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Ein Blick in die Gebäude

Linsingen-Kaserne: Rundgang vor dem Abriss

HAMELN. Den Einblick, der sich beim Rundgang vor dem Abriss bietet, bekommen nur wenige – ein geführter Rundgang macht es möglich: Leer und karg wirkt das 122 000 Quadratmeter große Linsingen-Areal, Bäume mussten weichen, einzelne Gebäude sind entkernt, überall Löcher von Probebohrungen, durch die sich das Unkraut durchkämpft. Schnell wird klar: Der Rückbau der einstigen Kaserne der britischen Armee in Hameln hat bereits begonnen, die Zeichen dieser stehen auf Abschied. Zeit für die Dewezet, einen vielleicht letzten Blick in die Gebäude der „Gordon Barracks“ zu werfen.

veröffentlicht am 12.05.2019 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 13.05.2019 um 09:15 Uhr

Im Eingangsbereich des Flix-Kinos gab es zu Betriebszeiten Snacks. Die Türen zum Saal stehen offen. Rechts daneben war der Kartenverkauf. FOTO: Dana
Maximilian Wehner

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An der Tür hängt noch das alte Schild: „The Flix Hameln“ ist darauf zu lesen. Durch die Tür gegangen, fällt sofort der Schriftzug „Refreshments“ ins Auge. Darunter eine Art Verkaufsstand. Hier gab es zu Betriebszeiten des Kinos Popcorn und Getränke zu kaufen. Rechts davon ist die Tür zum Saal, daneben der Verkaufsschalter für die Tickets. Ein Blick in den Saal: gähnende Leere. Zwei Holzverschläge liegen lieblos auf dem Boden. Stromkabel ragen aus ihm heraus. Deutlich erkennbar: Hier haben die Stuhlreihen gestanden. Vorne eine große Bühne. Dahinter war wohl eine Leinwand — verschwunden, wie der Projektor. Dieser steht mittlerweile im Fundus des Hamelner Museums. Vom einstigen Glanz, das dieses britische Kino ausgestrahlt haben muss, ist nicht mehr viel zu erkennen. Kaum zu glauben, dass dieses Kino noch vor fünf Jahren in Betrieb war. Erbaut in den 50er Jahren, war es noch bis Anfang der 90er Jahre frei zugänglich. Nach dem Anschlag der IRA an der Fischbecker Landstraße wurde es aber aus Sicherheitsgründen ummauert und umzäunt, erzählt Thomas Haeckel, Vorstandsmitglied des British-German-Clubs Hameln, während des Rundgangs. So war der Zugang in den letzten Jahren des Betriebs nur noch über das Kasernengelände möglich. Nun soll es wie viele andere Gebäude der „Gordon Barracks“ weichen, um Platz für Neues zu schaffen: an dieser Stelle für eine Art Busbahnhof, wie Axel Lorz vom Landkreis Hameln-Pyrmont erklärt.

„Ich bedauere, dass die Gebäude abgerissen werden“, sagt Peter Porosalla, der am Rundgang teilnimmt. Wehmut liegt in seiner Stimme. Er selbst habe zu Wehrmachtszeiten mit seiner Familie in Block drei gelebt und in der Linsingen-Kaserne die ersten sieben Jahre seines Lebens verbracht, erzählt er. Früher habe alles anders ausgesehen. „Wenn man reinkam, war ganz links das Badezimmer, daneben die Küche. Dann kamen der Wohnraum und noch eine kleine Abstellkammer.“ Heute sind dort nur noch zwei Zimmer, die bis auf den königsblauen Teppich komplett leer sind. In der kleinen Wohnung habe er mit seiner Mutter und seinem Bruder gewohnt, schwelgt er in Erinnerungen. In den Etagen darüber waren Verwundete untergebracht. Rund 100 Soldaten sollen damals in diesem Unterkunftsgebäude Platz gehabt haben.

Gleich gegenüber liegt das große Wirtschaftsgebäude: 2003 erbaut, soll es auch in Zukunft erhalten werden. So zumindest der Plan, erzählt Thomas Haeckel den Teilnehmern: „Da waren sich Landkreis und Stadt schnell einig, dass dieses Gebäude bestehen bleibt.“ Es ist das einzige noch komplett eingerichtete Gebäude, das während des Rundgangs gezeigt wird: Die Essensausgabe, Besteckwagen und Küche sind noch an Ort und Stelle, nur die Tische fehlen. In Spitzenzeiten wurden hier bis zu 1200 Portionen gekocht, sagt Haeckel. Es ist auch das einzige Gebäude, das schnell wieder ans Netz gehen könne. Derzeit seien alle Gebäude auf dem Gelände von der Strom- und Wasserversorgung abgehängt.

3 Bilder
"The Flix Hameln" steht über dem Kino-Eingang. Foto:Dana


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