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Kopmannshofsgarage im Gespräch

Mehr Parkplätze für Anwohner?

HAMELN. Leicht war es nie mit den Parkplätzen in der Enge der Hamelner Altstadt. Um wenig Fläche konkurrieren Anwohner, Menschen, die in der City arbeiten, Geschäftsleute und deren Kundschaft: Konflikte sind vorprogrammiert. Könnte das öffentliche Parkhaus am Kopmannshof eine Parkmöglichkeit für Anwohner werden?

veröffentlicht am 12.03.2019 um 16:55 Uhr

Ursprünglich war die öffentliche Parkgarage am Kopmannshof für die Menschen gedacht, die in der Altstadt wohnen, doch daraus wurde nichts. Foto: dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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In den 1970ern verwarf man – dem Himmel sei Dank – den verwegenen Plan, Parkbrücken über die Straßen in die Innenstadt zu bauen. Um das Problem abzumildern, entschied sich die Stadt für citynahe Parkhäuser. Eines davon, mit 150 Stellplätzen, sollte eigentlich für Anwohner sein – das heutige öffentliche Parkhaus am Kopmannshof. Der Plan, die Plätze an Anlieger zu verkaufen, wurde allerdings nie verwirklicht – der Druck der Einzelhändler war zu groß. Nebenbei gehört es aufgrund seiner zentralen Lage auch zu den lukrativsten Parkhäusern der Stadtwerke.

Beim Altstadtgespräch in der Pfortmühle, zu dem das Stadtteilprojekt „Hameln kan(n‘)s“ eingeladen hatte, kam die Garage als Parkmöglichkeit für die Anwohner wieder ins Gespräch. Der ehemalige Stadtplaner Wolfgang Kaiser warf die Frage auf, ob die Parkgarage nicht – wie gedacht – privatisiert werden könne. Die Anwohner können sich das gut vorstellen. „Jeder zusätzliche Parkplatz ist wichtig“, sagt Hauseigentümerin Helga Uppenkamp.

Seit den 80ern ist die Zahl der Menschen, die in der Innenstadt wohnen, zwar zurückgegangen, aber der Bedarf an privaten Parkplätzen ist größer denn je. Bei den Garagen, die es gibt, reihen sich Hauseigentümer wie Jutta Zeropa vorsorglich in Warteschlangen ein, um Mietern einen Parkplatz bieten zu können. Derzeit wartet sie ein Dreivierteljahr. Hausbesitzer Cord Wehrmann hätte nach eigener Aussage das Haus seiner Großmutter in der Hamelner Altstadt nie übernommen, wenn es keinen Stellplatz gehabt hätte. „Eine Wohnung ohne Parkplatz zu vermieten, ist ein Riesenproblem“, Helga Uppenkamp. Ein immer wieder vorgebrachtes Argument, in der Innenstadt brauche man kein Auto, möchte sie so nicht stehen lassen, weil es oftmals einfach nicht stimme. „Hier kann man nicht moralisch argumentieren.“

Manche Handwerker nehmen den Auftrag gar nicht erst an, wenn sie Neue Marktstraße hören.

Helga Uppenkamp, Haueigentümerin

Hauseigentümer wie Zeropa, Uppenkamp und Wehrmann werden für Hameln zunehmend wichtiger bei dem Versuch, die Innenstadt zu einem beliebteren Wohnquartier zu machen. Denn die Zeiten, in denen der Laden im Erdgeschoss den Unterhalt des ganzen Hauses sicherte, sind vorbei. Der Anteil der inhabergeführten Geschäfte ist gering, noch seltener wohnen die Geschäftsinhaber über ihrem Laden in der City, wie es früher oft üblich war. Zugleich ist der Anteil der Immobilien, die im Besitz von Fondsgesellschaften mit Sitz in Luxemburg oder entfernt lebenden Erbengemeinschaften sind, die sich wenig um den Zustand der Häuser kümmern, höher als der Stadt lieb ist. Immer mehr Sanierungsfälle und der zähe Kampf gegen Leerstand machen eine Verschiebung von Gewerbe zu mehr Wohnen wahrscheinlicher. Insofern scheint es folgerichtig, den Bedürfnissen der Altstadtbewohner mehr Ohr zu leihen – schließlich will man, dass sie bleiben und andere nachziehen. Ein Kriterium scheint in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Parkplätze.

Sollte man also wirklich darüber nachdenken, die Parkgarage Kopmannshof zu privatisieren? „Denkbar ist alles“, sagt der neue Altstadtbeauftragte Dieter Schur, weist aber zugleich auf die Bedürfnisse der Einzelhändler hin. „Egal welche Regelung man trifft, Ärger wird es immer geben.“ Er könnte sich auch vorstellen, erst einmal ein paar zu vermieten, um zu sehen, wie die Resonanz ist. Eine Idee, die sowohl Kaiser als auch Schur charmant finden, ist Parksharing für Leute, die ihren Parkplatz nur tagsüber oder nur nachts brauchen. Grundsätzlich bittet Schur die Eigentümer aber auch, zu schauen, ob die Einrichtung eines Stellplatzes auf dem eigenen Grundstück möglich ist.

Egal welche Regelung man trifft, Ärger wird es immer geben.

Dieter Schnur, Altstadtbeauftragter

Wäre es. Zum Beispiel bei einigen leerstehenden Garagen im Himmelreich. Die gehören allerdings nicht einem der wenigen Hauseigentümer, vor Ort, sondern einer Erbengemeinschaft, der – laut Anwalt – die Zukunft der Garagen egal sei, sagt Marius Rettkowski. Der 29-Jährige ist täglich im Himmelreich, seine Oma wohnt dort, er pflegt sie. Seine Familie, der das Haus gehört, hat zwar einige Parkplätze, dennoch insgesamt sei der Platz für alle zusammen knapp. Lieferverkehr und Wildparker machen es nicht einfacher. Das Ordnungsamt verteile täglich Strafzettel, aber ob das Knöllchen einem Anwohner gilt, der seine Einkäufe nach oben schleppen will, oder einem Handwerker ist, der woanders keine Parkmöglichkeit gefunden hat, spielt dabei natürlich keine Rolle.

Das Problem kennt Helga Uppenkamp gut. „Manche Handwerker nehmen den Auftrag gar nicht erst an, wenn sie Neue Marktstraße hören.“Was die Parktickets betrifft, wünscht sie sich von der Stadt einen anderen Umgang.

Eine andere Möglichkeit wäre für sie ein ausgeweitetes Anwohnerparken. Sie denkt dabei auch an den Parkplatz an der Wilhelmstraße. „Wir sind dran“, erklärte man ihr, als sie bei der Stadt nachfragte. Das war 2006.



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