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NGG kritisiert mangelnde Überprüfung von Gaststätten im Landkreis Hameln-Pyrmont

Mehr Mindestlohn-Kontrollen gefordert

HAMELN-PYRMONT. Kritik an fehlenden Zoll-Kontrollen: Verstöße gegen den gesetzlichen Mindestlohn werden im Landkreis Hameln-Pyrmont zu selten geahndet – vor allem im Gastgewerbe. Das bemängelt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

veröffentlicht am 29.05.2017 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 16:50 Uhr

Nach Angaben der NGG kontrollierte das Hauptzollamt Hannover im vergangenen Jahr 110 Gastro-Betriebe. Das sind lediglich zwei Prozent aller Hotels und Gaststätten, für die die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Hannoveraner Zoll zuständig ist. Im Jahr zuvor hatten die Beamten 143 Betriebe im Gastgewerbe geprüft. Allein im Kreis Hameln-Pyrmont zählt die Branche 289 Betriebe.

Insgesamt überprüfte das Hauptzollamt im letzten Jahr 702 Arbeitgeber auf Schwarzarbeit, Lohn-Prellerei und Betrug bei der Sozialversicherung. Wegen Verstößen gegen den gesetzlichen Mindestlohn verhängten die Kontrolleure dabei Bußgelder in Höhe von 265 000 Euro und leiteten 97 Ermittlungsverfahren ein – 44 davon im Gastgewerbe. Diese Zoll-Bilanz geht aus einer aktuellen Anfrage der Arbeitsmarkt-Expertin Beate Müller-Gemmeke (Grüne) an das für den Zoll zuständige Bundesfinanzministerium hervor, die der NGG vorliegt.

Geschäftsführerin Claudia Tiedge nennt die Zahlen „alarmierend“: „Von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2015 sollten die Beschäftigten im Gastgewerbe besonders profitieren. Aber viele Kellner, Köche und Co. gehen offenbar leer aus. 44 eingeleitete Ermittlungsverfahren bei nur 110 geprüften Betrieben zeigen, dass die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthalten, noch immer viel zu hoch ist.“

Der Zoll müsse seine Kontrollen auch im Kreis Hameln-Pyrmont nun dringend ausweiten, fordert Tiedge. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde gelte nur auf dem Papier. „Je stärker der Zoll kontrolliert, umso mehr steigt das Risiko für Arbeitgeber, bei Tricksereien erwischt zu werden. Die Politik hat den Mindestlohn per Gesetz vorgeschrieben. Jetzt muss sie endlich dafür sorgen, dass er überall eingehalten wird.“

Bundesweit sank die Zahl der Zoll-Kontrollen im Gastgewerbe nach Angaben des Bundesfinanzministeriums allein im letzten Jahr um 17 Prozent. Die NGG zweifelt dabei an einem „ernsthaften Interesse des Ministeriums, künftig mehr zu kontrollieren“. red



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