weather-image
27°
Erhebliche Schäden am Schweineberg

Märzenbecher plattgemacht

HAMELN. Der Schweineberg ist für seine Märzenbecherblüte bekannt. Jahr für Jahr zieht sie im Frühling Hunderte Spaziergänger und Touristen an – und laut Stadt Hameln gibt es dort das größte Märzenbecher-Vorkommen in ganz Norddeutschland. Nun ist dort aber ein schweres Malheur passiert.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 14:15 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 19:30 Uhr

So blüht der Märzenbecher im Frühjahr auf dem Schweineberg. Foto: Dana
Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Forstarbeiter sind für Rückearbeiten mit schwerem Gerät im Märzenbechergebiet vorgegangen und haben „erhebliche Schäden“ angerichtet – zu einem Teil auch an den geschützten Märzenbechern. Das von der Stadt beauftragte Unternehmen hat sich dabei nicht an die vereinbarten Regeln gehalten, sagt Rathaussprecher Thomas Wahmes. Das städtische Forstamt habe die Holzarbeiten gestoppt.

Tiefe Fahrspuren im Waldboden und teilweise offen liegende Märzenbecherzwiebeln – die Schäden, die ein Forstunternehmen am Schweineberg angerichtet hat, sind aus Sicht der Stadt „beträchtlich“. Das Naturerlebnis dürfte in diesem Jahr ein wenig getrübt sein, heißt es.

Aus Sicht des Forstamtes hat das beauftragte Unternehmen eigenmächtig gehandelt. „Wir hätten die Arbeiten bei dieser Witterung niemals erlaubt“, sagt Forstamtsleiter Ottmar Heise mit Verärgerung. Das Problem bei der aktuellen Witterung: Der Waldboden ist feucht und aufgeweicht. Forstarbeiter, die mit großen Maschinen anrücken, um Baumstämme aus den Wäldern zu ziehen, hinterlassen dementsprechend Spuren. Das ist gewiss am Schweineberg kein Einzelfall, andernorts gibt es zu dieser Jahreszeit auch zum Teil tiefe Fahrspuren in Wäldern und auf Wegen.

Nach den kürzlich stattgefundenen Forstarbeiten gibt es tiefe Fahrspuren auf dem Kammweg: Etliche Märzenbecher-Zwiebeln sind dadurch freigelegt worden. Foto: pr
  • Nach den kürzlich stattgefundenen Forstarbeiten gibt es tiefe Fahrspuren auf dem Kammweg: Etliche Märzenbecher-Zwiebeln sind dadurch freigelegt worden. Foto: pr

Was nach Routine klingt, ist nach Angaben aus dem Rathaus „gehörig aus dem Ruder gelaufen“. Das Forstamt habe bereits im Rahmen der Ausschreibung der Arbeiten explizit darauf hingewiesen, dass Rückearbeiten (also die Bewegung von Baumstämmen u. a. mit schweren Maschinen) in Schlechtwetterperioden nur nach Absprache begonnen werden dürften. „Daran hat sich das beauftragte Unternehmen nicht gehalten“, moniert Heise. Nicht ohne Grund habe das Forstamt bereits im Vorfeld auf die Problematik hingewiesen: Nur bei stärkerem Frost und gefrorenem Waldboden sei es möglich, größere Verletzungen des Waldbodens zu vermeiden. Daher sollte das Forstunternehmen nach Darstellung der Stadt die Arbeiten am Schweineberg schonend und nur von den befahrbaren Hauptwegen aus durchführen. „Es ist bitter zu sehen, dass diese Vorgaben missachtet wurden“, sagt der Forstamtsleiter.

An den Rändern der Wanderwege, besonders auch in den Randbereichen des Kammweges, sind teilweise tiefe Spuren zu sehen, die das schwere Forstgerät hinterlassen hat. Zum Glück, so Heise, sei das Märzenbecher-Kerngebiet nicht angetastet worden. Die Waldarbeiter des beauftragten Unternehmens hätten die „Rückegassen“ in diesem Bereich nicht befahren.

Das Unternehmen und die Stadt bemühen sich nun laut Aussage aus dem Rathaus, den Schaden einzugrenzen. Beziffern konnte die Stadt den entstandenen Schaden noch nicht, hieß es am Freitag. Als Sofortmaßnahme sollen nun die offen liegenden Märzenbecherzwiebeln im Bereich des Kammweges per Hand wieder in den Waldboden gesteckt werden. Außerdem hat Ottmar Heise das beauftragte Forstunternehmen angewiesen, die gefällten Stämme zunächst an Ort und Stelle zu belassen. „Alles andere würde die Schäden noch vergrößern.“ Die verschlammten Waldwege hat das Unternehmen inzwischen wieder provisorisch instandgesetzt.

Der Bestand des Märzenbechers sei insgesamt keinesfalls gefährdet, sagt Wahmes. Im Gegenteil: In Richtung Norden würde sich der Bereich mit dem Frühblüher-Vorkommen sogar ausbreiten. Die Stadt will nach dieser Erfahrung den Schweineberg trotzdem stärker schützen. „Wir werden die veraltete Schutzgebietsverordnung auf den Prüfstand stellen“, kündigt Stadtbaurat Hermann Aden an.

Grundsätzlich seien aber auch in dem 1947 als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Areal Forstarbeiten nötig, um seltenere Baumarten wie Esche, Ahorn und Kirsche zu fördern“, erläutert Heise.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare