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Vorbestrafter muss nicht ins Gefängnis / Prozess gegen Ex-Chef wird fortgesetzt

Mildes Urteil für den „Firmenbestatter“

Hameln/Hildesheim (ube). Einer der beiden Angeklagten im Prozess um den Millionen-Skandal bei den ehemaligen Hamelner Walzenfirmen Protec und Stratec (später bekamen sie die Namen Rotech und Bastra), ist gestern von der 6. Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim verurteilt worden – wegen Insolvenzverschleppung in zwei Fällen. Der bereits vorbestrafte Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans-Hermann Brinkmann bildete aus zwei Einzelstrafen à sechs Monate und einer alten Strafe des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten – ein Jahr und drei Monate wegen Untreue, Konkursverschleppung und Beitragsvorenthaltung – eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Die Strafe wurde auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Verurteilte müsse zudem eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro zahlen, sagte Richter Robert Glaß auf Anfrage.

veröffentlicht am 09.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 16:41 Uhr

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Der heute 44 Jahre alte GmbH-Aufkäufer und „Firmenbestatter“ hatte seinerzeit beim Amtsgericht keinen Antrag auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt, obwohl er wusste, dass die beiden Gesellschaften, die er vertrat, zahlungsunfähig waren. Wegen desselben Vorwurfs muss sich ab dem 16. November auch der Ex-Firmenchef (58) vor der Strafkammer verantworten. Der Sohn einer erfolgreichen Hamelner Unternehmerfamilie soll zunächst Geschäftsführer der beiden Gesellschaften mit beschränkter Haftung gewesen sein und deren Geschäfte noch weitergeführt haben, als der 44-Jährige formal bereits deren alleiniger Geschäftsführer geworden sein soll.

Der 58-Jährige hatte es am ersten Prozesstag vorgezogen, zu schweigen. Die Kammer reagierte, sie machte aus einem Prozess zwei und trennte das Verfahren gegen den jüngeren Angeklagten ab.

Dem ehemaligen „Chef“ werden Unterschlagung, Bankrott und Verletzung der Verlustanzeigepflicht in zwei Fällen vorgeworfen. Er soll in neun Fällen Darlehensverträge zur Finanzierung von Walzenzügen und einer Gummiradwalze für die Gesellschaften geschlossen, dabei die Maschinen als Sicherheit übereignet, diese jedoch ohne Wissen und Billigung der Sicherungsnehmer verkauft haben. In drei Fällen soll der Angeklagte Walzen, die der Gesellschaft im Rahmen eines Mietkaufs zur Verfügung gestellt worden waren, ohne Kenntnis der Eigentümerin zu Geld gemacht haben.

Der damalige Firmen-Boss soll zudem Handelsbücher und andere wichtige Unterlagen der Gesellschaften aus den Geschäftsräumen geholt und dadurch eine Übersicht über den Vermögensstand erheblich erschwert haben. Ferner soll er in drei Fällen Gegenstände aus der Insolvenzmasse so verkauft haben, dass der Gesellschaft kein Erlös zufloss. Schließlich soll er einen Walzenzug weit unter Wert an eine Gesellschaft verscherbelt haben, die diesen dann für ein Vielfaches ins Ausland veräußert haben soll.

Am 16. November wird im Landgericht Hildesheim der zweite Prozess um einen Millionen-Skandal in Hameln fortgesetzt.

Foto: ube



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