weather-image
13°

Messergebnis verheimlicht - Rattenfängerhaus ist verseucht

veröffentlicht am 27.01.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Rattenfängerhaus

Hameln. Christina Hartlieb-Fricke ist verzweifelt. Die 45-Jährige, gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Heinz Pächterin des historischen Rattenfängerhauses, bangt um ihre Existenz. Und vor allem: um ihre Gesundheit. Denn die krebskranke Frau – sie wurde im vergangenen Jahr an einem Tumor der linken Nasenhaupthöhle operiert – lebt und arbeitet in einem Gebäude, dass vermutlich stark verseucht ist. Der eigentliche Skandal: Die Stadt wusste bereits seit Mitte Dezember von den Belastungen, informierte die Familie aber erst einen Monat später.

Zur Vorgeschichte: Im Jahre 1982 wurde das Rattenfängerhaus, in der die Frickes mit ihrer 14-jährigen Tochter leben, komplett saniert. Im Mai letzten Jahres dann stellten Ärzte bei der 45-Jährigen besagtes Karzinom fest, ein seltener Fall, den es angeblich nur drei Mal weltweit gibt. Schon bei der Untersuchung, die der Operation im Nordstadtkrankenhaus Hannover vorausging, sei sie gefragt worden, ob sie mit Chemikalien zu tun hätte, sagt die Pächterin.

Aber nicht nur Christina Hartlieb-Fricke leidet, auch ihr Mann und die Tochter sind ständig krank. Deshalb hatte die 45-Jährige die Stadt Hameln als Eigentümerin der Immobilie gebeten, eine Gesundheitsmessung durchzuführen. Nach einer ersten Ablehnung, nahm dann am 26. November ein Ingenieurbüro für Umweltberatung in Garbsen die Messungen vor. Ergebnis: deutlich erhöhte Werte von Lindan und Pentachlorphenol (PCP), beides Inhaltsstoffe von hochgiftigen Holzschutzmitteln, die als krebserregend gelten und seit 1989 verboten sind. Nur: Die Familie Fricke wurde zunächst nicht informiert.

Erst auf Anfrage erfuhr die Pächterin, dass die Ergebnisse bereits seit Anfang Dezember vorliegen würden. "Es sei aber die Anweisung ergangen, mir nicht alles mitzuteilen“, behauptet Christina Hartlieb-Fricke. Die Bitte nach einer Kopie des Befundes wurde abschlägig beschieden, der Befund ging nicht an das eigentlich zuständige Baudezernat, sondern an die Rechtsabteilung der Stadt.

Einen „völlig normalen Vorgang“ nennt das zunächst Pressesprecher Thomas Wahmes. Er spricht von einer „Gefahrenabschätzung“, die die Stadt veranlasst habe. Und der solle, so hieß es noch gestern Morgen, ein weiteres Gutachten folgen. „Wir sind betroffen und nehmen das Problem sehr ernst nach den Ergebnissen, die uns vorliegen, auch wenn wir nicht wissen, ob es eine Kausalität zwischen der Schadstoffbelastung und der Krebserkrankung gibt“, sagt Wahmes.

Gestern Nachmittag immerhin sagte der Pressesprecher, dass die Stadt auf ein neuerliches Gutachten verzichten, weil die erste Expertise bereits von „deutlichen bis sehr hohen Belastungen“ spreche und deshalb umgehend mit der Sanierung begonnen werden solle. Auch das Restaurant werde dann unter die Lupe genommen werde.

Christina-Hartlieb-Fricke, die sich heute einer Blutuntersuchung unterziehen muss (die Umweltchemikalie ist in Blut und Urin nachzuweisen), schwankt derweil zwischen Wut und Verzweiflung. „Die lassen uns in einer verseuchten Wohnung wohnen, obwohl das Problem längst bekannt ist“, wirft sie der Stadt vor. Und sie überlegt, ob sie auf Anraten ihres Arztes Strafanzeige gegen die Stadt stellt. Gestern hat sich Christina Hartlieb-Fricke an den prominenten Anwalt Götz von Fromberg in Hannover gewandt...

Von Christa Koch



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt