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Wie einladend sind die öffentlichen WCs der Stadt? Die Dewezet macht den Toiletten-Test

Lieber nichts anfassen

Hameln. Vielen lässt schon der bloße Gedanke an eine öffentliche Toilette einen unangenehmen Schauer über den Rücken laufen. Ein Tummelplatz von Bakterien und schlechten Gerüchen, wo man lieber nichts anfassen will, kommt einem in den Sinn. Auch Hameln bietet Klosetts für jedermann. Alle vier öffentlichen Anlagen der Stadt lassen sich in ein paar hundert Metern von der Altstadt aus erreichen. Für ihre Reinigung und Instandhaltung berappt die Stadt jährlich rund 23 500 Euro. Die Redaktion hat im Selbstversuch getestet, wie gut Hamelns „Öffentliche“ wirklich sind. Unsere Kriterien: Sauberkeit, Geruch, Ausstattung und Funktionalität sowie Wohlfühlfaktor und Ambiente. Los geht’s.

veröffentlicht am 05.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

von NIna Reckemeyer und Jobst Christian Höche
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Das WC am Rathausplatz im Tunnel zur Tiefgarage ist unser erstes Testobjekt. Der erste Eindruck ist finster. Die Umgebung in dem alten Tunnel ist nicht gerade einladend. Von Wohlfühlen kann hier keine Rede sein. Einmal drin, fällt uns das uralte Inventar auf. Die Kachelfliesen sind matt-verschmutzt, die Türen siffig. Es gibt rostige Abflussgitter und grelle Neonbeleuchtung. Der Geruch ist hinnehmbar. In der Damentoilette riecht es nach WC-Reiniger, Duftmarke Zitrone. Auf der Herrentoilette lässt sich ein leichter „Güllegeruch“ vernehmen – aber erträglich. Weniger akzeptabel sind die Toilettenschüsseln. Eine gelbe Urinlache auf der einen und Kot auf der anderen WC-Brille. Auf der Waschbeckenablage liegt Zigarettenasche. Immerhin ist alles da: Toilettenpapier, Klobürsten, Seife und Handtrockner, Spiegel und Mülleimer. Es gibt sogar moderne, wassersparende Pissoirs. Das ist prima, dennoch sind wir uns einig: Hier lieber nichts anfassen. Augen zu und durch!

Unser zweites Ziel ist das WC an der Deisterallee nahe dem Bürgergarten. Hier ist es tatsächlich fast schön. Nach dem Schreckenserlebnis im Tunnel kann es nur besser werden. Es ist hell und freundlich, die Fliesen glänzen weiß und es gibt einen Toilettenmann. Dafür hätte er allerdings auch gerne eine Spende. Die Duftwogen passen zum ersten Eindruck. Auf den zweiten Blick fallen uns aber die Klobürsten auf, die dringend erneuert werden müssten und auch über den Bauch der WC-Schüsseln dürfte mal gründlich gewischt werden. Das Inventar scheint neuer als im Tunnel. Auch hier sind die wassersparenden Pissoirs auf der Herrentoilette und alle wichtigen Utensilien vorhanden. Wir sind ganz zufrieden.

Die öffentliche Toilette am Hochzeitshaus, im repräsentativen Kern der Stadt, weckt hohe Erwartungen. Freilich rechnen wir nicht mit vergoldeten Wasserhähnen, aber ein bisschen mehr als zuvor darf‘s hier schon sein. Die Realität sieht anders aus: Pustekuchen, Wellness-WC. Zwar mutet das Ambiente der Umgebung nett an, aber wenn man „unten“ ist, das Örtchen befindet sich im Keller, finden wir es doch einigermaßen scheußlich. Allerdings unterscheiden sich hier wohl Männer- und Frauentoilette. Während frau in der Damentoilette scharfer Fäkalgestank entgegenweht, bleibt das männliche Riechorgan weitestgehend unbelästigt. Hier gibt es auch Pissoirs mit Lichtschranke. Die Damenräume sind fensterlos und düster, bei den Herren immerhin helles Licht. In den Spiegel sehen zu können, fällt bei den Männern aber aus, keiner da. Dafür aber jede Menge Toilettenpapier auf dem Fußboden. Urinflecken, Kotspuren und Haare lassen sich leider ohne großes Suchen auf den Klobrillen für beide Geschlechter finden. Wenn es nicht ganz dringend ist, lieber einen Bogen machen.

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Nun bleibt uns noch das WC am Europaplatz, Stockhof. Vor der Rattenfängerhalle müssen wir die Toiletten erst mal suchen, so versteckt sind sie. Hier können wir nichts ungewöhnlich Schlechtes erschnüffeln und wagen uns weiter vor. Sofort bekommen wir die Quittung: Ekelerregende Urinränder schlängeln sich um die Toiletten bis auf die Bodenfliesen. Die Toilettenschüsseln sind dreckig, im Inneren haften Stuhlreste. Darüber hinaus funktioniert dennoch auch hier alles einwandfrei und die Ausstattung ist komplett. Eine Besonderheit fällt uns auf: Holzvertäfelung an der Decke. Vielleicht sollte dies dem Charme der Rattenfängerhalle gleichkommen, wirkt auf uns aber eher bedrückend. Können wir uns bitte woanders erleichtern?

Fazit: Natürlich hätten wir am Ende unseres städtischen Toilettengangs lieber etwas anderes sagen wollen, aber der Dewezet-Test zeigt: Wer in Hameln mal muss, sollte eine starke Blase haben. Wir empfehlen auszuharren, bis man zu Hause das eigene Bad benutzen kann. Für dringende Geschäfte sollte man, ausgestattet mit Desinfektionstüchern, am besten das WC an der Deisterallee nutzen.

Uns fiel auf, dass alle Toiletten schlecht ausgeschildert und schwer zu finden sind. Nirgends gibt es eine Automatik für Spülung oder Wasserhähne, die den Kontakt mit den Bakterien des Vorgängers verhindern würden. Die öffentlichen Örtchen waren rege besucht. Investitionen könnten sich also lohnen.

Die Zeit der Graffiti scheint vorbei, sie werden jährlich für 8500 Euro entfernt. Die Ära der Wohlfühltoiletten aber ist trotz Bemühungen der Stadt noch nicht angebrochen.

Toilettengang am Europaplatz: Wer kann, sollte weiter vorlaufen zum WC an der Deisterallee nahe dem Bürgergarten. Papier auf dem Boden und kaputte Fliesen gibt es dort nämlich nicht.jch

Ein kühles Getränk in der Sonne und noch auf dem Heimweg drückt die Blase. In Hameln gibt es vier öffentliche Toiletten, die jedermann zugänglich sind. Aber wie gerne möchte man diese benutzen? Die

Dewezet hat es getestet.

Die unerschrockenen WC-Tester der Redaktion: Nina Reckemeyer und Jobst Christian Höche überzeugt auch keine kostenlose Benutzung, wie sie hier am Stockhof eigenwillig beworben wird. nin



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