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26-Jähriger war nach Überfall und versuchter Gefangenenbefreiung einer Richterin vorgeführt worden

Mann stürzt in den Tod

Hameln. Am Amtsgericht Hameln ist am Mittwochnachmittag ein Mann aus dem 7. Stock in den Tod gestürzt. Der 26-jährige Hamelner stand im Verdacht, am Dienstagabend die HEM-Tankstelle in Aerzen überfallen und ausgeraubt zu haben. Nach seiner Festnahme in einer Aerzener Spielothek brachten Polizisten den Verdächtigen zur Wache, wo ihn sein 25-jähriger Bruder mit Gewalt aus dem Streifenwagen befreien wollte. Die Polizisten konnten den Angreifer überwältigen. Die beiden Brüder wurden nach dem Überfall und der versuchten Gefangenenbefreiung gestern gegen 14.30 Uhr einer Untersuchungsrichterin vorgeführt. Im Gericht gelangte der ältere Bruder durch ein Fenster nach draußen – und stürzte in den Tod.

veröffentlicht am 15.01.2015 um 09:54 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 14:00 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Nach Informationen dieser Zeitung hatte sich der Mann auf dem Flur der 7. Etage mit seinem Rechtsanwalt beraten wollen. Plötzlich sei er aus dem Fenster „gekrochen“, berichtete sein Verteidiger der Polizei. Für den Juristen sah es so aus, als habe sein Mandant die Flucht ergreifen wollen und sei dabei abgestürzt. Der Mann gehört einer Großfamilie an.

Angehörige warteten vor dem Gerichtsgebäude. Sie waren sich sicher, dass ihr Verwandter gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wird. Dabei war gegen den 26-Jährigen in der Vergangenheit bereits wegen zahlreicher Straftaten ermittelt worden. „Er war auf Bewährung draußen“, sagt der Onkel des Toten, Khoder Siala. Der Beschuldigte habe noch nicht gewusst, wie sich die Richterin entscheiden werde, sagte Oberkommissar Jens Petersen.

Angehörige des Toten erheben schwere Vorwürfe: Eine aufgebrachte Frau behauptet, sie habe gesehen, dass der Hamelner aus dem Fenster gestürzt wurde. Sie will am Fenster Männer gesehen haben. Khoder Siala gehen viele Fragen durch den Kopf: „Warum konnte mein Neffe das Fenster öffnen? In einem Gerichtsgebäude müsste es doch abgeschlossen sein. Warum trug er keine Handschellen? Niemand von der Familie glaubt, dass sich jemand, der im Verdacht steht, einen Raub begangen zu haben, deshalb in den Tod stürzt. Das ist nicht glaubhaft. Da stimmt was nicht“, sagt der Dolmetscher. Er habe versucht, die Familie zu beruhigen.

Nach dem Sturz spielten sich vor dem Amtsgericht tumultartige Szenen ab: Angehörige weinten, schrien vor Verzweiflung und Wut. Ein Arzt sagte, Steine seien geworfen worden. „Ein Retter wurde getroffen.“ Die Polizei zog Kräfte zusammen und schirmte das Notarztteam, das den Schwerstverletzten behandelte, ab. Feuerwehr und Rettungsdienste rückten an, Helfer kümmerten sich um Frauen, die zusammengebrochen waren. Mit einem Notarztwagen wurde das Opfer zum Krankenhaus gefahren, wo bereits Rettungshubschrauber „Christoph 4“ landete. Für den 26-Jährigen kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Etwa 30 Angehörige, die sich später vor dem Eingang des Sana-Klinikums versammelt hatten, waren mit Pfefferspray daran gehindert worden, die Klinik zu stürmen. Zeugen berichteten, aus der wütenden Menge heraus seien unzählige große und kleine Steine geworfen worden. Ein Oberkommissar (38) wurde im Gesicht getroffen. Er zog sich einen Knochenbruch zu. Polizisten und Rettungskräfte trugen den Beamten im Steinhagel in das Krankenhaus und zogen sich dann zurück. Scheiben gingen zu Bruch. Die Notaufnahme wurde abgemeldet und nahm erst nach drei Stunden wieder ihren normalen Dienst auf.

„Wir haben uns um etwa 20 Beamte kümmern müssen, die Pfefferspray in die Augen bekommen hatten“, sagt Dr. Jörg Meckelburg, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Auch Familienangehörige sollen zur Spraydose gegriffen haben. Ein Großaufgebot an Polizeikräften schützte am Abend das Krankenhaus.



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