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Ladenlokale in Bäcker- und Osterstraße warten auf neue Mieter

Mieten hoch – Läden leer?

HAMELN. Es liegt nicht nur am trüben Wetter, dass ein kurzer Spaziergang durch die Hamelner Altstadt derzeit einen traurigen Eindruck hinterlässt. Das Gefühl, dass immer mehr Geschäfte in den Haupteinkaufsstraßen leerstehen oder bald schließen, drängt sich beim Blick in die vielen leeren Schaufenster geradezu auf.

veröffentlicht am 30.01.2017 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 18:42 Uhr

Zwei neue Lücken an der Bäckerstraße: Die ehemalige „Nordsee“-Filiale wird bereits umgebaut. Vor wenigen Tagen musste auch „360 Grad Accessoires“ direkt gegenüber schließen. Foto: Dana
Michael Zimmermann

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Prominente Beispiele sind das Modegeschäft „La Femme“ an der Osterstraße, das nach 33 Jahren schließen wird – die Inhaber wollen in den Ruhestand gehen (wir berichteten) oder die ehemalige Filiale der „Butlers“-Kette, über deren Eingang in der Bäckerstraße 6 nur noch der Umriss des Schriftzuges zu erkennen ist. Aus der Nummer 54 verabschiedete sich gerade erst der Schreibwarenhändler McPaper, für die Nordseefiliale ein paar Häuser weiter war am 31. Dezember Schluss. Die knappe Erklärung des Unternehmens lässt vermuten, dass der Standort sich für den Betreiber nicht mehr gelohnt hat.

„Leerstand sieht vor allem in der Masse nicht gut aus,“ sagt Stadtmanager Dennis Andres. Im Januar und Februar herrsche aber allgemein viel Bewegung auf dem Markt. Viele Mietverträge liefen in diesen „Übergangsmonaten“ aus. Nach der letzten Erhebung von 2014 stünden nur 4,6 Prozent der Verkaufsfläche in der Altstadt leer, so Andres. Dies sei im Vergleich mit anderen Städten dieser Größe ein guter Wert. Eine aktuellere Statistik sei gerade in Arbeit. Die werden aber nach seiner Einschätzung ähnlich ausfallen.

Dennoch gebe es einige Immobilien, die schwerer an den Mann zu bringen seien, mahnt Andres. Zwar gebe es kaum noch Mietpreise wie vor zehn Jahren – „die Räume müssten aber auch in entsprechendem Zustand sein.“ Es liege nicht allein an der fehlenden Nachfrage, weiß Andres aus Erfahrung. „Oft entspricht der gebotene Standard nicht den Anforderungen der Interessenten.“ Zum Beispiel beim jeweiligen Zuschnitt des Ladenlokals, der Situation der Schaufenster oder auch der Ausstattung. Einigen der Eigentümer sei offenbar noch nicht bewusst, dass sie an der Stelle etwas tun müssten.

Das hätten sich auch Bettina und Frank Dreyer gewünscht. Nach rund fünf Jahren Ärger mit dem französischen Eigentümer zogen sie im Januar mit ihrer Arko-Filiale in die Bäckerstraße um – nachdem am alten Standort an der Osterstraße fast 60 Jahre lang Kaffee, Schokolade und Gebäck verkauft wurden. In das Haus sei nicht investiert worden, einen richtigen Hausverwalter habe es auch nicht gegeben, erklärt Bettina Dreyer. Das Lager im Hinterhaus war einsturzgefährdet. Deshalb ließ es der Eigentümer abreißen und stellte als provisorischen Ersatz einen Frachtcontainer auf den Hof, den die Dreyers mit Heizung und Klimaanlage aufrüsteten. Die neuen Räume brächten jetzt viel Verbesserung, sagt Dreyer. Sie seien sauber, der Vermieter zuverlässig, die Hausverwalterin kümmere sich.

Dennis Andres hofft nun für den alten Arko-Standort, dass für den Investor der Druck steigt, sich mehr darum zu kümmern. Insgesamt beobachtet der Stadtmanager aber, dass Eigentümer auch wieder Geld in die Hand nähmen, wie bei der Erweiterung von H&M vor anderthalb Jahren. „Das ist ein gutes Zeichen.“ Während sich Osterstraße und Emmernstraße in den vergangenen Jahren gut entwickelt hätten, mache die Bäckerstraße im Moment aber Probleme. Das Preisniveau sei dort sehr hoch. „Das wird sich aber noch geben“, ist Andres zuversichtlich.

„Eigentümer müssen sich bewusst sein, dass sie nicht mehr so viel Geld für ihre Flächen bekommen wie noch vor 20 Jahren“, bestätigt Christoph Ziercke von der Hamelner Wertmanagement GmbH. Schuld am Leerstand sei auch die Kombination aus den baulichen Gegebenheiten und den im Verhältnis dazu teilweise zu hohen Mietvorstellungen der Eigentümer. Wenn sich daran nichts ändere, blieben auch die Geschäfte leer. Die Eigentümer müssten viel mehr in die Flächen investieren, um das Mietniveau überhaupt halten zu können, findet Ziercke.

Alle zwei Jahre nimmt sich Ziercke den Zustand der Hamelner Immobilien genauer vor und kommt dabei auf eine andere Leerstandsquote als die Stadt. Im vergangenen Jahr habe er im Innenstadtbereich einen Leerstand von zehn bis zwölf Prozent ermittelt – bezogen auf die absolute Zahl der Geschäfte. Die Wahrnehmung einer Einkaufsstraße hänge nämlich nicht von den Flächen, sondern von der Zahl der Läden ab, ist Ziercke überzeugt. Die flächenbezogene Quote, die die Stadt ermittelt, sage daher nichts aus. Wichtig sei das Angebot. „Der Konsument kann schließlich nicht beurteilen, wie große die einzelne Ladenfläche ist – und es interessiert ihn auch nicht.“

Zudem kritisiert Ziercke auch die Präsentation einiger leerstehender Läden. „Wenn die gesamte Ladenfront zugeklebt ist, ist es kein Wunder, dass es keine Interessenten gibt.“

Grund zum Optimismus gibt es aber auch: Das Haus an der Osterstraße 6, ehemals WMF, ist gerade an ein größeres Hamelner Handelsunternehmen verkauft worden, wie Ziercke bestätigt. Und hinter dem einen oder anderen zugeklebten Schaufenster an der Bäckerstraße kann der interessierte Spaziergänger beobachten, wie kräftig gebaut wird.



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