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Historisches Gebäude in der Reihe „Hamelner Zeit-Punkte“ nachgebaut / Modell soll im Mai aufgestellt werden

Millimeterarbeit für die Werdermühle

HAMELN. Prunkvoll stand die Werdermühle bis zu ihrer Zerstörung im April 1945 auf der Südspitze der Werderinsel - wie prächtig sie war, können Hamelner und Touristen in einigen Monaten zumindest besser erahnen. In der Reihe „Hamelner Zeit-Punkte“ wurde sie in den Werkstätten der Impuls-gGmbH in stundenlanger Arbeit nachgebaut und soll im Mai in einer Vitrine am Langen Wall aufgestellt werden. Wir haben uns das Modell schon einmal angesehen.

veröffentlicht am 12.02.2019 um 12:22 Uhr
aktualisiert am 12.02.2019 um 16:10 Uhr

Wie viele Stunden Arbeit in dem Modell der Werdermühle stecken, hat niemand gezählt. Foto: BHA
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Sie ist so schön! Mit den – o Gott, wie viele mögen das sein? – winzigen roten Steinen aus Ton, den filigranen Eisengittern für die Fenster, mit dem Brückengeländer, dem Kopfsteinpflaster… Sattsehen geht, wenn überhaupt, nur mit viel Zeit. Das Modell der alten Werdermühle mit der benachbarten Meyerschen Villa und der Weserbrücke ist beeindruckend – und nach drei Jahren Arbeit fast fertig.

Noch steht die Miniatur-Ausgabe der einst größten Industriemühle Deutschlands in der Werkstatt bei der Qualifizierungsgesellschaft Impuls an der Ohsener Straße. Irgendwann im Mai soll sie umziehen an ihren vorgesehenen Standort in einer großen Glasvitrine am Langen Wall bei der Elisabeth-Selbert-Schule. Die Werdermühle ist das siebte Modell, das unter Anleitung von Wolfgang Pütz entsteht, der das Projekt „Hamelner Zeit-Punkte“ seit 2008 begleitet. Genau wie Bernhard Gelderblom und der Archäologe Joachim Schween, die ihr Fachwissen über Hamelns Geschichte einbringen. Kern des Projekts: Ein historisch bedeutsames Gebäude, das nicht mehr steht, wird detailgetreu nachgebaut und lässt seine Betrachter in die Vergangenheit eintauchen. Nach dem alten Rathaus, das am Lütjen Markt stand, der Weserbrücke, dem Kiepehof an der alten Feuerwache, dem Bernsteinhaus am Münsterkirchhof und den Festungsanlagen im Bereich der Stadtsparkasse, die in der Unterführung „Grüner Reiter“ zu sehen sind, nun also dieses einstige Wahrzeichen der Stadt: die imposante Werdermühle, erbaut im Jahr 1887, zerstört im Jahr 1945.

Stolz, zu Recht, stehen Julian Hempelmann und Klaus Boose neben dem Modell, das „zu 90 Prozent fertig ist“, wie Wolfgang Pütz sagt. Anders als andere Teilnehmer am Projekt, wirken sie in der letzten Phase und somit auch an der Fertigstellung des Werks mit. Viele andere, die rote wenige Millimeter große Ziegel aus Ton gefertigt, ein Holzgerüst oder winzige Mehlsäcke gebastelt und kleinste Seile auf einem Schiff zusammengelegt haben, können das nicht: Das Projektteam wechselt laufend, weil beispielsweise Fördermaßnahmen vom Job-Center (das die Zeit-Punkte unterstützt) nach einem halben Jahr auslaufen. Von einst fünf, teils sechs Männern und Frauen legen jetzt nur noch Boose und Hempelmann Hand an. „Finger an“ müsste es streng genommen heißen angesichts der Kleinteiligkeit. „So große Hände“, beschreibt Jörg Rakemann von Impuls die Anatomie des einen oder anderen Teilnehmers, „die dann so winzige Steinchen ankleben…!“ Rakemann lacht und sagt: „Von denen würde ich mich auch operieren lassen!“

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Die ersten Fassaden stehen. Grundlage dafür bilden alte Fotos und Zeichnungen. FOTO: PÜTZ

Ein Grundriss der Werdermühle bildete die Basis für alle weiteren Arbeiten. Beschafft hatte ihn Joachim Schween. Wolfgang Pütz, gelernter Tischler, fertigte erste Zeichnungen an, gemeinsam mit den Teilnehmern wurden erste Papp-Modelle gefertigt, über den erwünschten Maßstab diskutiert und sich letztlich auf 1:50 geeinigt, also ein Zentimeter am Modell sind 50 Zentimeter in Wirklichkeit. Zunächst hatte das Team „nur“ die Mühle selbst nachbilden wollen, doch Bernhard Gelderblom hielt dagegen: „Die Brücke muss mit rein!“ Allein schon deshalb, weil der Werder nur über die Brücke zu betreten gewesen sei, erklärt er. Ohne Brücke keine Mühle. Also wurde die Brücke ebenfalls mit kleinsten von Hand gefertigten Teilchen nachgebaut. Und der Glaswintergarten auf dem Dach der Meyer-Villa, die Holzzäune an der Mauer, das Holzgerüst an der Süd-Seite der Mühle, das Kopfsteinpflaster aus Speckstein, die Schiffe, die das Getreide anliefern, – sattsehen geht nur mit den Augen jener, die seit fast 36 Monaten das Modell wachsen sehen, so wie Wolfgang Pütz. In vier Teilen soll die Werder-Mühle im Mai vorsichtig zu ihrem Standort transportiert werden. Die Vitrine wird auf beiden langen Seiten zu öffnen sein, an zwei Info-Stelen können die Besucher dann in die Geschichte der Mühle, die Bernhard Gelderblom aufbereitet, eintauchen. Oder sie gucken einfach nur und staunen.



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