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Die Zeit ist reif: Ein Plädoyer für eine Fusion der Sparkassen

Mehr Gemeinsamkeit wagen

Es ist ein Thema für vertrauliche Runden. Unter vier Augen warnen Insider vor dem wachsenden wirtschaftlichen Druck und zögern nicht, den folgerichtigen, ja überfälligen Schritt zu fordern. Um anschließend nicht weniger leidenschaftlich darum zu bitten, doch lieber nicht zitiert zu werden. Aber die Zeit ist reif, es offen auszusprechen. Die Stadt Hameln und der Landkreis müssen sich endlich zusammenraufen und ihre Sparkassen fusionieren.

veröffentlicht am 19.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Frank Werner
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Aus wirtschaftlicher Vernunft, nur deshalb. Für die Stadt indes hat das Thema noch eine weitergehende, politische Dimension. Es birgt große Chancen. Vorausgesetzt, man erkennt sie und verhandelt klug mit dem Landkreis.

Aber der Reihe nach. Maßgeblich ist die Sicht der Banker. Eine Fusion der Stadtsparkasse Hameln mit der Sparkasse Weserbergland – um die geht es hier, obwohl sich das Argument auf die Stadtsparkasse Bad Pyrmont übertragen ließe – darf kein Mittel zum Zweck sein, sie muss sich wirtschaftlich begründen. In dieser Hinsicht jedoch hegen Experten kaum Zweifel. Im Gegenteil, sie formulieren die Frage anders: Was spricht noch für den Status quo?

Blickt man auf die Sparkassenlandschaft Niedersachsens, erscheint Hameln-Pyrmont als eine vom Wandel vergessene Insel, von den Fusionswellen der Branche seit vielen Jahren unberührt. Drei Sparkassen in einem Landkreis gelten längst als Rarität.

Auf Dauer wird diese Kleinteiligkeit zum Problem. Denn die Großwetterlage ist nicht mehr so ungetrübt, wie sie einmal war. Die Zinsüberschüsse, das klassische Geschäftsmodell der Sparkassen, schmelzen angesichts der Niedrig- bis Nullzinsen dahin, während immer neue Vorschriften und Regelwerke immer neue Kosten verursachen. Und die Kunden? Die Institute bekommen sowohl den demografischen wie den digitalen Wandel zu spüren. Die Kunden bewegen sich zunehmend im Internet, wo die Konkurrenz nur einen Klick entfernt ist, statt sich in den vielen kleinen Filialen zu tummeln, die sich die Sparkassen weiterhin leisten.

Das heißt nicht, dass sich die Stadtsparkasse oder die Sparkasse Weserbergland in eine Fusion retten müssten. Keineswegs. Beides sind solide wirtschaftende, gesunde Institute. Es ist der Blick in die Zukunft, der an den Verhandlungstisch führen muss.

„Besorgt sehen wir die derzeitige Niedrigzinspolitik, die Fehlanreize erzeugt und weitere Folgewirkungen haben wird, welche wir in vollem Umfang erst in den folgenden Jahren sehen werden“, warnen die Stadtsparkassen-Vorstände im Vorwort zum jüngsten Geschäftsbericht. Der „Druck auf die Ertragslage“ ist bereits spürbar, der Jahresüberschuss ging 2013 leicht zurück. Und die Aussichten werden nicht besser. Die Niedrigzinsen, so die Prognose, werden „den Zinsüberschuss als Hauptertragsquelle zunehmend schmelzen lassen“.

Weniger Zinsen, mehr Bürokratie

Die Sparkasse Weserbergland bilanziert für 2013 noch einen wachsenden Zinsüberschuss, weil die günstigeren Konditionen auf der Refinanzierungsseite den Ausschlag gaben. Doch solche Effekte sind kein Versprechen für die Ewigkeit. Bei den Kundeneinlagen verbuchte die Bank bereits 2013 ein Minus, der Jahresüberschuss ging zurück.

Hinzu kommt das wachsende Dickicht an Verbraucherschutz-Vorschriften und regulatorischen Richtlinien. Die neu gezimmerte europäische Aufsichtsarchitektur nimmt vor allem Großbanken ins Visier, aber erfüllen müssen die Auflagen auch die kleinen Institute – und hier schlagen sie vor allem zu Buche. So bilanziert die Sparkasse Weserbergland „erhebliche finanzielle, personelle und organisatorische Belastungen“ durch die zunehmende Regelungsdichte. Und nicht nur die Bürokratie, auch der Bedarf an Expertenwissen wächst beständig. Beides lässt sich in größeren Einheiten leichter managen.

Analysten gehen deshalb davon aus, dass Sparkassen auch in Zukunft durch Zusammenschlüsse wachsen werden. Politische Grenzen dürften hierbei immer weniger ein Hindernis darstellen. Bereits vor einigen Jahren startete aus dem Verwaltungsrat der Sparkasse Weserbergland heraus eine politische Initiative, die das Feld für eine Fusion mit der Stadtsparkasse Hameln vorbereiten wollte – der Vorstoß war auch von der Furcht getragen, die eigene Zersplitterung könnte sich eines Tages als Nachteil erweisen, wenn über eine Verschmelzung mit Sparkassen in Nachbarlandkreisen verhandelt wird.

Auch unter heimischen Sparkassen ist Fusion kein Fremdwort. Aus der Kreissparkasse Hameln-Pyrmont und der Stadtsparkasse Bodenwerder erwuchs 1999 die Sparkasse Weserbergland, ein Jahr später gesellte sich Hessisch Oldendorf hinzu. Doch danach stockte der Fusionsmotor. So selbstbewusst sich die Städte Hameln und Bad Pyrmont geben, so selbstständig blieben ihre Sparkassen. Eine eigene Bank zu steuern, gilt auch als Frage des Prestiges.

Dabei hat es an Versuchen, die Kleinteiligkeit zu überwinden, nicht gefehlt. Zu den aktiven Fürsprechern einer Verschmelzung gehörte der ehemalige Landrat Rüdiger Butte. Doch die Hamelner Verwaltungsräte, allen voran die Oberbürgermeisterin, waren nicht in Hochzeitsstimmung. Mit dem neuen Pragmatismus, der unter Claudio Griese ins Hamelner Rathaus einzieht, könnten sich die Vorzeichen ändern. Denn nüchtern betrachtet ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Banken in größeren Einheiten aufgehen. Wer dieses Marktgesetz akzeptiert, dem fällt es leichter, das Unabwendbare nicht nur geschehen zu lassen, sondern zu gestalten.

Noch ist dies möglich. Noch könnte auch Hameln aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, um den eigenen Einfluss zu wahren. In einer fusionierten Bank wäre die Stadt zwar kein Solist mehr, könnte ihre Stimme aber in einem größeren Konzert zu Gehör bringen. Auch die Mitarbeiter müssten nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten. Als öffentlich-rechtliche Institute sind Sparkassen nicht für personelle Kahlschläge bekannt. Doch die Zeit drängt. Im Herbst 2016 sind Kommunalwahlen. Und für Sparkassen-Fusionen ist die Wahlkampfarena kein gutes Terrain.

Aus Hamelner Sicht spricht noch mehr dafür, die Fusion nicht weiter auf die lange Bank zu schieben. Bei Verhandlungen zwischen ungleich großen Partnern, das ist ein offenes Geheimnis, geht es auch um Kompensationen. Wer etwas gibt, erhält etwas – wenn auch nicht unbedingt im offiziellen Teil. In dieser Hinsicht steckt für die Stadt in den Gesprächen eine Menge Musik. Ein Schelm, wer jetzt an das Schulzentrum Nord denkt, das der Landkreis aktuell nur zu 25 Prozent mitfinanzieren will.

Auch die Zukunft des Rathauses könnte sich klarer abzeichnen. In einem Szenario, in dem die Sparkassen am Pferdemarkt zusammenwachsen, würde die Hauptstelle in der Osterstraße frei. Eine Option zumindest für einen Teil der Stadtverwaltung. Vor allem die alte Garnisonskirche böte sich als zentrales und repräsentables Domizil an. Der Sanierungsfall Rathaus wäre damit nicht gelöst, aber ein möglicher Neubau würde kleiner und somit günstiger.

Die Gunst der Stunde zu nutzen, wäre aus Sicht der Stadt ein kluger Schachzug. Doch die politischen Gedankenspiele dürfen nicht im Mittelpunkt stehen. Bei Banken-Fusionen gilt das Primat des Ökonomischen. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Politisches Prestige- und Kirchturmdenken sind schlechte Ratgeber für die Zukunft der Banken.

Die Zahlen für 2013 zeigen: Die Stadtsparkasse Hameln und die Sparkasse Weserbergland sind gesunde Institute, deren Bilanzen sich sehen lassen können. Trotzdem geht die Niedrigzinsphase nicht spurlos an ihnen vorüber. Die mittelfristigen Aussichten sprechen dafür, mit einer Fusion nicht länger zu warten.



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