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Was kommt auf Hameln zu, wenn die Briten gehen? / Stadtverwaltung erarbeitet Situationsanalyse

Lippmann: „Wir brauchen diese Flächen nicht“

Hameln (bha). Von hartem Schlag für Hameln ist die Rede, von Aderlass, der nicht zu kompensieren sei, von großen Problemen. Doch was genau passiert eigentlich, wenn die britischen Streitkräfte und die Angehörigen der Stadt wie geplant den Rücken kehren? Mit der Frage beschäftigen sich Gastronomen, Geschäftsleute, Politiker und derzeit die Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich mit Hamelns städtebaulicher Zukunft auseinandersetzen. Eine druckfrische Ist-Analyse soll jetzt die Grundlage für anstehende Entscheidungen bilden.

veröffentlicht am 28.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:21 Uhr

Die pink eingefärbten Flächen mit den Ziffern werden von den Briten militärisch genutzt und müssen neu überplant werden.
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Eines scheint sicher: Ein Vorzeigeprojekt als Wohn- und Dienstleistungspark, zu dem das Scharnhorstgelände im Jahr 2001 mitten in der Stadt entwickelt wurde, wird kaum wieder gelingen. Die Nachricht vom Abzug der Truppen bis 2020 fällt in eine Zeit, in welcher der demografische Wandel die Einwohnerzahlen schrumpfen lässt und das Interesse an zusätzlichem Wohnraum ohnehin verhalten ist. „Wir brauchen diese Flächen nicht“, sagt Hamelns Oberbürgermeisterin über die rund 267 Hektar, derer sich die Verwaltung annehmen muss. Das Scharnhorstgelände war im Vergleich geradezu niedlich mit seinem 8,9 Hektar großen Gelände. „Wir wollen sie nicht brachliegen lassen, sondern entwickeln“, gibt Lippmann die Richtung für die vor. Was jetzt militärisch genutzte Flächen sind, muss für andere Zwecke umgewidmet werden. Für das Ravelin Camp in der Nordstadt hat die Verwaltung bereits ein langfristiges Nachnutzungskonzept erstellt, das jedoch, wenn das gesamte 28. Pionierregiment aus Hameln abgezogen werden sollte, schon wieder überholt ist.

Das Problem, dem sich potenzielle Investoren der übrigen Flächen gegenübersehen werden: „Einige Bereiche sind vielleicht kontaminiert und müssten gereinigt werden“, so Lippmann gegenüber der Dewezet. Die Geräte-Depots Bailey Park und Gundolph Park (links und rechts des Reimerdeskamp) und das Gelände der Linsingenkaserne an der Süntelstraße könnten davon betroffen sein. „Sämtliche Flächen sollten auf Kampfmittelreste und Kontaminierungen untersucht werden“, lautet die Empfehlung in der Ist-Analyse. Für diese Bereiche, die in weiten Teilen für Panzer ausgelegt und versiegelt sind, stellt sich die Stadtverwaltung gewerbliche Nutzung vor, „die das Wohnen nicht wesentlich stört“. Städtebaulich wünschenswert seien in dieser Lage aber auch Modelle für „anders wohnen“ im Alter verbunden mit Service- und Versorgungseinrichtungen.

Der Großteil der betreffenden Gebiete gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Sie ist die Nachfolgerin der Bundesvermögensverwaltung und Eigentümerin von deutschlandweit 300 000 Quadratmeter Grund und zirka 48 000 Wohnungen. Andere Gelände in Hameln wie die Wasserübungsplätze Wouldham und Upnor an der Fischbecker Landstraße sind auf den Grundstücken gleich mehrerer Eigentümer entstanden (Stadt, privat und BImA), wodurch sich die Planung zur Nachnutzung erschwert. „Wir wären froh, wenn wir es nur mit einem Ansprechpartner zu tun hätten“, sagt Fachbereichsleiter Planen und Bauen, Wolfgang Kaiser, auch mit Blick auf die etwa 400 frei werdenden Wohneinheiten. Sie sind ebenfalls in der Hand verschiedener Eigentümer.

Eines jedenfalls hält die Stadt für unrealistisch: dass die 12,3 Hektar der Linsingenkaserne plus die 7 Hektar Bailey Park, 5,6 Hektar Gundolph Park und die 51 Hektar Ravelin Camp parallel entwickelt werden – auch, weil das aufgrund des demografischen Wandels keinen Sinn ergäbe. Der bisherige Vorschlag lautet stattdessen: prüfen, ob ein Solarpark auf einer größeren Fläche als bislang auf dem einstigen Ravelin Camp angedacht passend wäre. Dafür gebe es nach wie vor zahlreiche Interessenten. Eigeninteresse bekundet die Stadt Hameln lediglich an einem Bereich, dem Sportplatz an der Süntelstraße/Fahlte. Mit diesem Allwetterplatz im Portfolio könnte das Angebotsdefizit an Trainingsmöglichkeiten für Fußballer im Winter verringert werden.

Die Nachnutzung der militärischen Flächen ist das Eine. Das andere sind die 300 bis 400 leeren Wohneinheiten, die dem Immobilienmarkt kräftig die Preise verhageln können, wenn sie nach dem Abzug der Briten leer stehen. 140 Wohneinheiten sind im Besitz der BImA, 286 sind in privater Hand. „Die Stadt hat ein Interesse daran, dass die Quartiere gepflegt bleiben“, so Susanne Lippmann. Leer stehende und verfallende Gebäude trügen dazu sicher nicht bei. Lippmann hat den Landkreis mit ins Boot geholt, damit er die bevorstehende Situation in Hameln bei seinen Überlegungen bezüglich benötigter Gebäude oder Flächen mit berücksichtigt.

Wann, wie und in welchem Zeitraum die rund 1500 Streitkräfte der britischen Garnison mit ihren Familien Hameln wieder verlassen, steht noch nicht fest. Die britische Regierung hat für das zweite Quartal 2011 nähere Informationen über ihren Truppenabzug angekündigt. „Wir erwarten jetzt eine Einladung des Landes in die interministerielle Arbeitsgruppe und finanzielle Unterstützung“, erklärt Susanne Lippmann über die nähere Zukunft. In Hameln wird als nächstes der Bauausschuss am 20. Januar über die möglichen Folgen informiert werden.

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