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Klärwerk kann kleine Kunststoffteile nicht herausfiltern

Mikroplastik landet in der Weser

Hameln. Von der Weser in die Nordsee. Schon länger nehmen Tonnen von Plastikmüll Kurs auf das Meer. Genauso gefährlich wie Einwegflaschen und Wegwerfbecher können aber auch kleinste Kunststoffkörnchen sein. Das sogenannte Mikroplastik findet sich in rauen Mengen vor allem in Flüssen und verursacht große Schäden für Mensch und Tier. Jetzt schlägt das Europaparlament Alarm. Die Aalbestände in europäischen Gewässern sind in den letzten 30 Jahren um 95 Prozent zurückgegangen. Gründe dafür sind Überfischung und Umweltverschmutzung, teilweise durch winzige Kunststoffteilchen verursacht.

veröffentlicht am 12.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

von julia rau
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Über das Abwasser kommt das Mikroplastik auch in die Weser. Es löst sich beim Waschen aus Fleece-Fasern und ist als Schleifpartikel in fast jeder Zahnpasta und Peelingcreme.

In der Kläranlage Hameln wird das Abwasser von 86 000 Menschen und der umliegenden Industrie aufbereitet. Aber das Mikroplastik kann hier nicht entfernt werden. „Es gibt zwar Filter für diese Stoffe, aber die sind gesetzlich nicht vorgeschrieben und sehr teuer“, erklärt Klärmeister Frank Friebe. Die Kläranlage erfülle sogar mehr Anforderungen als gesetzlich vorgegeben. Dennoch bleibt der Kunststoff drin.

Nach einer mechanischen, biologischen und chemischen Reinigung können sich immer noch Kunststoffteilchen im Nachklärbecken absetzen. „Der Klärschlamm wird zu 100 Prozent verwertet“, so Friebe.

Also landet das Zeug am Schluss auf den Feldern und letztendlich in den Lebensmitteln. Das gereinigte Wasser enthält ebenso Mikroteile und andere schädliche Stoffe, die nicht ausgelöst werden. „Es gibt ja immer wieder neue chemische Stoffe aus der Industrie, man kann nicht zu jedem ein Reinigungsverfahren entwickeln“, so der chemisch-technische Assistent Ralf Gräfe.

Das Mikroplastik fließt nach der Klärung also direkt zurück in die Weser. Dort reichert es sich mit verschiedenen Giftstoffen an. „Es wirkt wie ein Magnet auf Schwermetalle oder Dioxine“, sagt Meereschemiker Professor Gerd Liebezeit.

Die Fische im Fluss fressen die Teilchen und nehmen die giftigen Stoffe auf. Diese lagern sich schließlich im Fett der Tiere an. Eine Untersuchung des Landes brachte hervor, dass sich vor allem in Aalen eine besonders hohe Konzentration von Dioxinen findet. Dies sind Krebs auslösende Giftstoffe, die zum Beispiel in Weichmachern für Plastik stecken.

Zwar ist das dioxinähnliche PCB schon seit 1989 in Deutschland verboten, es findet sich trotzdem noch heute in fetthaltigen Fischen. Das Landwirtschaftsministerium hat aufgrund der toxischen Belastung schon 2011 eine Verzehrwarnung für Aale unter anderem aus der Weser herausgegeben.

Eine Möglichkeit, die Verschmutzung durch Mikroplastik zu verringern, ist die Verbesserung der Kläranlagen. Diese finanzieren sich aus der Abwassergebühr. Genau da sieht Ralf Gräfe den Haken: „Man muss solche Millioneninvestitionen dem Bürger ja auch schmackhaft machen. Wenn der Hamelner für etwas reineres Wasser 30 Cent mehr pro Kubikmeter zahlt, als die Nachbarn flussaufwärts, die ihre Kläranlage nicht erneuern, fragt er sich doch wofür“, so Gräfe. „Wenn man die Wasserqualität der Weser verbessern will, müssten alle anliegenden Klärwerke mitmachen.“ Zudem könne jeder helfen, indem er „das Kanalnetz nicht als Mülltonne benutzt“, so Friebe. Ebenso kann der Verzicht auf Mikroplastik in der Herstellung Abhilfe schaffen. Einige Kosmetikfirmen etwa benutzen Nusssplitter als Peelingzusatz.

Mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen verschmutzen die Weser. Und durch den Dünger aus Klärschlamm gelangen sie auch auf Felder.

Jonas Martin/ Geomar



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