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Lippmanns Stellvertreter wirft das Handtuch

veröffentlicht am 10.01.2011 um 13:51 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Eckhard Koss

Hameln. Lippmanns Stellvertreter wirft das Handtuch: Hamelns erster Stadtrat Eckhard Koss hat die Oberbürgermeisterin Anfang Januar wissen lassen, dass er zum 30. Juni seinen Hut nehmen wird – nach 28 Jahren in den Diensten der Stadt. Und bitte ohne offizielle Verabschiedung. Die Nachricht machte im Rathaus blitzschnell die Runde. Der bis ins Mark loyale Koss hat sich an ihrer Verbreitung nicht beteiligt. Und sagt auch kein Wort zu den Gründen, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Nur den von ihm selbst bestimmten Termin für sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt bestätigt er – und fügt hinzu: „Leichtgefallen ist mir das nicht. Nach so vielen Jahren, das können Sie mir glauben, hänge ich an der Stadt.“

Zweimal in Folge hat der Hamelner Rat dem Baufachmann geschlossen sein Vertrauen ausgesprochen und ihn als Wahlbeamten auf Zeit gewählt. Formal wäre seine Amtszeit am 31. Januar 2013 abgelaufen. Allerdings wird Koss am 24. Oktober 65 und hat damit das Ruhestandsalter erreicht. Gleichwohl hätte er auf eigenen Wunsch bis zum Ende seiner Wahlzeit bleiben können, vorausgesetzt, die Oberbürgermeisterin hätte dazu ihre Zustimmung gegeben. Warum Koss plötzlich hinschmeißt, flüstert der Flurfunk im Rathaus: Es sei eben schwierig mit der Oberbürgermeisterin. Nicht jeder, so heißt es, komme klar mit einer Chefin, die es vorziehe, mit ihren Mitarbeitern per E-Mail zu verkehren, statt Probleme miteinander zu besprechen. Hochintelligent, unnahbar und kühl bis zur Arroganz – mit diesen Attributen wird Lippmann von ihren „Untergebenen“ belegt. Die OB nimmt diese wenig schmeichelhafte Charakterisierung scheinbar ungerührt hin: „Das sind Darstellungen, die in meiner Position leider dazugehören; das nehme ich zur Kenntnis.“

Zwar nicht per Mail, aber durch einen von ihr beauftragten Mitarbeiter soll sich Lippmann kurz vor Weihnachten nach den Zukunftsplänen ihres Stellvertreters erkundigt haben. Dem Vernehmen nach ließ sie bei Koss anfragen, wie lange er noch im Amt bleiben möchte. Was, wenn es sich so zugetragen hat, eine Erklärung für den Rückzug des Ersten Stadtrates geliefert hätte. Denn nicht nur die Frage, vielmehr noch die Art und Weise, wie sie an ihn herangetragen wurde, hätte Koss als Kränkung empfinden müssen. Jeder wusste, dass der Baudezernent gern noch eine Weile im Amt geblieben wäre – wenigstens so lange, bis die Neugestaltung der Fußgängerzone als das letzte große Projekt in seinem Verantwortungsbereich abgeschlossen ist. Koss hat daraus nie einen Hehl gemacht.

Doch Lippmann verweist die vermeintlich unschöne Geschichte ins Reich der „sehr innovativen Hamelner Gerüchtewelt“ und weist jede Beteiligung daran entschieden von sich: „Das dementiere ich, dass ich Herrn Koss habe fragen lassen, wie lange er noch bleiben will“, erklärt sie auf Anfrage. Sie sei davon ausgegangen, Koss werde bis Oktober bleiben, gestehe aber jedem Mitarbeiter zu, den Zeitpunkt seines Ausscheidens aus dem Arbeitsleben frei zu wählen.

Lippmann sagt auch: „Ich schätze Herrn Koss sehr.“ Was sie aber offenbar nicht dazu bewogen hat, nach Erhalt der Kündigung das Gespräch mit ihm zu suchen, um ihn zum Bleiben zu überreden; sondern sich vielmehr postwendend um die Neubesetzung der Stelle zu bemühen. Die Ausschreibung, bestätigt sie, sei inzwischen vorbereitet. Die Eile legt den Verdacht nahe, dass die Oberbürgermeisterin die Wahl eines neuen Dezernenten unbedingt noch mit der ihr gewogenen Mehrheitsgruppe aus SPD, FDP und Grünen im Hamelner Rat durchbringen will. Nach der Kommunalwahl könnten die Karten anders gemischt sein und sich die Regierenden von heute vielleicht in der Opposition wiederfinden.

Als Lippmann im Juni 2009 eine dritte Dezernentenstelle für die Verwaltung gefordert hatte, hatte sie nicht nur bei CDU und Unabhängigen auf Granit gebissen. Auch die Grünen wollten damals nicht mitspielen, änderten jedoch zwei Monate später ihre Meinung. Sie stimmten der Stellenausschreibung zu, auf die sich die später gegen die Stimmen von CDU und Bürgerliste zur Stadträtin gewählte Gaby Willamowius beworben hatte. Die Grünen machten seinerzeit allerdings auch deutlich, dass sie diese Entscheidung nicht als grundsätzliches Votum für einen dritten Dezernenten in der Verwaltungsspitze missverstanden wissen wollten. Nach dem Ausscheiden von Koss, so damals die Fraktionsvorsitzende Ursula Wehrmann, solle sich der neu gewählte Rat mit der Frage befassen, ob dessen Posten wieder besetzt werden soll.

Von Brigitte Niemeyer



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