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In der Hamelner Marktkirche St. Nicolai wird die Weihnachtsgeschichte beleuchtet

Licht an!

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden, strahlt es noch bis in die heutige Zeit: das Transparent in der Hamelner Marktkirche St. Nicolai, das die Geburt Jesus Christus darstellt. „Das ist unsere Krippe“, sagt Pastor Thomas Risel. Denn alljährlich zur Weihnachtszeit wird das Bild unter der Kanzel aufgestellt. Was in diesem Jahr neu hinzugekommen ist und was es mit einer Hamelner Familie in dem Bild auf sich hat – Pastor Thomas Risel erzählt.

veröffentlicht am 24.12.2015 um 11:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:14 Uhr

Marktkirche Hameln
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Der Engel kündigt Maria die Geburt eines Kindes an. Das Kind, Jesus Christus, wird geboren. Der Engel verkündet den Hirten die frohe Botschaft. Das Weihnachtstransparent in der Marktkirche St. Nicolai in Hameln erzählt in drei Bildern die Geschichte der Geburt Jesus Christus – „allerdings von rechts nach links gelesen“, weist Pastor Thomas Risel auf die Besonderheit des Bildes hin. Ob es das ist, was Besucher aus ganz Deutschland an dem Transparent aus den 50er Jahren fasziniert; Risel weiß es selbst nicht so genau, findet aber selbst, dass es beleuchtet schöner aussieht als Glasmalerei. „Es sind die vielen einzelnen Schichten, die übereinandergeklebt sind“, so sein Urteil über das, was ihn daran so begeistert.
 Das Bild aus übereinander- gelegten geöltem Transparentpapier wurde von Gela Landwehr-Hobbing hergestellt. „Verblüffend einfach“ beschreibt Risel die Technik. Die ehemalige Lehrerin des Viktoria-Luise-Gymnasiums in Hameln hat mehrere dieser Transparente gefertigt; sie stehen in Hameln, in zwei Kirchen in Heilbronn, in Springe und auch in Privathäusern. „Auch wenn es mehrere davon gibt: Es ist schon etwas Besonderes“, findet Risel. Ob das Exemplar, das seit den 50er Jahren – das genaue Herstellungsdatum weiß man leider nicht – in der Adventszeit in der Marktkirche aufgebaut wird, ein Geschenk der Künstlerin war oder ob die Kirche es ihr abgekauft hat, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass die Figuren, die in der Geschichte vorkommen, an eine Familie aus Hameln erinnern sollen. „Es war Weihnachten 1935“, erzählt Risel. Künstlerin Landwehr-Hobbing feierte mit einer befreundeten Familie aus Hameln das Fest. „Diese Familie, in der es neun Kinder gab, muss sie so inspiriert haben, dass sie Menschen aus ihrer Zeit in die historische Szene gesetzt hat“, so Risel. Das Motiv zeigt die biblische Krippenszene in Bethlehem.

Hamelner Familie
stand Modell
für das Transparent

 Dass das jetzt in der Marktkirche stehende Transparent zu dem Ursprungsmotiv noch verändert worden ist, liegt für Thomas Risel daran, dass der Zweite Weltkrieg dazwischen- gelegen hat. „Der Krieg hat geprägt. Es war danach eine andere Zeit“, so Risel. Zudem weiß er aus Erzählungen, dass Gela Landwehr-Hobbing im Krieg Freunde verloren hat. Bei der Bombardierung eines Hauses einer mit ihr befreundeten Familie sind Menschen gestorben. „Das hat verändert“, betont der Pastor. Nicht nur einen Menschen selbst, sondern auch die Kunst. Denn ursprünglich habe die Maria auf dem mittleren Bild rechts gestanden, jetzt steht sie links. Auch einen Engelschor gibt es in der heutigen Fassung nicht mehr. „Und sie hat Figuren versetzt und andere weggelassen“, berichtet der Pastor. Etwas zu markant findet er die Nasen der Figuren. Aber dennoch: Der ideelle Wert des Bildes sei sehr hoch. Wie hoch der materielle Wert ist, hat die Kirche allerdings nie ermitteln lassen. Risel selbst weiß von einigen Privatleuten, die ebenfalls Transparente aus der Hand der Künstlerin zu Hause haben. Besonders stolz ist er aber, einen Nachfahren der Hamelner Familie, die quasi Modell für die Figuren gestanden hat, in seiner Kantorei zu wissen.
 Bauen andere Kirchengemeinden in den Gotteshäusern zur Weihnachtszeit richtige Krippen aus Holz und mit kleinen Figuren auf; so ist das Transparent „unsere Krippe“. Was es braucht, ist ein stabiler Tisch und eine gute Beleuchtung, „die haben wir in diesem Jahr erneuern lassen“, erzählt Risel. Mit einem Elektriker wurde so lange getüftelt, bis man die passende gefunden hatte: mit Kaltlicht wird das Transparent nun angestrahlt. „Die Strahler werden nicht heiß und so wird das Papier nicht beschädigt“, weiß Risel. Denn nach gut 60 Jahren, die das Kunstwerk nun schon regelmäßig in der Marktkirche steht, ist der Zustand zwar noch gut; einige Risse sind aber dennoch zu sehen. „Früher wurde hier sogar mit Baustrahlern gearbeitet, um das Transparent zu beleuchten“, berichtet der Pastor. Eingelagert wird es den Rest des Jahres im Keller – gut verpackt, damit auch ja nichts damit geschieht.
 Den Weg in den Keller findet das Transparent übrigens am Sonntag, 17. Januar kommenden Jahres. Bis dahin ist es zusammen mit der anderen Weihnachtsdekoration wie den Christbäumen in der Marktkirche aufgebaut. „Wir feiern dann den Abschluss des Weihnachtsfestkreises“, erzählt Risel. Dies geschehe mit einem Lichtergottesdienst.
 Bis es so weit ist, können Besucher das Transparent während der Gottesdienste sowie zu den Öffnungszeiten in der Marktkirche bewundern: Ab dem 27. Dezember ist die Marktkirche noch bis einschließlich Silvester jeden Tag von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Danach geht es in die kleine „Winterpause“, dann ist noch sonntags geöffnet vor und nach den Gottesdiensten (10. Januar bis mittags, 17. Januar ab mittags 14 bis 19 Uhr). Der besondere Lichtergottesdienst zum Ende des Weihnachtsfestkreises wird dann am Sonntag, 17. Januar, um 18 Uhr zusammen mit der Kantorei gefeiert.

2 Bilder
„Du wirst einen Sohn bekommen, er wird Sohn des Höchsten genannt werden“, sagt der Engel zu Maria. Foto: Wal


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