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Aus nach 30 Jahren – Macher Thomas Kroll ist traurig, denn er geht nicht freiwillig

Mad Music Club macht dicht

HAMELN. Die schwarz-weiß-gewürfelte Wand des flachen Gebäudes an der Südstraße verkündet es seit fast 30 Jahren: Willkommen Ska und Punk. An der Tür des Mad Music Clubs erzählen unzählige Aufkleber von Gigs und langen Nächten. Im Juni 2019 soll nun Schluss sein. Club-Besitzer Thomas Kroll geht nicht freiwillig, der neue Eigentümer will es so – und das im Jubiläumsjahr.

veröffentlicht am 06.11.2018 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 06.11.2018 um 18:40 Uhr

Das Aus war zunächst ein Schock für Thomas Kroll. Er geht nicht freiwillig, hätte gern noch weitergemacht. Doch der neue Eigentümer will es anders – und das im Jubiläumsjahr. foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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An diesem Oktobertag steht die Tür bereits am Nachmittag auf, im schummrigen Inneren des Clubs sitzt Thomas Kroll an der Theke. Er ist der MAD-Man. 1989 hat der 59-Jährige die Kneipe aufgemacht, im Juni 2019 soll nun nach drei Jahrzehnten Schluss sein. Kroll geht nicht freiwillig, der neue Eigentümer will es so – und das im Jubiläumsjahr.

„Ich war erst mal schockiert“ sagt Kroll, „und ein paar Tränen habe ich auch geweint.“ Die Kneipe, die Musik, die Nacht – das ist sein Leben. Ein Leben, das er liebt und weiterleben möchte, bis es nicht mehr geht. Er hat es auch nach drei Jahrzehnten noch nicht satt, im Gegenteil. Gerade in den letzten Jahren habe sich besonders die Bandschiene gut entwickelt. Rund 36 Konzerte im Jahr sind es inzwischen. Meist hart & heavy, gern lokal und manchmal kommen auch bunte Vögel wie Adam Bomb vorbei. Der Glam-Rocker mit der Leoparden-Stretchjeans und der funkensprühenden Gitarre war erst in der letzten Woche da. Und zwar bereits zum dritten Mal. „Bei mir haben Bands aus fünf Kontinenten gespielt“, sagt Kroll. Alle kämen sie gern wieder, was auch daran liege, dass er immer ein offenes Haus habe – mit Frühstück.

In den 1980ern hat Kroll selbst mit seiner Band Vortex Furore gemacht. Musikalisch irgendwo zwischen Punk, Ska und Oi-Musik. Zumindest aus seiner Sicht. Ein Teil kreidete ihm an, dass Vortex als Vorband der Böhsen Onkelz auf Tour ging. Mit rechtsradikaler Musik habe er aber nichts am Hut gehabt, betont der Musiker, die Band habe sich damals öffentlich davon distanziert. „Ich habe das nie so ernst gesehen“, sagt er, „wir wollten einfach nur spielen.“ Und mit den Onkelz sei man sowieso fertig gewesen. Aber woher kommt das Faible für Skinheads? „Die wurzelt in den Anfängen der Bewegung, als die Arbeiterkids in England gegen das Establishment aufbegehrten“, erklärt der Kneipier. „Ich habe bei mir Punks und Skins an einem Tisch gehabt.“

1989 eröffnete Thomas Kroll den Mad Music Club. foto: doro
  • 1989 eröffnete Thomas Kroll den Mad Music Club. foto: doro

Ich war erst mal schockiert, und ein paar Tränen habe ich auch geweint.

Thomas Kroll, Macher des MAD Music Clubs

Bis heute treffen sich im Mad Leute aus unterschiedlichen Szenen. Stammpublikum, aber auch Jüngere, die eine Zeit lang gut besuchte Elektro-Partys bei ihm veranstaltet haben – bis das Ordnungsamt kam. Als vor ein paar Wochen drei Hamelner Bands spielten, war der Laden war so rappelvoll, dass die Leute im sommerlichen Herbst draußen auf dem Bürgersteig saßen und Kroll drei mal Bier nachkaufen musste. Immer wieder kommen auch die, die es nach Hamburg, Berlin oder sonst wohin verschlagen hat, zu dem 59-Jährigen. Das Mad ist ein Stück Heimat für viele. Ihn selbst hat es nie woanders hingezogen. Er liebt das Weserbergland und Hameln ganz besonders. Einmal sei er vier Wochen in Amerika auf Tour gewesen, 21 Konzerte in 26 Tagen. Das war cool, aber als er von der A 2 abgefahren sei, über den Berg Richtung Segelhorst, da habe er eine Gänsehaut bekommen, so sehr habe er sich gefreut, heimzukommen.

Heimat, das ist für Thomas Kroll inzwischen auch ein Reihenhaus mit Koi-Karpfen (ein Geschenk) im Gartenteich. Dort liegt er gern auf der Liege und genießt den selbst konstruierten Bachlauf. Er ist ruhiger geworden. Zumindest zeitweilig. Denn Musik macht er immer noch leidenschaftlich gern. Nach Vortex, Mad Monster Sound und Funker Vogt heißt sein neuestes Projekt Old Man Run. Im ersten und bisher einzigen Song schießt Kroll mit seiner Band scharf gegen Donald Trump. Das Video ist schon im Kasten.

Wie es weitergehen soll, weiß der Mad-Macher noch nicht. Bis vor kurzem hatte er die Hoffnung, dass der neue Eigentümer des benachbarten Mietshauses, zu dem auch das MAD gehört, es sich vielleicht doch noch mal überlegt. Das Gespräch hat er lange vor sich hergeschoben. Doch Hamid Ilderüm, Chef der benachbarten Lackiererei, hat keine Lust mehr auf den „Krach und Lärm“. Früher hat er selbst mit seiner Familie in dem Mietshaus, gewohnt. Das Verhältnis zum Kneipenwirt ist nicht das herzlichste.

Das ist bitter für Thomas Kroll und sein Publikum. Aber nicht das Ende, hofft er. Zwei Locations hat er sich bereits angeschaut und er könnte sich auch vorstellen, Open-Airs zu organisieren. „Ich mache weiter“, sagt er, „ich fühle mich noch jung.“ Und bis Juni sind es immerhin noch acht Monate – so lange geht die Party weiter.



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