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Mehr als fünftausend Besucher beim Ramazan-Festival im Bürgergarten

„Man muss mit Überzeugung dabei sein“

HAMELN. Angeblich ist es das größte seiner Art in Deutschland: Das öffentlich begangene Fastenbrechen im Hamelner Bürgergarten. Zum dritten Mal fand das Ramazan-Festival statt, und auch Nicht-Muslime kamen, um die Stimmung zu genießen und die Köstlichkeiten zu probieren.

veröffentlicht am 19.06.2016 um 18:17 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Plötzlich wird es ganz still. Es ist wenige Minuten vor 22 Uhr im Bürgergarten und die vielen Tausend Gäste, die zum dritten Ramazan-Festival gekommen sind, beginnen das Fastenbrechen, stillen nach einem langen Tag der Entbehrung ihren Hunger und ihren Durst. Weit über 5000 Muslime und Nichtmuslime feiern am Freitag und Samstag in Hamelns grüner Lunge die Mitte des im Islam als heilig geltenden Fastenmonats.

Abu Sahin, selbstständiger Fahrlehrer in Hameln, gesteht freimütig, dass ihm der erste Fastentag nicht leicht gefallen sei. „Man muss einfach mit Überzeugung dazu bereit sein“, erklärt er beim Warten auf den im Sommer besonders späten Zeitpunkt des Fastenbrechens. Früher habe er das Fasten nicht immer durchgehalten; inzwischen gehe das aber viel besser. Ein Vorteil sei natürlich, dass er bei seiner Arbeit eine Klimaanlage im Auto habe. „Da wird der Durst nicht ganz so groß.“

Fünf islamische Gemeinden haben in diesem Jahr das Ramazan-Festival organisiert: die beiden Hamelner Moscheen sowie die Gemeinden aus Hessisch-Oldendorf, Rinteln und Lügde. Mit im Organisationsteam, das monatelang Vorbereitungen getroffen hat, waren auch die Stadt Hameln und Mitarbeiter des Landkreises. Auf gut 40 000 Euro schätzt Murat Bas, der Vorsitzende der Hamelner Ditib-Gemeinde, den Etat, den das Team zur Verfügung hatte – dank großzügiger Sponsoren, aber auch aufgrund der Standgebühren für die kommerziellen Anbieter auf dem Festival. Dafür wurden große Zelte geordert, etwa 80 Teetischchen mit Hockern aus der Türkei gekauft und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit viel Musik, Tänzen und Koran-Lesungen organisiert. Nicht nur in Niedersachsen gilt die Hamelner Veranstaltung inzwischen als das größte Fastenbrechen. Murat Bas und seine Kollegen sind sich sicher, dass es deutschlandweit keine größere Veranstaltung dieser Art gibt, zu der niemand Eintritt bezahlen muss und jeder auch sein Essen oder seine Getränke selbst mitbringen kann.

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  • Mutter und Tochter strahlen.
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  • Der Grill wird angeheizt.
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Wer sich am Samstagabend so versorgt hatte, hatte gut daran getan. Denn die Schlangen an den Ständen, die Köfte, Lahmacun, Börek und andere Leckereien aus der türkischen Küche anbieten, scheinen schier endlos. Und nicht jeder hatte sich vor dem Festival einen Gutschein für ein Iftar-Essen , wie das Fastenbrechen auf Arabisch heißt, besorgt. Hält der Andrang zum Fastenbrechen im Bürgergarten auch in den kommenden Jahren an, müssen die Organisatoren in diesem Punkt wohl nachbessern.

Ulrike Steup und ihrer Tochter Linda aus Afferde, beide bekennende Türkei-Fans, gefällt das Fastenbrechen im Bürgergarten ausnehmend gut. Sie lieben die türkische Küche und das Land mit seinen Sehenswürdigkeiten, gestehen aber auch: „Uns würde das Fasten schwerfallen.“ Gut findet Linda Steup, dass Ministerpräsident Stefan Weil das Ramazan-Fest in Hameln besucht hat. Politiker wie er könnten sich da ruhig mal sehen lassen, meinen die beiden. Auch Landrat Tjark Bartels, Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese und Abgeordnete waren zum Auftakt des Festivals am Freitagabend dabei und hatten das Fest als beispielhaft für eine „gute gelebte Nachbarschaft“, für Religionsfreiheit, Toleranz und Respekt voreinander gewürdigt.

Dass dieses dritte Ramazan-Festival in Hameln so gut besucht war, hängt laut Murat Bas auch damit zusammen, „dass wir weit über die Grenzen des Landkreises hinaus richtig Werbung dafür gemacht hatten“. Mindestens zehn Omnibusse aus Hannover, Bielefeld und Beckum waren angemeldet worden.



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