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Verschwörungsmythen und Bildungskrise

Michael Blume: Die islamische Welt hat ihre Führungsrolle verloren

HAMELN. „Schützt den Islam vor den Fanatikern, sonst müsst ihr die Welt vor dem Islam schützen.“ Mit diesem türkischen Sprichwort leitet Dr. Michael Blume sein im Patmos-Verlag erschienenes Buch „Islam in der Krise“ ein, das er am Montagabend im Rahmen des Hamelner vhs-Forums im Lalu im Hefehof vorstellte.

veröffentlicht am 28.11.2017 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 28.11.2017 um 18:20 Uhr

Dr. Michael Blume sieht den Islam in einer tiefen Krise. Foto: wft
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Der Islam in der Krise, wo diese Religion zahlenmäßig doch zu den größten Weltreligionen zählt und islamische Fundamentalisten weltweit die meiste Unruhe stiften?

Schon mit den Zahlen räumt der Religionswissenschaftler und profunde Islam-Kenner Blume schnell auf. „Zu den Christen wird in Deutschland nur gezählt, wer auch Mitglied einer Kirche ist, zu den Juden nur, wer auch Mitglied einer jüdischen Gemeinde ist. Nur als Muslim wird auch gezählt, wer gar keiner Moschee oder einer islamischen Gemeinde angehört“, relativiert Blume im Umlauf befindliche Statistiken. Immer mehr Muslime gingen auf Distanz zu ihrer Religion. Nur eine Minderheit bete täglich, und eine noch kleinere Minderheit tue dies, wie im Koran vorgeschrieben, fünfmal täglich. „Immer mehr Musliminnen und Muslime reduzieren in einem stillen Rückzug ihr religiöses Engagement, so dass nicht einmal mehr klar ist, wie viele Muslime es tatsächlich überhaupt noch gibt“, schreibt Blume. Ihre einstige Führungsrolle habe die islamische Welt durch eine verhängnisvolle Fehlentscheidung im Jahr 1485 verloren: Das Verbot des Buchdrucks, der zu einer Erstarrung und einer bis heute reichenden Bildungskrise der islamischen Zivilisation geführt habe. Dass der Islam in einer Krise ist, macht der Wissenschaftler aber auch an ganz anderen Faktoren fest, zum Beispiel an den in arabischen Ländern angemeldeten Patenten. So habe der gesamte arabische Raum mit 370 Millionen Menschen im Jahr 2013 nur rund 1800 Patente angemeldet, Deutschland mit 80 Millionen Menschen hingegen 82 000 und der Kleinstaat Israel mit acht Millionen überwiegend jüdischen Einwohnern immerhin 4789 Patente. Ihr Potenzial könnten Menschen muslimischer Herkunft offenbar besser in der westlichen Welt entfalten. Faktisch würden zahlreiche arabisch-islamische Staaten nur noch durch den Ölverkauf am Leben erhalten, der demokratische Entwicklungen in der Region im Keim ersticke. Verschwörungsmythen, wie die in Russland gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“,gehörten noch heute zum offiziellen Unterrichtsstoff. Mit dem Kampf der Sunniten gegen die Schiiten befinde sich die islamische Welt heute auf dem Stand des 30-jährigen Krieges und müsse erst noch das Zeitalter der Aufklärung hinter sich bringen. Keine Angst vor dem Islam, lautete die Empfehlung Blumes in seinem durchweg spannenden Vortrag. Der Büchertisch war am Ende komplett ausverkauft.

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