorothee Starke änderte das 2009 – nun verlässt die aktuelle Club-Präsidentin Hameln. Zum 60. Geburtstag des Clubs – und zu Starkes Abschied – gibt es am 30. April ein außergewöhnliches Benefizkonzert mit einem syrischen Exilorchester.

veröffentlicht am 18.04.2016 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:18 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Es wird Dorothee Starkes letzter Tag in Hameln sein – und was für einer: Am 30. April feiert der Rotary Club Hameln, dessen Präsidentin Starke derzeit noch ist, seinen 60. Geburtstag – mit einem ganz besonderen Musikprojekt. An diesem Tag nämlich wird das Expat Philharmonic Orchestra im Hamelner Theater spielen – ein Ensemble bestehend aus vor Bürgerkrieg und dem Terror des „Islamischen Staates“ geflüchteten professionellen Musikern und Solisten aus Syrien und Ägypten. Das Programm trägt den Titel „Orient trifft Barock“, barocke Meisterwerke wie Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ werden sowohl im Original als auch auf orientalischen Solo-Instrumenten wie Buzuq und Kanoun gespielt, daneben werden Stücke von Komponisten aus dem arabischen Raum zu hören sein. Die Musikerinnen und Musiker des Expat Philharmonic Orchestra leben über ganz Deutschland verteilt, teilweise auch im europäischen Ausland. Das gesamte, aus 30 Männern und Frauen bestehende Orchester für einen Auftritt zusammenzutrommeln, „war nicht einfach“, berichtet Starke: „Wir sind seit Oktober dran.“

„Wir wollten zum 60. Geburtstag etwas machen, das zur rotarischen Idee passt“, sagt Heinrich Fockenbrock, langjähriges Mitglied und Pressesprecher der Hamelner Rotarier. Die „rotarische Idee“, dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen, humanitäre Dienste zu leisten sowie Einsatz für Frieden und Völkerverständigung, entstand im Jahr 1905 in Chicago. Der Rechtsanwalt Paul Harris versammelte einige gleichgesinnte Männer aus unterschiedlichen Berufen um sich – gemeinsam bildeten die Männer einen Querschnitt des Wirtschaftslebens ihres Wohnortes ab. Wöchentlich trafen sich die Männer an wechselnden Treffpunkten, rotierten also – daraus entstand die Bezeichnung „Rotarier“. 1922 entstand der erste „Rotary International“-Club, 1927 wurde in Hamburg der erste Rotary Club in Deutschland gegründet.

Geburtsstunde des Rotary Clubs Hameln war am 27. März 1956. Der Club bestand aus 23 Gründungsmitgliedern, unter ihnen bekannte Persönlichkeiten wie Fritz-Herbert Wolff, Inhaber der Brauerei Förster & Brecke, Otto Müller-Haccius, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland (AdU), Dewezet-Verleger Günther Niemeyer, Karl-Heinz Heller, Chef der Aerzener Maschinenfabrik, und Hans Lenze, Chef der damaligen Maschinenfabrik Stahlkontor Weser.

Dorothee Starke war die erste Frau unter den Hamelner Rotariern, aktuell ist sie Präsidentin des Clubs. Mit dem Konzert verabschiedet sie sich aus Hameln. Foto: pr

Lange Zeit war der Rotary Club Hameln – wie alle übrigen Clubs weltweit – eine reine Männergesellschaft. 2008 aber wechselte Dorothee Starke vom Theater am Fischereihafen in Bremerhaven ans Hamelner Theater – Starke war in Bremerhaven bereits Rotarierin gewesen, „und es gibt den Grundsatz, dass Mitglieder in einen anderen Club aufgenommen werden, wenn sie umziehen“, sagt Fockenbrock.

Auch wenn sich der Männerclub, wie Fockenbrock weiter berichtet, mit der Aufnahme von Frauen sehr schwer tat: Auf Starke als erste Frau bei den Hamelner Rotariern folgten bis heute drei weitere Frauen, sodass von den aktuell 63 Mitgliedern in Hameln vier Rotarierinnen sind. Hameln sei „ein bemerkenswerter Club“, sagt Dorothee Starke – über die Jahre habe er sich immer weiter verjüngt, die Altersspanne reiche heute von Mitte 30 bis Anfang 90. Das letzte Gründungsmitglied sei vor wenigen Jahren gestorben, das älteste Mitglied mittlerweile 91 Jahre alt.

Für ihren Grundsatz, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen, sowohl in der Region als auch international, habe der Rotary Club Hameln in den letzten 60 Jahren „einen Millionenbetrag“ investiert – allein in den letzten zehn Jahren 250 000 Euro, rund 25 000 Euro im Jahr. „Zwei Drittel davon bei uns vor Ort“, sagt Fockenbrock – und nennt ein paar Projekte, bei denen die Rotarier aktiv waren: die Turmuhr im Hamelner Münster, den Spielplatz an der Heinestraße, den Schulhof der Papenschule. In Bulgarien haben die Hamelner Rotarier Klassen mit Tischen und Stühlen ausgestattet, Krankenhäuser mit medizinischen Geräten versorgt. Als vor einem Jahr in Nepal die Erde bebte und ganze Dörfer von der Außenwelt abschnitt, hat der Rotary Club Hameln kurzfristig geholfen. „Es handelt sich um so viele Projekte“, sagt Fockenbrock, „die kann man alle gar nicht aufzählen“.

Und so wird auch das Konzert zum 60. Geburtstag natürlich nicht nur ein Konzert: Der Erlös soll der Flüchtlingshilfe zugute komme, ein langjähriges Club-Mitglied, Fritz-Eckhard Sticher, kauft 100 Karten und stellt sie Flüchtlingen aus dem ganzen Landkreis zur Verfügung. Auch hätten die Bürgermeister aller Gemeinden bereits angekündigt, für den Transport der Flüchtlinge zum Konzert sorgen zu wollen.

Am 10. Mai wird es einen etwas vorgezogenen Präsidentschaftswechsel beim Rotary Club Hameln geben: Dorothee Starke kehrt nach acht Jahren in Hameln zurück nach Bremerhaven, ab Mai wird sie dort die Leitung des Kulturamtes der Stadt übernehmen. Neuer Präsident wird Rüdiger Jackson, Geschäftsführer der Hamelner Ingenieurdienstleistungs-Firma iTec. Er soll der Öffentlichkeit in den kommenden Wochen vorgestellt werden.

Das Konzert des Expat Philharmonic Orchestra beginnt am 30. April um 18 Uhr im Theater Hameln. Tickets gibt es für 20 Euro an der Theaterkasse sowie im Dewezet-Ticketshop, Osterstraße 16, Tel. 05151/200- 888.



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