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Zankapfel Weihnachtsbeleuchtung: Nicht alle Händler wollen Beitrag leisten / Stadtmarketing zahlt drauf

Licht an – eine „Frage der Solidarität“

Hameln. „Es gibt gute Jahre und es gibt schlechte – dieses Jahr ist ein schlechtes.“ Für die Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone wollen viele Einzelhändler nicht mehr in ihr eigenes Portemonnaie greifen. Die Kosten für die Lichterketten mit Sternenornamenten zahlt das Stadtmarketing. Von den Geschäftsleuten in der Innenstadt erbitten Stadtmanager Dennis Andres und seine Kollegen eine finanzielle Beteiligung. Viele Geschäfte geben ihren Teil dazu, einige sparen sich das Geld allerdings. „Wir schreiben alle an und reden mit den Inhabern, aber jedes Jahr hören wir wieder Ausreden; den einen gefällt die Beleuchtung angeblich nicht, der Nächste beschwert sich, dass kein Ornament direkt über seinem Eingang hängt“, sagt Andres. Das Stadtmarketing kümmert sich um die Organisation, spricht in Sachen Beleuchtung aber auch Händler an, die nicht Mitglied in dem Verbund sind. Die Kosten sollen sich eigentlich die teilen, die von der stimmungsvollen Beleuchtung profitieren – aber: „Wir bleiben immer so auf 7000 Euro sitzen“, sagt Andres. In diesem Jahr sei die Zurückhaltung wohl auch deshalb größer, weil das Herbstgeschäft schlecht war. Um diejenigen, die trotzdem zahlen, zu würdigen, wie Andres sagt, bekommen die beteiligten Geschäfte einen entsprechenden Schaufensteraufkleber.

veröffentlicht am 09.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

von Julia Rau
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Peter Peschke, Inhaber der Buchhandlung Seifert, ist das erste Mal dabei. „Wir sind umgezogen, wurden gefragt, ob wir da mitmachen wollen und das machen wir.“ Er findet, die Beteiligung sei eine „Frage der Solidarität“. „Wenn keiner mehr mitmacht, sieht es hier irgendwann trostlos aus“, sagt Jörg Schenkewitz von der Galerie Kiehne. Die Einzelhändler am Ende der Osterstraße haben sich zudem selbst um die Weihnachtsbäume vor den Geschäften gekümmert. So viel Einsatz lohnt sich nicht, findet dagegen Gerhard Brauer, Inhaber von Vin&Vini. „Ich zahle doch nicht für eine Beleuchtung, die für den Weihnachtsmarkt ist, wenn der mir die Kunden abschöpft.“ 80 Prozent des Mittagsgeschäftes seien während des Weihnachtsmarktes für ihn dahin. „Die Leute, die aus Richtung Pferdemarkt kommen, gehen höchstens bis zur Pyramide und dann wieder zurück“, sagt er. „Ich habe von dem Weihnachtsmarkt nichts.“ Ein anderer Ladenbesitzer, der nicht genannt werden will, hat schlicht kein Geld.

Heidi Schneeweiß, Inhaberin des Spielholz-Ladens, findet die Beteiligung „selbstverständlich“. Sie habe sich schon immer eingebracht, wenn es um die Kosten der Beleuchtung ging. „Wir sind hier eine Gemeinschaft und da finde ich, sollte man sich auch beteiligen“, sagt sie. An den großen Ketten lässt sie kein gutes Haar. „Die machen hier ihren Umsatz und zahlen nichts.“

Dabei haben die oft gar keine Wahl. Andrea Freutel, Filialleiterin von Magowsky, erklärt: „Das muss von der Zentrale genehmigt werden, wenn es nach mir ginge, hätte ich das mitgemacht.“ So geht es auch anderen Filialleitern, die nicht genannt werden möchten – „da muss man die Zentrale fragen“. Verständnis haben die kleinen Händler dennoch wenig. „Es ist nicht gerade solidarisch, wenn man das nicht unterstützt“, sagt Ulrike Boche von Becker & Flöge zu den Trittbrettfahrern. „Schmarotzer gibt es überall, aber wir machen das trotzdem, das gehört sich so“, meint Ulrich Zimmermann von Ahrens Culinarium. Die Stadtgalerie taucht in der Liste derer, die zahlen, ebenfalls nicht auf. „Das liegt daran, dass die einen so hohen Beitrag für das Stadtmarketing zahlen, dass wir gesagt haben, das reicht auch dafür“, erklärt Andres. „Wir geben unsere Beiträge, und die sind nicht zweckgebunden, Herr Andres muss da allein entscheiden dürfen, was er damit anstellt und die Weihnachtsbeleuchtung gehört dazu“, so Center-Managerin Susanne Schubert. Im nächsten Jahr benötigt das Stadtmarketing noch mehr Geld – da soll bekanntlich eine neue Beleuchtung angeschafft werden. Und die kostet über 100 000 Euro …

Der Sticker zeigt, wer mitmacht.


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