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Kurze, einfache und bekannte Wörter – so funktioniert „Leichte Sprache“

Lesen ohne Barrieren

Hameln. Die Zahl der Menschen, die beim Verstehen von Texten Schwierigkeiten haben, wächst. Abhilfe soll die „Leichte Sprache“ bringen. Die wird in den USA und in Schweden schon seit langem praktiziert, in Deutschland erst seit 15 Jahren.

veröffentlicht am 02.05.2016 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:40 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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„Ich raff das nicht“, ist nicht nur beim Lesen von kleingedruckten Beipackzettel zu hören, auch Juristen, Mediziner, ja sogar Sozialwissenschaftler und Pädagogen verschanzen sich gern hinter dem sprachlichen Imponiergehabe ihrer Fachsprachen. Aber auch im Alltag ist die Verständlichkeit von Texten oft mangelhaft. Vor allem Menschen mit Behinderung, mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder mit Migrationshintergrund stoßen schnell auf Schwierigkeiten.

Abhilfe soll die „Leichte Sprache“ bringen. Die wird in den USA und in Schweden schon seit langem praktiziert, in Deutschland erst seit 15 Jahren. „,Leichte Sprache‘ ist wichtig für Selbstbestimmung und Teilhabe. Sie erhöht die Zielgruppenbandbreite“, sagt Mechthild Clemens vom Hamelner „Forum Inklusion“. Das hatte kürzlich zusammen mit dem Regionalen Grundbildungszentrum zu einer Fachtagung „Leichte Sprache“ ins Kreishaus eingeladen. Gekommen waren 32 Teilnehmer aus unterschiedlichen Institutionen: politische Parteien, Verbände und Vereine, Kirchenvertreter und einige Experten zum Thema.

„Texte in Leichter Sprache“ müssen so geschrieben sein, dass jeder den Text verstehen kann“, erklärte Björn Knudsen in seinem Eingangsreferat. Der 28-jährige Übersetzer aus Bremen, der auch Schulungen zum Erlernen der Leichten Sprache anbietet, forderte einen freien und barrierefreien Zugang zu Informationen. Insbesondere Webseiten im Internet sollten nach dem Prinzip der „Leichten Sprache“ aufgebaut sein. Knudsen zu den Regeln der „Leichten Sprache“: „Wörter müssen kurz, einfach und bekannt sein. Auf Fremdwörter muss verzichtet werden. Für gleiche Dinge müssen immer gleiche Wörter benutzt werden.“

So muss auch das Wort „Zielgruppenbandbreite“ erklärt werden („…, so dass immer mehr Leute den Text verstehen können“), auch die Übersichtlichkeit muss durch einen Bindestrich (Zielgruppen-Bandbreite) erhöht werden. Statt „Morgen könnte es regnen“ muss es also heißen „Morgen regnet es vielleicht“, und aus der Passivkonstruktion „Morgen wird der Heimbeirat gewählt“ wird „Morgen können Sie den Heim-Beirat wählen.“

Auch formale Gestaltungsmerkmale von Texten vor allem im Internet sollten vereinfacht werden: die Schrift einfach, gleichbleibend, ausreichend groß für Sehbehinderte, kontrastreich. Grundregel für die inhaltliche Gestaltung: ein Gedanke entspricht einem kurzen Satz. Viele Überschriften und Absätze sollen die Lesbarkeit erhöhen.

Die Nutzer selber prüfen die Texte: Menschen mit Sehbehinderung und nachlassendem Hörvermögen, Lern- und Spracheinschränkungen sowie älteren Menschen.

„Der Verständlichkeit sind alle Regeln unterzuordnen“, so Thomas Lutter vom Büro „Klartext“ der Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg. „Die Schwachen werden zu meinen Experten“, stellt er fest, „an ihren Fähigkeiten und Einschränkungen muss ich meine Texte - nicht nur die im Internet - ausrichten“.

Ein Testleser (re.) mit geistiger Behinderung markiert schwierige Stellen in einem Text. Leichte Sprache soll möglichst vielen Menschen Zugang zu Texten ermöglichen.Fotos: dpa



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