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Ergebnis der Elternbefragung wirft für Stadt und Landkreis eine Reihe von Problemen auf

Lippmann will keine IGS mit über 1000 Schülern

Hameln (ni). In einem Punkt gibt es an dem Votum der Eltern nichts zu deuteln: Für einen Antrag auf Gründung einer Integrierten Gesamtschule in Hameln reicht das von ihnen signalisierte Interesse an diesem zusätzlichen Schulangebot allemal aus. Trotzdem wirft das Ergebnis der Elternbefragung eine Reihe von Fragen auf, mit deren Beantwortung sich Politik und Verwaltung in den nächsten Wochen befassen müssen.

veröffentlicht am 22.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 19:21 Uhr

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Das Land genehmigt neue Integrierte Gesamtschulen (IGS), wenn seitens der Eltern ein Bedarf angemeldet wird. Und der ist nach derzeitiger Regelung gegeben, wenn sich so viele Grundschul- und Kitaeltern für diese Schulform aussprechen, dass mit 130 Anmeldungen pro Jahrgang gerechnet werden kann. Dem Ergebnis der Befragung von Eltern in Hameln und im Landkreis zufolge wäre diese Quote nicht nur erreicht, sondern weit überschritten: 199 Kitaeltern erklärten, sie würden ihr Kind voraussichtlich an einer IGS anmelden; 222 Eltern von Erstklässlern ebenfalls; bei den Eltern, deren Nachwuchs zurzeit die zweite Klasse besucht, waren es 237, bei denen von Dritt- und Viertklässlern je 225. Melden diese Eltern ihre Kinder tatsächlich auch an, reichte eine IGS mit fünf Parallelklassen nicht aus, sondern müsste sieben-, acht- oder gar neunzügig werden. „Ein Moloch“, sagt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, von dem sie persönlich „nicht so viel“ halte. Eine Alternative hieße dann, das Los entscheiden zu lassen, wer einen Platz an der IGS erhält und wer leer ausgeht. Aber Lippmann sagt auch: Als Hamelner Oberbürgermeisterin habe sie „zunächst einmal eine Verpflichtung den Hamelner Eltern gegenüber“. Und das wiederum könnte heißen, Anmeldungen aus der Stadt für eine Schule in der Trägerschaft der Stadt sollen bevorzugt behandelt werden. Die Frage wäre dann allerdings, ob sich der Landkreis ein solches Verfahren widerspruchslos gefallen lässt oder nicht vielmehr auf Gleichbehandlung drängt. Schließlich überweist er jedes Jahr 3,7 Millionen Euro an die Stadt Hameln und deckt damit 70 Prozent der Aufwendungen für den laufenden Betrieb der städtischen Schulen im Sekundarbereich II.

Eine IGS in Hameln und allein für Hamelner Schüler gibt die Elternbefragung aber auch nicht her, denn die Zahl der potenziellen Interessenten in der Stadt bewegt sich nur zwischen 84 und 117 pro Jahrgang. „Es könnte aber durchaus sein, dass am Ende doch mehr Kinder aus Hameln angemeldet werden“, sagt Lippmann. Vornehmlich von den rund 60 Prozent der Eltern, die sich nicht an der Befragung beteiligt haben. Genauso wenig, wie jedes signalisierte Interesse als verbindliche Anmeldung interpretiert werden darf, ist nämlich auch der Umkehrschluss zulässig: nämlich, dass in dem Reservoir der scheinbar desinteressierten Eltern garantiert kein künftiger IGS-Schüler mehr steckt. Letztlich, glaubt Lippmann, werden sich viele Eltern erst entscheiden, wenn sie das Konzept und die Angebote der neuen Schule kennen und wissen, ob ihre Kinder dort auch nachmittags gut aufgehoben sind.

Bis dieses Paket auf dem Tisch liegt, dauert es aber noch Monate. Und so lange muss die Stadt auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten planen. Zum Beispiel, an welchem der vorhandenen Schulstandorte in Hameln die IGS mit ihrem ersten Jahrgang einziehen und allmählich wachsen könnte. Die Zeit nutzen will Lippmann aber auch, um mit dem Landkreis zu reden. Immerhin haben 608 Eltern aus den Kommunen des Kreises (Hameln ausgenommen) erklärt, sie würden ihr Kind voraussichtlich an einer IGS in Hameln anmelden. 1279 bekundeten Interesse an einem IGS-Angebot im Gebiet des Landkreises Hameln-Pyrmont.

Für Lippmann stellt sich die Frage: „Wie will der Landkreis mit diesen Zahlen umgehen?“ Sie habe, sagt die Oberbürgermeistern, „wenig Neigung, mit so einem Riesending von über 1000 Schülern auch den Landkreis-Bedarf mit abzudecken“. Auf der anderen Seite würden sich zwei IGS im Kreisgebiet zurzeit vermutlich gegenseitig die Schüler wegnehmen. Und drittens, ergänzt der Erste Kreisrat Carsten Vetter, sei aufgrund der demografischen Entwicklung mit immer weiter sinkenden Geburtenzahlen die gesamte Schullandschaft ohnehin in Bewegung.

Wie die Antwort auf dieses ganze Bündel von Unwägbarkeiten und Problemen aussehen könnte – darüber etwas zu sagen, sei noch zu früh, sind Oberbürgermeisterin und Kreisrat sich einig. „Das Ergebnis der Elternbefragung liegt ja gerade erst auf dem Tisch“, so Vetter. Für eine eingehende Analyse, geschweige denn für belastbare Schlussfolgerungen oder gar Empfehlungen an die Kreispolitik sei da noch keine Zeit gewesen. Eine erste Stellungnahme zu den Zahlen kommt vom Vorsitzenden der FDP-Kreistagsfraktion, Heinrich Fockenbrock. Er sieht durch das Ergebnis der Befragung seine Bedenken bestätigt, die Einrichtung einer IGS in Hameln werde zulasten der Haupt- und Realschulen des Landkreises – vor allem in Aerzen, Emmerthal und Hessisch Oldendorf – gehen, „weil es in Hameln keine ausreichende Anzahl von Befürwortern“ gebe. Dass sich in der Stadt lediglich ein Fünftel aller befragten Eltern für die Einrichtung einer IGS ausgesprochen habe, „mag unter Berücksichtigung von Teilen des Elternwillens aus dem Landkreis zwar formalrechtlich ein ausreichendes Interesse sein, eine überzeugende Basis für entsprechende zustimmende politische Beschlüsse sowohl der Gremien des Rates der Stadt Hameln wie des Kreistages Hameln-Pyrmont ist das nach meiner Auffassung jedoch nicht“, so der Liberale.

Während bei den Verantwortlichen in Rat- und Kreishaus jetzt vor allem die noch zu bewältigenden Schwierigkeiten in den Fokus rücken, herrscht bei der IGS-Initiative erst mal eitel Freude. „Wir sind glücklich, dass sich unsere Arbeit gelohnt hat“, sagt Jennifer Weidner. 25 Infoveranstaltungen hat die Gruppe der überzeugten IGS-Anhänger organisiert, um bei Eltern in Hameln und im Landkreis für diese Schulform zu werben. Nachdem deutlich mehr als die erforderliche Zahl an Eltern sich für eine IGS ausgesprochen hat, geht Weidner nun davon aus, „dass Hameln und der Landkreis zusammenarbeiten, damit die IGS in Hameln allen Kindern aus dem Landkreis offen steht – genauso wie die Gymnasien und Realschulen“.

Die Auswertung der Elternbefragung zur IGS finden Sie im Internet unter www.dewezet.de



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