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Dabei gibt die Kreisabfallwirtschaft jährlich bis zu fünf Millionen heraus

Mangelware Gelbe Säcke

HAMELN-PYRMONT. Gelbe Säcke sind offenbar Mangelware. In den meisten Supermärkten bekommt man sie nicht mehr und auch das Rathaus gibt seit Wochen keine mehr raus. Dort will man „demnächst“ Behälter zur Selbstbedienung aufstellen. Die Kreisabfallwirtschaft dürfte davon nicht begeistert sein, denn allzu oft würden die Säcke zu anderen Zwecken genutzt.

veröffentlicht am 21.06.2018 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 21.06.2018 um 19:50 Uhr

4,5 Millionen Gelbe Säcke gibt die KAW in einem guten Jahr heraus.
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Gelbe Säcke scheinen Mangelware zu sein, obwohl sie in Massen ausgegeben werden. Beim Hamelner Marktkauf zumindest stand mehrfach in den letzten Wochen ein Schild mit der Aufschrift „Gelbe Säcke zur Zeit nicht vorrätig“. „Wann haben Sie denn wieder welche?“, lautet die Frage eines verdutzten Kunden an die Dame am Info-Schalter des großen Supermarktes an der Böcklerstraße. „Keine Ahnung!“, erklärt die Angestellte. „Und wie lange geht das schon so?“, will der Kunde wissen. „Gefühlt schon zweieinhalb Jahre“, ist die Antwort. „Kaum haben wir welche, sind sie auch schon wieder weg.“ Ihre Empfehlung: „Gehen Sie doch mal ins Rathaus, dort gibt es sie am Empfangsschalter.“

Stadtverwaltung hat die Ausgabe eingestellt

Ein guter Rat, wie es zunächst scheint. Nur Pech, dass die Stadtverwaltung die Ausgabe der Gelben Säcke bereits vor mehreren Wochen eingestellt hat, wie Stadtpressesprecher Thomas Wahmes bestätigt. Welche Gründe das hat, lässt Wahmes im Wesentlichen offen. Nur so viel teilt er mit: „Wir wollen die Besucherströme besser steuern. Für die Ausgabe der Gelben Säcke werden wir demnächst einen Behälter neben dem Empfangsschalter aufstellen, aus dem sich die Bürger dann bedienen können.“ Wann „demnächst“ ist, kann auch Wahmes nicht sagen. Möglicherweise, weil die zuständige Sachbearbeiterin derzeit in Urlaub ist. Das zumindest teilt Rainer Kaufmann, der stellvertretende Werksleiter der Kreisabfallwirtschaft (KAW) über den Stand der Verhandlungen des Unternehmens mit der Stadt mit. „Das Thema ist in Arbeit. Ich bin guter Hoffnung, dass auch das Rathaus bald wieder Ausgabestelle für die Gelben Säcke ist.“

Und von Mangelware könne keine Rede sein, betont der stellvertretende Werksleiter. „Wir geben in einem guten Jahr 4,5 Millionen Gelbe Säcke heraus. Aber es sind auch schon einmal fünf Millionen gewesen.“ Daran könne es also nicht liegen. Denn das für die Entsorgung zuständige Duale System habe für den Landkreis Hameln-Pyrmont nur einen Bedarf von 3,8 Millionen Säcken errechnet. „Da liegen wir also deutlich drüber.“

Wie viele Gelbe Säcke die KAW auf ihren 14-tägigen Touren pro Jahr tatsächlich einsammelt, weiß Kaufmann nicht. „Wir zählen sie nicht, wir wiegen am Ende der Touren nur die Masse des getrennten Mülls.“ In einem sei er sich aber sicher: „Die Gelben Säcke werden häufig für andere Zwecke als die Mülltrennung genutzt.“ Man habe nie genug von ihnen. „Ich habe sie schon als Abdeckung von Tomatenpflanzen gesehen, als Mülltüten für Haushaltsabfälle, ja, sogar von Verpackungsmaterial auf dem Dachboden zum Schutz vor Staub ist mir schon berichtet worden.“

Und warum wird nur jeweils eine Rolle an die Kundschaft ausgegeben? „Genau aus diesem Grund. Weil sie zu oft zweckentfremdet verwendet werden.“ Die KAW müsse schon auch auf Wirtschaftlichkeit achten. „Denn 1000 Gelbe Säcke kosten rund 25 Euro.“ Was sich im Jahr auf Kosten von 125 000 Euro summiert. Da zähle auch das Argument nicht, dass man die zweite Rolle doch für die gehbehinderte Nachbarin benötige, die selbst kein Auto habe, um zu einer der Ausgabestellen zu fahren. „Wer keine Gelben Säcke mehr hat, kann einen Zettel an einen der Säcke kleben. In den KAW-Fahrzeugen werden die Rollen mitgeführt. Das kann kein Problem sein“, argumentiert Kaufmann.

Wie aber könne es sein, dass es in manchen Ausgabestellen gefühlt nie Gelbe Säcke gibt. „Das ist eigentlich nicht möglich“, betont Kaufmann. „Im Durchschnitt alle vier Wochen liefern wir die Rollen an die Ausgabestellen.“ Wo hohe Kundenfrequenzen festgestellt würden, seien das monatlich in der Regel mehr als 2500 Rollen. „Die müssten eigentlich reichen.“

Dass sich an der von der Stadtverwaltung geplanten Ausgabestelle die Bürger künftig frei bedienen können, dürfte bei der KAW kaum auf große Begeisterung stoßen. Denn sicher wird die Stadt kein Personal abstellen, um zu kontrollieren, wie viele Rollen jeder Bürger aus dem Rathaus mitnimmt. Da werden wohl noch weitere Gespräche zwischen Stadtverwaltung und der Kreisabfallwirtschaft erforderlich sein.



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