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„Evet“ oder „hayir“?

Meinungen zum Referendum unter Hamelner Türken gespalten

HAMELN. Am 16. April wird in der Türkei über das Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems abgestimmt. Auch in Hameln haben rund 1700 wahlberechtigte Türken die Möglichkeit, mit „evet“ (ja) oder „hayir“ (nein) zu stimmen. Wir haben in Hameln lebende Türken und türkische Kurden nach ihrer Meinung zum Referendum befragt.

veröffentlicht am 05.04.2017 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 05.04.2017 um 18:43 Uhr

Im Wahllokal auf dem hannoverschen Messegelände können noch bis einschließlich Sonntag, 9. April, türkische Staatsbürger ihre Stimmen abgeben. Foto: dpa
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Katharina Mork Reporterin
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Auf dem Messegelände in Hannover wurde ein Wahllokal eingerichtet, Busse machten sich aus Hameln auf den Weg. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Verfassungsänderung, welche seine eigenen Rechte stärken und die Gewaltenteilung schwächen würde. Die Auffassungen zur politischen Situation in der Türkei sind auch an der Weser gespalten, wie unsere Umfrage ergab. Da Befragte Angst vor Repressionen äußerten, bleiben die Namen ungenannt.

Ein 49-jähriger Türke spricht sich gegen das Präsidialsystem aus. „Ich persönlich würde dennoch nicht wählen gehen“, sagt er, „weil ich befürchte, dass die Wahlen gefälscht werden und weil ich Angst habe, dass Erdogan seine Spitzel auch in Hannover postiert hat.“ Er habe Angst, dass seiner Familie in der Türkei „etwas zustoßen könnte“. Erdogan wird im Falle eines Sieges zum Diktator, fürchtet der 49-Jährige, „ähnlich wie Assad in Syrien“. Noch liebten Erdogan die Leute, weil er für Krankenversicherungen und das Wirtschaftswachstum gesorgt habe. Doch nun fürchte der türkische Präsident bereits den Machtverlust, „und die einzige Möglichkeit, an der Macht zu bleiben, ist, Wahlen zu fälschen und Lügen zu verbreiten“.

Eine 23-jährige – türkisch-stämmig, aber ohne türkischen Pass – kann dem Präsidenten in Ankara hingegen etwas abgewinnen: „Wirtschaftlich hat er einiges vorangebracht und die Infrastruktur gestärkt. Alle anderen Parteien haben nichts Aussagekräftiges vorzuweisen.“ Letztlich sei Erdogan so, der Einzige, den man „einigermaßen wählen könnte“. Und außerdem: „Wenn er sich als so schlecht erweist, wird er sowieso irgendwann geputscht.“ Letztlich möchte sich die junge Frau aus der Entscheidung in der Türkei jedoch heraushalten, „weil ich schon so lange nicht mehr in der Türkei war und nicht weiß, was das Beste für das Land wäre“.

Für einen 56-jährigen Kurden indes stand gleich fest, dass er gegen das Präsidialsystem stimmen wird. Erdogan habe im vergangenen Jahr ein Selbstmordattentat auf eine kurdische Hochzeit verharmlost, sagt er. Der türkische Präsident mache „zu viele Unterschiede zwischen den Menschen, aber wir sind doch alle gleich“. Egal ob Deutsche, Türken, Kurden, Afghanen oder Griechen. Aber ein friedliches Zusammenleben – „unter Erdogan wird das nicht funktionieren“.

Doch sogar unter den in Hameln lebenden Kurden finden sich Erdogan-Anhänger: „Ich bin Kurdin und für Erdogan“, sagt eine 32-Jährige. „Unter Erdogan können wir Kurden zu unserer Identität stehen und sagen, dass wir Kurden sind, ohne dafür verfolgt zu werden“, ist sie überzeugt.

Ein 64-jähriger Kurde ist da jedoch ganz anderer Meinung: Erdogans Politik werde der Adolf Hitlers immer ähnlicher. Erdogan sei ein Islamist: „Menschen werden gerade dort radikal, wo sie wenig arbeiten, die Religion den Alltag bestimmt und zu viel gebetet wird. Erdogan will zurück zu diesem Standard“, sagt der Hamelner. In Europa hingegen werde das ganze Leben lang gearbeitet, Religion spiele keine große Rolle und man akzeptiere Diversität. „Als mein Vater mich damals zur Moschee mitnehmen und für den Islam begeistern wollte, habe ich mich stets geweigert, und er musste das akzeptieren“, erzählt der 64-Jährige. „Erdogan will, dass das nicht mehr möglich ist.“

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