weather-image
10°
Ein Sahnestück

Linsingen: Wie der Gesundheits- und Bildungscampus geplant ist

HAMELN. Im Sommer 2014 haben sich die Briten mit einer feierlichen Parade aus Hameln verabschiedet – aus Sicht der Stadtplaner eine große Chance. Nur selten bietet sich die Gelegenheit, teils mitten in der Stadt riesige Flächen neu zu überplanen und sie den Menschen oder der Natur zurückzugeben. Drei Jahre nach dem Abzug blicken wir auf die zehn Areale, zeigen auf, was dort passieren soll und wie weit die Planungen vorangeschritten sind. Heute: Linsingen.

veröffentlicht am 16.07.2017 um 12:00 Uhr
aktualisiert am 21.07.2017 um 19:19 Uhr

Die ehemalige Linsingen-Kaserne aus der Luft. Foto: wfx
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Sahnestück, ziemlich zentral, die Gelegenheit schlechthin, ein großes Gebiet inmitten von Wohngebieten neu, zukunftsträchtig zu entwickeln: Linsingen, einst Gordon Barracks. Wenn die Pläne, die der Landkreis und die Stadt Hameln gemeinsam für die ehemalige Kaserne samt Fläche haben, verwirklicht werden, ist der Bereich in einigen Jahren kaum wiederzuerkennen. Wenige der Kasernengebäude sollen stehenbleiben, wo jetzt der alte Exerzierplatz geschlossene Asphaltfläche bietet, spenden in einigen Jahren Bäume Schatten auf grüner Rasenfläche.

„Linsingen ist von allen Projekten das am weitesten entwickelte“, sagt Stadtbaurat Hermann Aden. Trotz der eineinhalbjährigen Unterbrechung, die es aufgrund der Flüchtlingsunterbringung gegeben hat. „Das hat Zeit gekostet“, das wiederum habe aber auch sein Gutes gehabt. „Geografisch haben wir die Pläne auf den Kopf gestellt.“ Vorher, so Aden, habe der Landkreis den südlichen Part des Areals übernehmen wollen. Jetzt ist es die Stadt Hameln, die dort Zukunft gestalten will. 2015 sei der Landkreis noch nicht so weit gewesen mit seinen Vorstellungen, jetzt „ist alles verdichtet in den Konkretisierungen“, sagt Aden.

Beide Kommunen wollen „Linsingen“ gemeinsam zum „Gesundheits- und Bildungscampus“ entwickeln. Der Landkreis möchte die Elisabeth-Selbert-Schule dort unterbringen sowie die Handelslehranstalt; die Stadt Hameln hat noch keine konkreten Interessenten, bis auf die Technische Akademie Hameln, die sich dort gerne erweitern würde. In den kommenden Wochen und Monaten soll aus der Abteilung Wirtschaftsförderung Konkretes in die Politik getragen werden hinsichtlich potenzieller Nutzer, Käufer, Pächter inklusive Vorgehen, wie diese akquiriert werden könnten. Ansonsten sehen die Planzeichnungen einen Quartierspark mit viel Grün, Wege, Parkplätze, eine Kita vor.

Ein Thema, das der Stadt bei fast allen ehemaligen Militärflächen begegnet, war auch bei Linsingen relevant: Die Untersuchung auf Schad- und Giftstoffe. Der Boden sei weitgehend untersucht, sagt Aden, jetzt „werden noch einmal alle Gebäude untersucht“.

Die Ergebnisse haben erheblichen Einfluss auf die Kosten, die auf die Kommunen zukommen. Lauten sie „schadstofffrei“, könne der Abriss zwischen 12 und 13 Euro pro Kubikmeter kosten. Sonst wird es, je nach Belastung, wesentlich teurer.

Stadt und Landkreis wollen im Herbst gemeinsam den Notarvertrag unterzeichnen. Während die Stadt Hameln sich mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) bereits auf einen Kaufpreis geeinigt hat, stehen der Landkreis und die Bundesbehörde noch in Verhandlung.

Für die etwa 68 000 Quadratmeter, die Hameln erwerben möchte, wurde der Kaufpreis mit gut 478 000 Euro beziffert. Der Landkreis plant, etwa 54 000 Quadratmeter des Geländes zu nutzen. Vor allem hakt es derzeit am Preis für die noch junge Mensa: 600 000 Euro möchte die Bima haben – das ist dem Landkreis zu viel; er weist auch auf einen Wasserschaden hin, den das Gebäude bereits hinter sich habe. Die Mensa ausgenommen, hat die Bima laut Kreiskämmerer Carsten Vetter einen Wert veranschlagt, der zwischen 500 000 und 600 000 Euro liege. Weil der Landkreis eine Schule plant, wird ihm ein Preisnachlass gewährt, so dass nur noch maximal 200 000 Euro fällig wären. Ende Juli finde die nächste Verhandlungsrunde statt, sagt Sandra Lummitsch, Sprecherin der Kreisverwaltung.

Nicht der Grunderwerb ist für die beiden Kommunen das teuerste Unterfangen, sondern alles, was danach kommt. Abrisskosten in Millionenhöhe – der Landkreis rechnet mit 1,9 Millionen, Hameln mit 2,1 Millionen Euro. Insgesamt hat die Stadtverwaltung 11 Millionen Euro angesetzt inklusive Planung und Baumaßnahmen. Sie rechnet jedoch auch mit Einnahmen aus Immobilienverkäufen und mit Fördermitteln, so dass 2,8 Millionen Euro von der Stadt Hameln zu tragen wären.

Für dieses Jahr ist neben der Unterzeichnung des Kaufvertrags, der schnelle Beginn mit den Abrissarbeiten und ein Planungswettbewerb zur Gestaltung des Quartiersparks vorgesehen, an dem sich Garten- und Landschaftsarchitekten beteiligen können.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Links zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare