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Drei und vier Jahre Haft: Urteil im Misshandlungsfall in der Jugendanstalt Hameln gefällt

„Menschliche Schweinerei sondergleichen“

Hameln (ww). „Was ich gemacht habe, war Scheiße“ – die Einsicht kam spät, aber sie kam: Zwei Insassen des Hamelner Jugendgefängnisses mussten sich gestern vor dem Amtsgericht Hameln verantworten. Gemeinsam mit drei weiteren Häftlingen sollen die beiden Angeklagten im Dezember 2011 und im Januar 2012 einen zur Tatzeit 15-jährigen Mitinsassen einer Untersuchungs-Haftgruppe brutal misshandelt und gedemütigt haben. Mit der flachen Hand und Fäusten, mit Besenstiel, Gürtel und Antennenkabel soll das Opfer von seinen Mitgefangenen geschlagen worden sein, zudem sollen die Täter den 15-Jährigen gewürgt, minutenlang unter einer kalten Dusche festgehalten, an einen Stuhl gefesselt und kopfüber an einem Türrahmen aufgehängt haben. Einer von ihnen soll darüber hinaus auf den Leidtragenden uriniert haben.

veröffentlicht am 04.02.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 17:21 Uhr

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Nach rund dreistündigen Verhandlungen sah es das Gericht als erwiesen an, dass die beiden heute 17- und 21-jährigen Männer ihr Opfer über einen Zeitraum von zwei Wochen misshandelt haben. Die Ermittlungen gegen zwei weitere mutmaßliche Täter waren im Vorfeld der Verhandlung eingestellt worden, der Aufenthaltsort des fünften Angeklagten ist seit seiner Haftentlassung unbekannt. „Vermutlich ist er in seiner lettischen Heimat untergetaucht“, berichtet Gerichtssprecherin Sabine Quak, „der junge Mann ist aber zur Fahndung ausgeschrieben und wird im Falle einer Einreise in die Bundesrepublik festgenommen.“

„Die Taten wurden begangen, um Macht zu demonstrieren“, stellte Richter Jochen Fiebrandt am Montagvormittag fest. Der schwächste und zugleich jüngste in der Gruppe sei ein „Zeitvertreib“ seiner Peiniger gewesen, Rangstreitigkeiten in der Gruppe seien an ihm ausgetragen worden. „Das ist eine menschliche Schweinerei sondergleichen“, mahnte Fiebrandt die Angeklagten – die sich zudem „glücklich schätzen“ könnten, „hier vor einem Jugendschöffengericht zu sitzen statt wegen Totschlags oder Mordes vor der Jugendkammer Hannover“. Werfe man einen Blick auf die Schwere der Taten, hätten diese nämlich auch schnell einen anderen Ausgang nehmen können.

Der Hauptangeklagte Ismet C. und sein Mittäter Bruno S. zeigten sich bis auf wenige Einschränkungen geständig, eine ausführliche Schilderung der Vorfälle blieb dem Opfer somit erspart. Gegen das angesetzte Strafmaß legte dann auch keiner der Anwesenden Einspruch ein: In fünf Fällen verurteilte das Amtsgericht Hameln den 17-jährigen Haupttäter wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und räuberischer Erpressung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren. Die Strafe für den 21-jährigen Letten Bruno S. wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung beläuft sich auf drei Jahre. In beiden Fällen wurden frühere Verurteilungen in das Strafmaß miteinbezogen, sodass das Gericht die Strafen für die beiden Verurteilten um neun beziehungsweise sechs Monate aufstockte.

Zur Tatzeit war Ismet C. 16 Jahre alt, Bruno S. war heranwachsend. Angesichts der bei beiden Tätern festgestellten Reifeverzögerung sei das Strafmaß „schuldangemessen und auch eine erzieherische Maßnahme“, kommentierte die Verteidigung: Der Hauptangeklagte C. bereue die Tat, in den letzten Monaten sei er nicht nur älter, sondern auch reifer geworden. „Er macht eine Sozialtherapie, die Wirkung zeigt, versucht, seinen Hauptschulabschluss zu machen“ – das alles mache Hoffnung darauf, dass der junge Mann nicht seine komplette Zukunft hinter Gittern verbringen werde.



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