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Wieder einer weniger in den Reihen der Jüngeren – Lars Reineke macht nicht weiter

Mangelware: Politiker, mittleres Alter

Hameln. Mit Lars Reinecke kehrt nach der kommenden Wahl erneut ein Politker der altersmäßig nur spärlich vertretenen Mitte dem Stadtrat den Rücken. Aus Zeitgründen, wie er sagt. Der Wegzug der Jungen macht auch den anderen Parteien zu schaffen. Das Durchschnittsalter der Ratsmiglieder liegt heute schon bei 58,3 Jahren.

veröffentlicht am 08.02.2016 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:06 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hameln. Er galt als Durchstarter vor ziemlich genau drei Jahren, als er für die Piraten ins Stadtparlament einzog. Im September verkündete das Hamelner Ratsmitglied Lars Reineke dann seinen Parteiaustritt und bildete als Parteiloser mit Peter Kurbjuweit (Linke) fortan eine Fraktion ohne Namen. Nun kehrt er dem Stadtrat endgültig den Rücken – bei der nächsten Kommunalwahl will der 41-Jährige nicht mehr antreten. Damit verliert der Rat nicht nur ein Mitglied, das gerne frischen Wind in die Diskussionen brachte, sondern auch einen Politiker aus der altersmäßig nur spärlich vertretenen Mitte: Das Durchschnittsalter der 43 Ratsmitglieder in Hameln liegt bei 58,3 Jahren.

Ihm fehle schlicht die Zeit, begründet Reineke die Entscheidung. Beruf, Familie und Kommunalpolitik sei zu viel, sagt der beim Sana Klinikum beschäftigte IT-ler. Als politischer Einzelkämpfer hat er zudem ein besonders hartes Los: Reineke kann sich nicht, wie die Kommunalpolitiker größerer Parteien, mit Kollegen absprechen, wenn es mal eng wird. Er und Fraktionskollege Peter Kurbjuweit müssen einander gegenseitig vertreten.

Und wie steht es mit der Option, in eine größere Partei zu wechseln? Immerhin sind die Grünen ideologisch nicht all zu weit entfernt. „So, wie sich die Grünen mir bisher dargestellt haben, sind sie mir zu konservativ, als das ich das in Erwägung gezogen hätte,“ sagt der ehemalige Pirat.

Reinekes Terminproblem kennt allerdings auch Daniel Schimanski (CDU). „Manchmal frage ich mich, wie ich das schaffe“, sagt der 33-Jährige, der Jura und Wirtschaftswissenschaften studiert und zwischen Osnabrück und Hameln pendelt. Nicht jeder Student ist bereit, diesen Aufwand zu betreiben: Für Reinekes Mitstreiter Jörgen Sagawe, der ebenfalls nicht viel Auswahl beim Aufteilen der Arbeit hatte, war das Studium seinerzeit ein Grund, die Ratsarbeit an den Nagel zu hängen. Der Wegzug der politisch interessierten Jungen ist tatsächlich ein Problem, mit dem alle Parteien auf kommunaler Ebene zu kämpfen haben.

Auch bei Schimanski funktioniert die politische Arbeit nur mit Kompromissen und Absprachen mit Kollegen. Was wird, wenn er in diesem Jahr sein Examen in der Tasche hat, und auf Jobsuche geht, ist allerdings völlig offen. Thomas Meyer-Hermann würde sich wünschen, dass Arbeitgeber die ehrenamtliche politische Tätigkeit mehr fördern. Für Wahl im September habe man dennoch viele junge Kandidaten: Ein Drittel seien unter 50 Jahren, schätzt er. Würden sie gewählt, wäre das eine echte Verjüngung: Das Durchschnittsalter der Christdemokraten im Stadtrat beträgt 51 Jahre.

Ingo Reddeck, jüngstes SPD-Mitglied des Stadtrats und gestern gerade 30 Jahre alt geworden, hat Glück mit dem Arbeitgeber: Die meisten Termine lassen sich mit seiner Tätigkeit im Jobcenter vereinbaren. Der Junggeselle, der die politische Arbeit dennoch manchmal heftig findet, ist sich bewusst, dass es mit Familie noch schwieriger wäre. An einer Verjüngungskur der Partei – das Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren– arbeite man dennoch. Er jedenfalls wäre froh, wenn er nicht der Jüngste wäre, sagt Reddeck.



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