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Entscheidung im Schulausschuss / Stadtelternrat: 80 Prozent für viergliedriges Angebot

Mehrheit für altes Schulsystem

HAMELN. Wohin führt der Weg der weiterführenden Schulen in Hameln? Bleibt es bei einem viergliedrigen Schulsystem mit Oberschulen, einer Realschule, drei Gymnasien und einer Integrierten Gesamtschule? Einen ersten, aber bereits sehr konkreten Hinweis für die einzuschlagende Richtung lieferte die Sitzung des Schulausschusses.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 09:53 Uhr
aktualisiert am 03.04.2019 um 12:58 Uhr

Das Nadelöhr wäre groß genug, um den Schulball hindurchzuspielen. Aber die Zeit scheint für eine Reform in Hameln noch nicht reif, wie die CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Albrecht konstatierte. Foto: Dana
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Mit neun Stimmen, darunter auch denen der beiden Eltern- und Lehrervertreter, empfahl das Gremium dem Rat, bis auf Weiteres bei dem viergliedrigen Aufbau zu bleiben. Sechs Mitglieder des Schulausschusses von SPD, Grünen und Linken votierten für eine Zweigliedrigkeit, bestehend aus Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen.

Mit Spannung war vor allem die Positionierung der Gruppe CDU/DU erwartet worden, denn die CDU hatte ihre Mitglieder zu dem Thema befragt. Bei einem Rücklauf von 20 Prozent habe sich eine Mehrheit für die Erhaltung des bisherigen Systems ausgesprochen, berichtete die CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Albrecht und betonte, dass es auch in ihrer Fraktion keine einheitliche Haltung zu der Frage gebe. „Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif“, erklärte die Kommunalpolitikerin, „es braucht wohl einfach noch mehr Zeit des Überlegens, auch um die pädagogischen Herausforderungen klarer zu identifizieren. Die Veränderung der Zusammensetzung der Schülerschaft in den vergangenen fünf Jahren muss nicht zwangsläufig zu einer Veränderung führen. Schulen müssen sich mit eigenen Schwerpunkten profilieren“, forderte Birgit Albrecht. Dann könne es in fünf Jahren vielleicht einen neuen Anlauf geben. Worum Hameln nicht herumkomme, sei, die bauliche Substanz der verschiedenen Schulen auf die pädagogischen Herausforderungen auszurichten. Als vordringliches Beispiel nannte sie die Wilhelm-Raabe-Schule. „Dort sollte ein zeitgemäßes Gebäude als Stadtteilschule entstehen“, forderte die Leiterin der Grundschule Rohrsen, „die als Schulzentrum für eine gemeinsame Grund- und Oberschule betrieben werden könnte.“ Auch die Theodor-Heuss-Realschule müsse baulich saniert werden, betonte Birgit Albrecht, damit sie eine eigene Entwicklung nehmen könne.

Ein Plädoyer für die Viergliedrigkeit des Hamelner Schulsystems trug der FDP-Ratsherr Herbert Habenicht vor. Alles, was die Befürworter der Zweigliedrigkeit in der Vergangenheit vorgetragen hätten, könne auch das viergliedrige System mit seinen verschiedenen Schultypen leisten. „Ob eine Schule gut ist oder nicht, ist keine Frage der Schulform, sondern hängt überwiegend von der Qualität des Kernprozesses Unterricht ab.“ Und das sei abhängig von den handelnden Personen an der Schule. „Wenn sie es schaffen, den Unterricht gut zu gestalten, gelingt Schule, egal welcher Form.“ Als vor Jahren die IGS eingeführt wurde, habe die FDP das Argument unterstützt, Eltern sollten eine Alternative wählen können. Jetzt wolle man den Eltern die Alternativen nehmen.

Für die SPD begründete Volker Brockmann den Wunsch nach einem zweigliedrigen Schulsystem insbesondere mit den Rückläuferquoten von Schülern, die von ihren Eltern an die verkehrten Schulen geschickt worden seien. „In Integrierten Gesamtschulen könnten die durch Schulversagen frustrierten Schüler viel besser aufgefangen werden“, erklärte der SPD-Ratsherr und wurde von Katja Schütte (SPD) mit dem Argument unterstützt, Integration und Inklusion ließen sich in einem zweigliedrigen Schulsystem wesentlich besser verwirklichen. Auch Anett Dreisvogt (Grüne) und Daniel Wünsch (Linke) plädierten für das System mit IGSen. Schon die Pisa-Studien hätten gezeigt, dass dies die bessere Alternative sei, erklärte Wünsch.

Claudia Schumann betonte für die Piraten und den Frischen Wind hingegen, sie sei für die Beibehaltung des bestehenden Systems und bezog sich dabei vor allem auf die von Herbert Habenicht vorgebrachten Argumente. Auch der Stadtelternrat habe die Argumente für das eine oder das andere System mehrfach hin- und hergewendet, berichtete der Stadtelternratsvorsitzende Volker Schöpe. „Das Ergebnis war eindeutig: 80 Prozent der Eltern wollen das bisherige System beibehalten“, erklärte Schöpe. Und erhielt dafür auch die Unterstützung des Lehrersprechers Christian Burger. Burger betonte allerdings auch, „ein ,Weiter so‘ darf es nicht geben“. Zwar sei die Rückläuferquote ein starkes Argument, das Problem werde aber auch durch eine Zweigliedrigkeit nicht gelöst. „Entscheidend ist“, betonte Burger, „wie der tatsächliche Wille der Beteiligten ist.“ Und der fordere eben auch die Beibehaltung der Realschule.



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