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Altbewährtes ist wieder angesagt

Lindy Hop – für den Tanz in den Mai

Hameln. Abschlepper. Es gibt sie wieder. Gut möglich, dass sie schon beim Tanz in den Mai zum Zug kommen, ohne dass erboste Feministinnen einschreiten. Auch wenn sich die Männer ihre Auserwählte dabei ganz locker über die Schulter werfen. Doch hier dreht’s sich nicht etwa um leichte Beute, die nach Steinzeit-Manier erobert und abtransportiert wird, sondern es handelt sich um die gekonnte Abschlusspose des aktuell angesagten Modetanzes „Lindy Hop“. Und da swingt es nicht nur rhythmisch, sondern geht’s auch akrobatisch hoch hinaus. Ein sportlicher Tanz, dessen Geschichte Ende der 20er Jahre in den Ballsälen des „schwarzen“ New Yorker Stadtteils Harlem, im berühmten Savoy-Ballroom, begann und die legendäre Swing-Ära einleitete. Jetzt ist der Hop wieder hip – und erlebt sein Comback. Auch in Hameln.

veröffentlicht am 30.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 12:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Lange Zeit hieß der Tanz nur „the hop“, bis der Name nicht mehr spektakulär genug schien. Als Charles Lindbergh 1927 mit seinem Flieger allein den Atlantik überquerte, jubelte die Presse: „Lucky Lindy Hops the Atlantic“. Und die Swing-Kids hopsten begeistert mit – der „Lindy Hop“ war geboren. „Als die Amerikaner nach Europa kamen, brachten sie diesen Tanz über den großen Teich“, erklärt André Arras, Chef der Tanzschule „Für Sie“, wo „Lindy Hop“ in der Swing-Gruppe trainiert wird. „Charakteristisch sind schnelle, raumgreifende Figuren wie der Lindy Turn, bei dem sich die Tänzer in zwei Takten einmal umeinander drehen“, so Arras. Der Tanz sei sehr stark improvisiert, die Tänzer würden versuchen, Betonungen in der Musik herauszuarbeiten. Je nach Tempo könne Lindy Hop dann schnell oder langsam getanzt werden.

Typisch sind offene und geschlossene Paartanzhaltungen – und Kicks. Das Schöne daran: Der Tanz lässt viel Freiraum. Beherrscht man das Grundrepertoire, kann man seine Kreativität und den eigenen Stil mit dem Partner voll ausleben. Für viele ist Lindy Hop „der Swing-Tanz“ schlechthin, aus dem erst East Coast Swing, West Coast Swing, Jive, Boogie-Woogie und Rock’n’Roll entstanden sind: „Zu den Wurzeln des Lindy Hop zählen 20s Charleston, Balboa, Collegiate Shag und Blues“, listet Arras auf.

Tanzlehrerin Sandra Wolff hat die Swing-Gruppe bei „Für Sie“ unter ihren Fittichen. Einige Paare sind schon seit Jahren dabei, so wie Heidi Kühl und Gerhard Robert Schaper, die seit 2009 trainieren und sich auch entsprechend kleiden. Denn nicht nur die richtigen Tanzschuhe gehören zum echten Swing-Feeling. Dass das Paar aufeinander eingespielt ist, sieht man an den fließenden, harmonischen Bewegungen. Von nichts kommt nichts: Auch beim Lindy Hop macht Übung den Meister. „Erst wenn man die Grundlagen erlernt hat und aus dem Effeff beherrscht, können die akrobatischen Tanzposen in Angriff genommen werden“, sagt Sandra Wolff. Wie zum Beispiel der Abschlepper. So weit aber ist ihre Gruppe noch nicht. Zunächst werden weiter Kicks, Drehungen und schnelle Beinarbeit geübt.

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In Großstädten wie Hannover ist Lindy Hop der Knaller. Doch auch in Hameln wird Lindy Hop im „Freiraum“ getanzt, gibt’s für Einsteiger bei „Für Sie“ ab 5. Juni einen Anfänger-Kurs, bietet ab Herbst auch die Tanzschule Valentino Kurse für Lindy Hop und für West Coast Swing an. Anke Rettkowski macht ein Angebot in ihrer Tanzschule von entsprechender Nachfrage abhängig, ist aber schon Feuer und Flamme: „Die Mode ist klasse, die Musik supergeil. Meine Mama und mein Papa können noch Lindy Hop tanzen.“

Und würden damit beim Tanz in den Mai garantiert Aufsehen erregen. Aber es muss ja nicht zwingend Lindy Hop sein, um heute Abend auf dem Parkett zu punkten. Schwofen kann man (fast) überall: auf dem Land sowieso, da gehört das zur Tradition wie das Aufstellen des Maibaums. Aber auch in Hameln wird nicht nur in Discos, sondern auch in so vielen Lokalen in den Mai getanzt, dass man nur noch die Qual der Wahl hat: So legen unter anderem in der Waldgaststätte Schliekers Brunnen, im Melounge, im Reichadler oder in der Bierstube Kitzinger DJs heiße Scheiben auf. Warum der Tanz in den Mai plötzlich wieder so aktuell ist? André Arras hat dafür eine ganz einfache Erklärung: „Jede Gelegenheit zum Feiern ist recht. Und wenn einem nichts Neues mehr einfällt, greift man auf Altbewährtes zurück. Das ist schließlich nicht das Schlechteste.“ Stimmt. Sonst wär’ der gute, alte Lindy Hop ja nicht wieder so hip…

Abschlepper: Die Tanzlehrer Sandra Wolff und Andreas Bersch mit der Abschlusspose des Lindy Hop.



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