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Ehemaliger Pastor der reformierten Kirchengemeinde

Martin Hoffmann mit 69 Jahren gestorben

HAMELN. „Abschied nehmen lernt sich nicht.“ Dieses Zitat des Theologen Martin Niemöller (1892-1984) erwähnte Martin Hoffmann, der 1975 als Vikar aus Schüttorf in der Grafschaft Bentheim nach Hameln kam und von 1977 bis 2013 Pastor der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hameln-Bad Pyrmont war, oft in seinen Gottesdiensten. Am Freitag heißt es nun, Abschied zu nehmen von einem Mann, der bereits am Samstag im Alter von 69 Jahren verstarb und für den das Antependium an der Kanzel der reformierten Kirche mit der Aufschrift „Herr, erquicke uns nach deinem Wort!“ stets eine große Bedeutung hatte.

veröffentlicht am 02.05.2018 um 18:07 Uhr

Pastor Martin Hoffmann Foto: Archiv

Autor:

Alexander Tacke
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„1936 als klares Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus dort angebracht, gibt dieser Satz den Menschen bis heute Trost und Wegweisung“, sagte der Pastor damals anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Das galt auch für ihn selbst, als vor einigen Monaten plötzlich Abendlicht auf die Straße seines Lebens fiel.

Häufig zitierte Hoffmann in seinen Predigten, wenn es um weltpolitische Probleme ging, den von ihm geschätzten Theologen Karl Barth (1886-1968), der am Vorabend seines Todes sagte: „Ja, die Welt ist dunkel. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her! Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken.“ Diesen Standpunkt vertrat auch er. Selbst als die Nacht für Hoffmann schon vorgedrungen war, um es mit den Worten des ebenfalls oft von ihm zitierten Jochen Klepper (1903-1942) auszudrücken, bewies der Pastor im Ruhestand Glaubensstärke, als er sich wie Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) unmittelbar vor seiner Hinrichtung äußerte: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn meines Lebens.“

Vorbild in Glaubensstärke waren für den Theologen auch die in ihrer Heimat Südfrankreich wegen ihres Glaubens verfolgten Hugenotten, die in Hameln die Vorgängergemeinde der jetzigen reformierten Gemeinde gründeten. „Teneo quia teneor – Ich halte durch, weil ich gehalten werde“, lautete ihr Trost in schweren Zeiten der Flucht und Folter ebenso wie: „Post tenebras lux – Nach Dunkelheit Licht.“ Auch daraus schöpfte Hoffmann Kraft. Der hugenottische Segen „Vergesst die Armen nicht“ am Ende eines jeden Gottesdienstes war für den Pastor nicht nur eine Phrase. Er wurde gelebt, „weil eine reformierte Gemeinde im Sinne von Huldrych Zwingli und Johannes Calvin immer auch in gesellschaftspolitischer Verantwortung steht, der Stadt Bestes zu suchen“. So fielen in Hoffmanns Amtszeit die Mitgestaltung des ökumenischen Pfingstgottesdienstes, die Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, des Forums Ausländer, des Runden Tisches Obdachlosigkeit, der Hamelner Tafel und der Obdachlosenhilfe, die 2009 in dem Erwerb des Senior-Schläger-Hauses gipfelte, einer Anlaufstelle für obdachlose und von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen.

„Von daher gehe ich voller Dankbarkeit für ein sicherlich nicht immer leichtes, aber zugleich sehr tief erfülltes Leben in Glaube, Liebe, Hoffnung und für die vielen Begegnungen mit Euch mit einem von Herzen kommenden Adieu zu Gott hin und ihm befohlen“, verabschiedete sich Hoffmann in seiner letzten Mail von der Gemeinde. Wenn er jetzt die Klänge des 42. Psalms höre, fühle er sich „wie von Engeln in den Himmel getragen. Denn hier liegt meine Zuversicht, dass wir uns dort wiedersehen werden in einer einzigartigen und nicht enden wollenden Herrlichkeit“. Adieu Martin Hoffmann!



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