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Hamelner Kantorei präsentiert Werke von Mendelssohn, Boulanger und Bernstein

Meisterhaft interpretiert

HAMELN. Man muss es Kreiskantor Stefan Vanselow lassen: Mit seiner Hamelner Kantorei an der Marktkirche wagt er sich an ungewöhnliche Aufgaben. So auch an diesem Wochenende.

veröffentlicht am 04.11.2018 um 19:01 Uhr

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Autor:

E. W. Holländer
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Neben vertrauten Werken erklingt in Stefan Vanselows Oratorien-Konzerten oft Neues, in Hameln vielleicht noch nie Gehörtes. So stehen diesmal Psalm-Vertonungen auf dem Programm; zunächst von Mendelssohn-Bartholdy für harmoniegewohnte Ohren, dann aber große Musik von der sehr jung verstorbenen französischen Komponistin Lili Boulanger und schließlich von Leonard Bernstein, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Es beginnt mit Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“, der zweite Teil wird eröffnet von „Nicht in unserm Namen, Herr“ zum Text des Psalms 115. Da kann sich der gewohnt strahlende, kompakte und doch durchsichtige Klang des Chores voll entfalten, und nahtlos fügen sich die Stimmen der Solisten Ania Vegry, Georg Drake und Stefan Adam ein, herausragend die Arien und Duette der Sopranistin und des Baritons. Klangschön leuchten auch die Tenorpassagen. Ein reiner Hörgenuss ist im ersten Werk der harmonische Gesang des Solo-Soprans mit dem Männer-Quartett, in dem Sänger aus dem Chor mitwirken.

Im Mittelpunkt dieses Konzerts stehen zwei Kompositionen von Lili Boulanger, und sie wurden zum Höhepunkt. Stefan Adam trägt zunächst die Vertonung des Psalms 129 „Ils m’ont assez opprimé“ bezwingend vor, und das auf einen schwierigen Text in französischer Sprache. Danach folgt die Vertonung des Psalms 24 für Solo-Tenor, Chor und großes Orchester. Die Musik beider Werke ist von der jungen, stark von der Krankheit gezeichneten Komponistin 1916 in Rom vollendet worden, hat durchaus zeitgenössischen Charakter, beweist auch die glänzende Beherrschung der Instrumentierung. Hier wird mit großer Freude registriert, dass die Nordwestdeutsche Philharmonie mitwirkt und all diesen für sie neuen Aufgaben mit Präzision, Klangsinn, und großer Leistung im vollen Einsatz und in den Soli voll gerecht wird. Das kürzlich in Minden mit Wagner konfrontierte Orchester ist ein wahrer „Allround“-Edelstein. Dass auch der Chor unter der sorgsamen wie anfeuernden Leitung von Stefan Vanselow die äußerst schwierigen Passagen meistert, muss an dieser Stelle kaum mehr erwähnt werden.

Wenn schon von Schwierigkeit geredet wird: Wie kann ein solcher (eigentlich längst professioneller) Chor den hebräischen Text der „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein erlernen und scheinbar mühelos beherrschen? Eine Leistung, die zu bewundern ist! Das für die Stadt Chichester als Auftragskomposition entstandene, relativ kurze Werk hat es wahrlich in sich, fordert von allen Beteiligten höchsten Einsatz. Die Solopartie im zweiten Teil wird einem Knaben-Alt zugeschrieben, hier singt hervorragend ein zehnjähriger Junge des Münchner Knabenchores. An dem Orchesterpart mit großem Schlagzeug, vielfachen Soloinstrumenten, gar zwei Harfen beißt sich die Nordwestdeutsche Philharmonie geradezu fest. Und der Chor verstärkt durch die Jugendkantorei, setzt dem im Laufe der Jahre erreichten hohen Standard erneut ein Glanzlicht auf. Die von Bernstein verwendeten Psalm-Texte werden gesanglich großartig interpretiert: intonationsrein, dynamisch weitgespannt, rhythmisch äußerst exakt. Das Werk endet in geradezu lyrischem Wohlklang, der aus diesem Konzertabend nachhaltig herausleuchtet.

Was Stefan Vanselow in langen, intensiven Proben erarbeitet hat, was er nun mit vollem Einsatz aller Beteiligten präsentiert – das ist hohe Anerkennung wert. Der anhaltende herzliche Beifall mag es ihm bestätigen.



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