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Tampons, Kondome und Papier verstopfen Saugschläuche / Einsatz bis morgen Abend / Stadt lässt heute provisorische Abwasserleitung bauen

Leck im Fluthamel-Düker: THW-Einheiten müssen weiterpumpen

Hameln (ube). Der Rund-um-die-Uhr-Pumpeinsatz an der B 1 zwischen Hameln und Afferde ist hart und nicht gerade angenehm: Alle drei bis vier Stunden müssen ehrenamtliche Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) aus Hameln, Wunstorf und Hannover und Notdienst-Mitarbeiter der Stadt Hameln die Gitterkörbe, die vor den dicken Saugschläuchen hängen, reinigen. Dann haben sie sich wieder mal zugesetzt mit stinkenden Exkrementen, Toilettenpapier, Tampons, Kondomen und Feuchttüchern. „Sogar Gummihandschuhe finden sich in dem trüben Gemisch aus Wasser, Kot und Urin“, berichtet der Hamelner THW-Chef Tobias Tasler.

veröffentlicht am 12.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 20:21 Uhr

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Seit Freitagabend laufen die großen Hochleistungspumpen des städtischen Fachdienstes „Umwelt/Technische Dienste“ und des THW rund um die Uhr. Die Männer haben in der Nacht an der Fluthamel am Hastenbecker Weg einen Bypass gelegt, um ein Leck im Abwasserrohr zu umgehen (wir berichteten). Obwohl sofort mit einem Bagger eine Suchschachtung durchgeführt wurde, konnte die Leckage bislang nicht gefunden werden – inzwischen gibt es immerhin sichere Anzeichen dafür, dass das 300-Millimeter-Rohr, an dem die Dörfer Afferde, Hastenbeck, Diedersen, Behrensen und Bisperode hängen, kaputt und nicht nur verstopft ist.

Eine ferngesteuerte Kamera des auf Kanalrohrinspektionen spezialisierten Unternehmens Wagenbach aus Schieder-Schwalenberg hat den Beweis für diese Vermutung geliefert. Die von Peter Spintzyk gesteuerte 20 000 Euro teure „Kanalratte“ hat Bilder geliefert, auf denen zu sehen ist, dass sich Wasser und Kies im Düker (niederdeutsch, entspricht Taucher, niederländisch „duiker” = Unterführung eines Rohres unter einer Straße oder einem Fluss) unter der Hamel befinden. Wäre das Rohr, das im Grundwasser liegt, intakt, müsste es nahezu trocken sein, den Experten haben die Leitung vor der Untersuchung mit Pressluftsäcken abgedichtet. Die Kamera zeigt: Große Mengen Wasser laufen nach. Bis zum Leck kann die Kamera deshalb nicht vorfahren. Sie könnte nur unter Wasser filmen – und dort ist die Sicht gleich null. Der Saugschlauch eines 500 000 Euro teuren und 50 Tonnen schweren Sonderfahrzeugs der Firma Kanal-Türpe aus Blomberg, den Stadt-Mitarbeiter Peter Guzdaj in den Düker geschoben hat, könnte für freie Sicht sorgen, doch er versperrt der „Ratte“ den weiteren Weg in die Unterwelt. Schlauch und Kamera passen nicht ins enge Rohr.

Bis auf Weiteres muss der Rückstau deshalb abgepumpt werden. Schon seit Freitagabend sind THW-Helfer aus Hameln und Wunstorf im Einsatz. Am Samstag um 8 Uhr brachte der THW-Ortsverband Hannover/Langenhagen eine weitere Hannibal-Pumpe nach Hameln. Fünf Schmutzwasserpumpen laufen seitdem Tag und Nacht. Alle zusammen können nach Angaben des THW-Zugführers Andreas Weiher pro Minute 18 000 Liter Abwasser beseitigen. Das sind mehr als eine Million Liter pro Stunde. „So viel Schutzwasser läuft in den Schächten derzeit aber nicht zusammen“, sagt Weiher.

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  • Mit dieser ferngesteuerten Kanalkamera suchen Peter Spintzyk (links) und Marco Kreylos nach dem Leck im Untergrund.
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  • THW-Einheiten aus Hameln, Wunstorf und Hannover müssen bis mindestens Dienstagabend rund um die Uhr Abwasser pumpen.
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  • Mann im Schacht: Peter Guzdaj pumpt Schmutzwasser ab.

Am Samstag um 18 Uhr wurde entschieden, wie es weitergehen soll. „Am Montag wird eine provisorische Abwasserleitung gebaut, die knapp über der Wasseroberfläche der Hamel verlegt werden muss“, erklärt der bei der Stadt angestellte Wasserbau-Ingenieur Andreas Bruns. Der Experte hofft, dass die Bauarbeiten am Dienstagabend abgeschlossen werden können. So lange müssen Stadt und THW noch weiterpumpen.



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