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Träger des Rattenfänger-Literaturpreises erzählt eine Geschichte des Jim-Knopf-Erfinders weiter

Michael Ende vollendet

HAMELN/BERLIN. Keine leichte Aufgabe: Wieland Freund, Träger des Rattenfänger-Literaturpreises 2018, hat ein Romanfragment des berühmten Michael Ende weitererzählt.

veröffentlicht am 06.02.2019 um 13:51 Uhr

Wieland Freund (re.) hat im November 2018 den Rattenfänger-Literaturpreis erhalten. Nun erschien ein von ihm fortgeschriebenes Romanfragment von Michael Ende. Foto: Archiv/Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Das kennen wir doch alle noch aus der Grundschule: Der Anfang einer Geschichte steht. Die Hauptpersonen wurden vorgestellt, die Handlung nimmt allmählich Fahrt auf, dann reißt sie plötzlich ab – und die Frage lautet: Wie könnte es nun weitergehen?

Genau dieser Aufgabe hat sich Autor Wieland Freund gestellt, der noch im vergangenen Herbst – damals noch für sein Jugendbuch „Krakonos“ – mit dem Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln ausgezeichnet wurde. Allerdings ging es für Freund nun nicht um eine Deutscharbeit in der dritten Klasse, sondern um das hinterlassene Werkfragment eines der berühmtesten Kinderbuchautoren Deutschlands. Michael Ende, Schöpfer von „Jim Knopf“, „Momo“ und der „Unendlichen Geschichte“, hatte drei erste Kapitel feinsäuberlich abgetippt – und nie vollendet. „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“ heißt die Geschichte, die Freund, geboren 1969, nun weitererzählt hat.

Als Märchen und Ritterabenteuer beginnt der Romanentwurf, an dem Ende in den Jahren vor seinem Tod – er starb 1995 an einem Krebsleiden – arbeitete: Der kleine „Knirps“ – sein eigentlicher Name sei zu lang und kompliziert – zieht mit seinen Eltern, zwei Puppenspielern, durch die Lande. Doch Knirps kennt keine Angst und läuft ihnen davon, um beim berüchtigten Raubritter Rodrigo Raubein Knappe zu werden. Doch dieser entpuppt sich dann als echter Angsthase …

An dieser Stelle nahm Wieland Freund die Fäden auf und spann die Geschichte weiter, die sich nun bruchlos als liebenswerter neuer Kinderroman liest. „Das mag jetzt seltsam klingen, aber ich habe versucht, nichts dazu zu erfinden, was nicht schon in der Geschichte steckte“, beschrieb der in Hameln ausgezeichnete Autor seine Arbeit. „Das kann man vielleicht am einfachsten mit den Figuren erklären. Natürlich kommt bei Michael Ende kein Zauberer Rabanus Rochus, keine Prinzessin Flip und kein Drache vor. Aber in Papa Dicks Puppenwagen baumeln unter der Decke ein Zauberer, eine Prinzessin und ein Drache. Ich habe diese Figuren von der Decke genommen und mit ihnen gespielt.“

Dabei findet sich nun auch im Ende/Freund-Buch etwas vom „klassischen“ Michael Ende: „Tu was du willst, heißt es in der ,Unendlichen Geschichte’. Aber das ist keine Einladung zur Anarchie, sondern eine Aufforderung, man selbst zu werden“, sagt Freund. „Und dieses großes Ende-Thema steckt auch im ,Rodrigo Raubein‘, wo keiner weiß, wer er ist, oder nicht wahrhaben will, wer er ist.“ Auf die Frage, ob „Rodrigo“ denn nun „ein typischer Michael Ende“ sei, antwortete Freund: „Vielleicht ist der Rodrigo einfach ein typischer Rodrigo.“


Info: Michael Ende und Wieland Freund: „Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe“, 204 Seiten, 17 Euro, Thienemann Verlag, ab 6 Jahre.



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