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Seit 30 Jahren im Obst- und Gemüsehandel tätig: Die Santangelos / Italienischer Charme begeistert auf dem Wochenmarkt

„Meine Mutter hat mich in eine Bananenkiste gesteckt“

Von Julian Mau

veröffentlicht am 06.02.2009 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:21 Uhr

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Hameln. Seit Guiseppe Sant- angelo denken kann, ist er auf Wochenmärkten. Anfangs noch gut versteckt unter der Theke: „Meine Mutter wusste einfach nicht wohin mit mir. Also hat sie mich mit einer Decke in eine Bananenkiste gelegt und einen Deckel draufgemacht.“ Guiseppe witzelt, dass er die Kunden irgendwann fast alle an den Schuhen erkannt hat. Mittlerweile kennt er auch die Gesichter zu den Schuhen und in den meisten Fällen auch die Namen dazu. Er ist seit fast 20 Jahren im Verkauf tätig. Die Kunden kommen gerne zu ihm, seinen Geschwistern und den Onkel an den knallbunten Verkaufsstand auf dem Hamelner Wochenmarkt. Das typisch italienische Lachen und das wilde Gestikulieren machen den Einkauf von Obst und Gemüse für viele zu einem Erlebnis. „Ich freue mich immer, hierherzukommen“, schwärmt eine Kundin, „die tragen mir sogar die Einkaufstüte, wenn sie sehr schwer ist. Die sind alle sehr nett!“ Die große Auswahl und die Kundenbindung sind das Erfolgsrezept der Familie, die ihre Wurzeln in Sizilien hat.

Ende der 60er Jahre sucht Guiseppes Vater, Angelo Santangelo einen Job im fernen Weserbergland. Aus Sizilien siedelt er ohne Familie um und beginnt in der Bad Münderaner Glasfabrik einen Job. Schnell merkt er jedoch, dass ihm die Arbeit am Fließband keine Freude bereitet. Guiseppe über seinen Vater: „Er wollte an die frische Luft und zusammen mit seiner Familie arbeiten. Also gründete er den Gemüse- und Obsthandel und holte nach und nach den Rest der Familie mit ins Boot.“ Die Geschäftsidee war nicht neu: Bereits Opa Santangelo verkaufte Obst und Gemüse in den Straßen der Stadt Adrano, damals mit einem Eselskarren.

Seit der Gründung des italienischen Familienunternehmens in Bad Münder sind 30 Jahre vergangen. Viel Disziplin erfordert der Job, meint Guiseppe: „Früh aufstehen und immer gute Laune beim Verkaufen gehören einfach dazu.“

Mutter Maria ist mittlerweile im Ruhestand, trotzdem spielt die 71-Jährige im täglichen Geschäft eine entscheidende Rolle. Jeden Morgen weckt sie ihre Kinder um halb drei. „Zuerst ruft sie bei meinem ältesten Bruder an. Der schläft am liebsten von uns!“ In all den Jahren habe die Mutter nur zweimal verschlafen, erinnert sich Guiseppe und ist beeindruckt von ihrer Zuverlässigkeit.

Der Tag der Santangelos beginnt mit einem frischen Espresso bei Maria zu Hause. Guiseppe schwärmt, wenn er über die italienische Bilderbuchmutter spricht: „Obwohl sie Rentnerin ist, steht sie um 2.30 Uhr auf. Den Weckruf und das morgendliche Zusammensein lässt sie sich einfach nicht nehmen. Sie behandelt uns immer noch wie Kinder.“

Nach dem Beisammensein trennen sich für wenige Stunden die Wege der Geschwister. Zwei Brüder fahren zum Großmarkt nach Hannover, während die anderen den Stand vorbereiten. Frisches Gemüse und Obst in allen Größen und Variationen werden verkauft. Darunter auch Spezialitäten aus Sizilien, wie zum Beispiel eine Frucht, die aussieht wie eine große Zitrone, mit Schale gegessen werden kann und von Guiseppe einfach nur „große Zitrone“ genannt wird. Über zu wenig Arbeit können sich die Sant- angelos nicht beklagen. Die Ware, der knallbunte 18 Meter lange Stand und der italienische Charme ziehen die Kunden an.

Keine Bananenkiste für

Guiseppes Kinder

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters 2001 brach für die Santangelos eine schwere Zeit an. „Er hat irgendwie alles in der Hand gehabt. Wir mussten uns erstmal finden. Jetzt sind wir aber auf einem guten Weg“, versichert Guiseppe. Ob es den rot-orangefarbenen Stand der Santangelos in 30 Jahren auch noch gibt, weiß er nicht. Sicher aber ist, dass seine Kinder nicht in einer Bananenkiste unterm Verkaufstresen schlafen müssen.

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