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Schätze zum Schleuderpreis

Luschen und wilde Biester unterm Hammer

HAMELN. Bei der Versteigerung von Fundsachen in der Südstadt ging es vor allem um Fahrräder. Darunter befanden sich echte Schätze. Nicht mehr unter den Hammer kommen Handys und Laptops sowie andere elektronische Geräte. Unser Autor Ernst August Wolf wohnte der Versteigerung bei.

veröffentlicht am 15.04.2018 um 18:18 Uhr

Ines Manzau, die Leiterin des Bürgeramtes, leitet die Versteigerung. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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Anja hat es vor allem das pinkfarbene Damenrad angetan. Den elfjährigen Luan aber interessiert ein stabiler Renner mit breiten Stollenreifen. Zusammen mit Oma und Mutter sind Luan und sein Bruder schon ganz früh in die Pausenhalle der Schule in der Südstadt gekommen, um die dort aufgereihten 75 Fahrräder in Augenschein zu nehmen. Schon lange vor neun Uhr drängen sich viele Interessenten in der Halle und hoffen auf ein Schnäppchen bei der städtischen Versteigerung von Fundsachen. An diesem Tag sind es vor allem Fahrräder.

Die haben die Leiterin des Bürgeramtes, Ines Manzau, und zehn ihrer Helfer vorbereitet. „Gegen Barzahlung kann man hier ein echtes Schnäppchen machen. Die Räder stammen aus dem Fundbüro oder sind Diebstahlgut der Polizei“, erklärt Manzau. Ein Blick auf die Räder in der Halle macht deutlich, dass auch in diesem Jahr wieder viele sehr hochwertige Fahrräder dabei sind. „Eine Mindestbewertung gibt es aber nicht“, so Manzau. Nicht mehr unter den Hammer kommen allerdings Handys und Laptops sowie andere elektronische Geräte. „Auf den Handys sind nämlich Daten drauf, die erst einmal kostenintensiv gesichert werden müssen. Und dann lohnt sich die Versteigerung nicht mehr.“ Das Angebot außerhalb von Fahrrädern ist daher sehr überschaubar. Gut erinnert sich Manzau noch an die rosa Unterwäsche, die vor einigen Jahren versteigert wurde. „Anziehen, anziehen“ hätte das Publikum damals gerufen, lachen Manzau und ihre Mitarbeiterinnen.

Die Räder werden nacheinander auf die Bühne geschoben, kurz vorgestellt und versteigert. „Zum ersten, zum zweiten …“. Punkt 9 Uhr geht das erste Rad für fünf Euro weg. Gleich beim zweiten, das den Namen „Wild Beast“ auf dem weißen Rahmen trägt, schlägt der 15-jährige Furkan zu. Immerhin 50 Euro ist ihm der Renner, den er schon eine Weile im Auge hatte, wert. Stolz zahlt er bei Simone Tyrol und Birgit Beuge, die die Kasse verwalten, erhält seine Quittung und schiebt das „wilde Biest“ stolz zu einer Probefahrt auf den Schulhof.

Kevin Küker sucht ein Fahrrad für seine Freundin Jessica. Foto: eaw
  • Kevin Küker sucht ein Fahrrad für seine Freundin Jessica. Foto: eaw
Der 15-jährige Furkan ist glücklich: Er hat sein Traumrad, das „Wild Beast“, ersteigern können. Foto: eaw
  • Der 15-jährige Furkan ist glücklich: Er hat sein Traumrad, das „Wild Beast“, ersteigern können. Foto: eaw

„Die Erlöse gehen ins Stadtsäckel“, sagen die Damen an der Kasse, während ihre Chefin weiter den Aktionshammer schwingt.

„Das sind wirklich Superschleuderpreise, allein die Einzelteile vieler Räder kann man im Internet für ein Vielfaches verkaufen“, stellt ein älterer Herr fest. Sogar ein „Designerfahrrad“ kommt unter den Hammer. „Ich habe im Internet recherchiert“, sagt Manzau, „das kostet neu um die 800 Euro.“ Nach kurzer Zeit entbrennt eine kleine Bieterschlacht. Am Ende geht das Rad für 80 Euro an seinen neuen Besitzer.

Aber auch echte Luschen sind dabei. So wie das Damenrad ohne Sattel, das merkwürdigerweise hart umkämpft ist. Zwischendurch findet ein kleinen Tretroller für einen Euro einen neuen Liebhaber. „Wird’n Geburtstagsgeschenk“, sagt der.

Auch Luan findet am Ende sein Wunschrad zum Schnäppchenpreis ebenso wie Timo Brüllke und seine Freundin. „Sie hat schon eines“, sagt der 29-Jährige, „aber jetzt können wir zusammen auf’s Felgenfest fahren.“ Zufrieden schiebt das Pärchen das neue Herrenfahrrad auf den Hof. Wirklich ein echtes Schnäppchen.

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