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Warum ein Konzern Hamelns letzte Mühle dichtmachen will / Lokaler Absatzmarkt bricht weg

Mais statt Weizen und schlechte Infrastruktur

Hameln (ube). Der Schritt sei unvermeidlich gewesen, sagt Franz Engelke, der die Wesermühlen Hameln zwölf Jahre geleitet hat. Das Werk schreibe schon seit Jahren rote Zahlen. Die Verluste sind offenbar empfindlich hoch – allein im vergangenen Jahr lagen sie im Millionenbereich. Nach Angaben des ehemaligen geschäftsführenden Prokuristen und heutigen Managers für „externe Angelegenheiten“ bei der VK Mühlen AG, die ihren Sitz in Hamburg hat, gibt es mehrere Gründe, die für diese schleichende Entwicklung verantwortlich sind. „Dort, wo früher der Weizen wuchs, wird heute oftmals nur noch Mais für Biogasanlagen angebaut. Für uns bedeutet das: Wir müssen aus anderen Regionen zukaufen. Und der Transport ist teuer.“ In den vergangenen Jahren seien viele lokale Landläger geschlossen worden. „Das Getreide wird heute zentral an Wasserplätzen gesammelt. Die Weser ist aber nicht schiffbar. Eine für Hameln kostengünstigere Anlieferung per Frachtschiff ist damit nicht möglich. Lange Transportwege auf der Straße bedeuten hohe Einkaufspreise.“ Schon jetzt müssten 75 Prozent des Umsatzes für Getreide ausgegeben werden. Zudem nehme die Zahl der Backbetriebe ab. Von 2009 bis 2010 hätten bundesweit 300 dichtgemacht. „Heute sind es noch 14 000 Bäckereien. Es heißt, langfristig werden nur 8000 übrig bleiben.“ Viele Kunden kauften ihr Brot im Supermarkt, und die dafür nötigen Teiglinge würden in der Regel nicht in der Region hergestellt. Das bedeutet: Den Wesermühlen Hameln bricht der lokale und regionale Absatzmarkt weg. 60 Prozent der niedersächsischen Mehlproduktion gingen in andere Bundesländer und ins benachbarte Ausland, sagt Engelke. „Die Frachtkosten drücken. Mühlen, die in der Nähe der großen Backbetriebe arbeiten, könnten Mehl günstiger anbieten. Es ist billiger, Getreide per Schiff zu transportieren als Mehl mit dem Lkw“, stellt Engelke fest.

veröffentlicht am 27.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 11:41 Uhr

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Der Vorstandsvorsitzende der VK Mühlen AG, Christoph Kempkes, erklärt: „Im zunehmend harten Wettbewerb besteht nur der, der Mehl zu niedrigen Kosten bei gleichzeitig höherem Qualitätsniveau produzieren kann.“ Dazu bedürfe es einer „Konsolidierung von Standorten und der Bündelung von Produktionsaufträgen in einem ohnehin durch hohe Überkapazitäten geprägten Verdrängungsmarkt“.

Im vergangenen Jahr hatte die VK Mühlen AG ihre bundesweit neun Mühlen im Hinblick auf Rohwarenbeschaffung, Kunden, Verkehrsinfrastruktur und technische Ausstattung überprüft. Ergebnis: In Köln, Frankfurt, Landshut und Jarmen könnten sich für den Konzern Modernisierungsinvestitionen in Millionenhöhe lohnen, in Hameln nicht. „Das Werk an der Weser ist in die Jahre gekommen, und die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert“, sagt Engelke. „Wir müssten für die Renovierung einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben. Es lohnt sich aber nicht, viel Geld in einen Standort zu stecken, der mittelfristig nicht mehr wettbewerbsfähig ist.“

Sowohl Kempkes als auch Engelke legen Wert auf die Feststellung, „dass die Mitarbeiter am wenigsten für die geplante Stilllegung können“. Für die Wesermühlen Hameln seien mehrere Modernisierungsszenarien entwickelt und auf Machbarkeit überprüft worden. „Leider“, so der Vorstandsvorsitzende, „hat sich keines dieser Szenarien gerechnet.“

„Es lohnt sich nicht, viel Geld in einen Standort zu stecken, der mittelfristig nicht mehr wettbewerbsfähig ist“ – Franz Engelke.

Das Hamelner Werk ist aus Sicht des Konzerns nicht zu halten. Es schreibt rote Zahlen. Fotos: Dana/ube



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