weather-image
20°

Unterrichtsversorgung ist noch lange nicht gut / Dieses Jahr kein Abi in Latein / Kritik von Eltern

Mangelfächer sind an Gymnasien Dauerthema

Hameln (amg). Die Unterrichtsversorgung an den drei allgemeinbildenden Hamelner Gymnasien hat sich nach Aussage der Direktoren im laufenden Schuljahr verbessert. Dennoch: Nach wie vor werden nicht die statistisch nötigen 100 Prozent erreicht. Eng wird es insbesondere bei Mangelfächern, für die sich vor allem in Niedersachsen zu wenige Nachwuchslehrer finden.

veröffentlicht am 16.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 06:41 Uhr

270_008_4076912_hm101_1703.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mit einer Rate von knapp 98 Prozent, so Wolfgang Weber, Direktor am Albert-Einstein-Gymnasium, sei man bessergestellt als im vergangenen Schuljahr. Für einige Klassen gebe es zusätzliche Verfügungsstunden beim Klassenlehrer. „Trotzdem wurden Stunden in Musik im Jahrgang 6 und in den Fächern Religion und Deutsch im 9. Jahrgang gekürzt. Mangelfächer sind ein Dauerthema“, sagt Weber. Um Ausnahmesituationen abfangen zu können, müsste die rechnerische Rate bei 104 Prozent liegen.

Auch am Viktoria-Luise-Gymnasium erreicht die Unterrichtsversorgung zurzeit nicht einmal die 98-Prozent-Marke. Noch sei die Zahl der kritischen Fächer überschaubar, in den nächsten Jahren werde alles zum Mangelfach, glaubt Schulleiter Rainer Starke: „Wir werden dann froh sein, überhaupt Lehrer zu bekommen. Aber unser Gymnasium ist jetzt in der glücklichen Situation, dass uns zum 1. Februar drei Planstellen zugewiesen wurden“, erklärt er. Obwohl „der Lehrermarkt leergefegt ist“, sei es der Schule gelungen, Fachlehrer zu bekommen, die Mathematik, Musik, evangelische Religion und Deutsch abdecken. Die drei neuen Kollegen stehen allerdings nicht unmittelbar zur Verfügung, weil sie ihre Abschlussprüfung erst zum 30. April ablegen. Den schulischen Dienst am Viktoria-Luise-Gymnasium werden die Lehrkräfte also erst am 1. Mai aufnehmen. Die Zwischenzeit, erläutert Starke, werde mit studentischen Ersatzlehrern und Pensionären überbrückt. Dafür habe das Land dem Gymnasium jeweils 5000 Euro pro Lehrer, der noch kommt, zur Verfügung gestellt.

Keine Reserve im Vikilu

Die offizielle Schulstatistik wird derzeit noch erhoben, aber mit den drei Neuzugängen, so Starke weiter, werde die Unterrichtsversorgung ab Mai voraussichtlich 98 Prozent betragen. Bei „kurzfristigen Überraschungen, Ausfällen, die sich von heute auf morgen ergeben“, könne man allerdings auf keine Reserve zurückgreifen. Die Arbeitsbelastung für das Kollegium sei dementsprechend hoch. Starke: „Wem kann ich noch eine zusätzliche Stunde zumuten?“

Lehren und Lernen braucht Zeit und Muße – in Mangelfächern wird auch schon mal Unterricht gekürzt.

Auf die Frage nach der rechnerischen Unterrichtsversorgung, insbesondere unter Berücksichtigung der Mangelfächer, verweist der Leiter des Schiller-Gymnasiums Andreas Jungnitz, auf die Landesschulbehörde, die in Kürze die aktuellen amtlichen Auswertungen veröffentlichen wird: „Wir sind gehalten, keine statistischen Daten herauszugeben.“ Soviel zur Lage am Schiller-Gymnasium: Im Augenblick wird der Unterricht ungekürzt erteilt, dazu gibt es ein breites Angebot an Profilen und Kursen. „Der Schuh drückt bei uns zurzeit nicht“, erklärt Jungnitz, räumt aber ein, dass in den Fächern Latein und Physik „Bedarf auf Absicherung“ bestehe.

Aus Sicht des Stadtelternratsvorsitzenden Wolfhard F. Truchseß sind die prozentualen Zahlen nichts weiter als relative Werte. Vielmehr müsse man zwischen der rein statistischen und der tatsächlich vor Ort erlebten Unterrichtssituation unterscheiden. Um überhaupt von einer zufriedenstellenden Versorgung zu sprechen, müsse der rechnerische Wert in der Tat bei 104 bis 105 Prozent liegen. „Fakt ist, dass die Schulen nicht ausreichend versorgt werden. Hier Mathe, da Naturwissenschaften – es stehen einfach nicht genug Fachlehrer zur Verfügung.“ Am „laufenden Meter“ falle Unterricht aus. Und dass in diesem Jahr in dem Fach Latein kein Abitur abgelegt werden könne, sei schlichtweg eine Katastrophe. Das Argument, dass die Schüler eben nur aus dem Angebot wählen können, das auch realisierbar ist, lässt Truchseß nicht gelten: „Latein ist schließlich ein Kernfach – und eine optimale Unterrichtsversorgung sollte es doch wohl ermöglichen, dass Kernfächer bis zum Abitur gewählt werden.“

Würde man bei der angespannten Lage einen Lateinlehrer dafür freistellen, hätte das „zusätzlichen Unterrichtsausfall in der Mittelstufe zur Folge“, beschreibt Truchseß das Dilemma. Vor dem Hintergrund der Lehrerabwanderung in andere Bundesländer dürfte eine Neuregelung für Referendare die Situation zusätzlich verschärfen.

Referendare haben keine Praxisausbildung

„Die Schulpraktika, die die angehenden Lehrer während ihres Studiums absolvieren, werden auf die Referendarzeit angerechnet.“ Das bedeute, dass Referendare den Schulen nicht mehr zwei, sondern im Schnitt nur eineinhalb Jahre zur Verfügung stehen. „Das führt nicht nur zu häufigeren Wechseln in den Klassen und Unruhe an den Schulen. Hinzu kommt, dass die Referendare, die von der ersten Stunde an eigenverantwortlichen Unterricht geben, im Grunde genommen noch keinerlei Praxisausbildung haben – und das ist alles andere als nützlich.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?