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Legende von Graf Bernhards Vermögen

Liegt im Klütwald ein alter Schatz?

HAMELN. Die Ostereier mögen am Wochenende alle gefunden worden sein. Etwas ganz anderes harrt noch seiner Entdeckung: der sagenhafte Klütschatz. Klütschatz? Offenbar liegt die Legende vom Schatz im Hausberg der Stadt schon so weit zurück, dass sogar die Hamelner Leute vom Fach auf Anfrage der Dewezet bloß mit den Schultern zucken: Historiker, Archäologe, Archivar und Förster. Aber das war nicht immer so.

veröffentlicht am 17.04.2017 um 18:41 Uhr

Der Legende nach liegen irgendwo im Klüt die Schätze von Graf Bernhard vergraben. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Wenn man dem einstigen Hamelner Bürgermeister Johann Friedrich Moller (1711-1772) Glauben schenkt, war der Klütschatz über lange Zeit hinweg in aller Munde. Mit der Folge, dass viele Hamelner im Klüt auf Schatzsuche gingen. So ist in Mollers 1788 veröffentlichter „Kurzer Geschichte der Stadt und Vestung Hameln an der Weser“ zu lesen: „Der auf den Klütberg laufende Weg wird annoch der bürener Weg genannt, und der gemeine Mann trägt sich seit langen Jahren mit den daselbst vergrabenen und vorhin mannigmahl vergeblich gesuchten Schätzen.“ Viktor Meissner, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums Hameln, war beim Transkribieren von Mollers Stadtgeschichte über diese Textstelle gestolpert, denn auch ihm war die Legende vom Klütschatz bis dahin nicht bekannt gewesen.

Der Bürener Weg ist auf das Dorf Büren zurückzuführen, das sich im Mittelalter auf dem Bürener Berg befand. Der Bürener Berg wiederum befand sich irgendwo zwischen der einstigen Bismarck-Kanzel, also da, wo der Finkenborner Weg seine scharfe Kurve macht, und dem Finkenborn.

Moller erwähnt den Schatz im Zusammenhang mit dem vermögenden Graf Bernhard. Der soll in Büren mit seiner Frau Christine in einer Burg gelebt haben. Deshalb wird er auch als Graf Bernhard von Büren bezeichnet. Heute erinnert die Bürenstraße an das im 14. Jahrhundert wüst gewordene Dorf. Im Münster erinnert ein Gedenkstein an das Grafenpaar. Auf Graf Bernhard ist wohl auch die Legende vom Klütschatz zurückzuführen. Er hatte zu Beginn des 9. Jahrhunderts in Hameln eine Kirche gebaut, aus der später das Münster hervorgehen sollte. In dieser Gründungsgeschichte ist auch von Schätzen die Rede.

So schreibt Friedrich Sprenger in seiner „Geschichte der Stadt Hameln“ aus dem Jahr 1826 im Hinblick auf den Bau der Kirche: „Hiermit steht eine Legende, welche noch im Munde des Volks ist, in Verbindung. Man erzählt, dass Bernhard und Christine einen Esel mit ihren Schätzen beluden und gelobten, da eine Kirche zu bauen, wo er ermüden werde. Sie zogen vom Klüte herab, worauf ihre Burg lag, und mussten schon in der damals sumpfigen Gegend, wo jetzt Hameln liegt, haltmachen.“ Auch in Carl Ludwig Lüders „Beiträgen zur Geschichte der Stadt Hameln“ von 1881 sowie in Heinrich Spanuths „Geschichte der Stadt Hameln“ (Teil 1, 1939/40) ist dies nachzulesen.

Das Vermögen von Graf Bernhard und die Legende vom „Schatzesel“ dürften die Fantasie der Hamelner Bürger befeuert haben. Dazu kommt, dass das Grafenpaar keine Kinder hatte. Zwar ging das Land von Graf Bernhard nach seinem Tod im Jahr 826 an die Abtei Fulda. Vom Verbleib seines vermeintlichen „Schatzes“ ist allerdings nichts bekannt.

Bei Moller heißt es, „des Stifters Bernhard von Büren Andenken ist bis zur Reformation von den Canonicis gefeiret worden“. Stadtarchivar Olaf Piontek schließt daraus, dass die Gründungsgeschichte der Münsterkirche in der Bevölkerung damals sehr präsent war. „Es ist durchaus denkbar, dass Graf Bernhard in den Gottesdiensten als Vorbild dargestellt wurde, dem die Gemeindemitglieder mit eigenem finanziellen Einsatz folgen sollten“, so Piontek. „Legendenbildungen wie die Existenz eines Schatzes im Klütberg sind unter diesen Umständen wohl nicht verwunderlich.“ Zumal ein Berg immer auch etwas Geheimnisvolles verkörpere und die Menschen sich fragten, was in ihm wohl verborgen sein mag.

Der Hamelner Archäologe Joachim Schween hält die Existenz eines Klütschatzes zwar „für sehr unwahrscheinlich“. Trotzdem sei ein „Fünkchen Wahrheit“ nie auszuschließen. „Schon aus dem Fund eines einzigen Talers kann eine Schatzlegende entstehen“, sagt Schween.

Wilhelm Berger, Förster a. D., erinnert sich, wie vor allem in den 70er Jahren „Schatzsucher“ mit Metalldetektoren den Klüt durchforsteten. Manchmal seien sie sogar fündig geworden. „Doch mehr als Bleikugeln und Kartuschen aus Kriegszeiten haben sie wohl nie gefunden“, sagt Berger.

Angesichts selbst ernannter Detektorgänger, die heute gelegentlich den Klüt auf der Suche nach alten Relikten durchkämmen, verweist Archäologe Schween auf die Gesetzeslage. Um mit einem Metalldetektor nach etwas suchen zu dürfen, sei neben einem Lehrgang beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege eine Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde erforderlich. Aber selbst dann bleibt der Klüt für derartige Schatzsucher tabu: „In Wäldern darf von Laien generell nicht mit einem Metalldetektor gesucht werden“, so Schween.

Sieht so aus, als würde der Klütschatz seiner Entdeckung noch weiter harren müssen.

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