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Pläne für „buntes Quartier“ in der Nordstadt stoßen auf Zuspruch und Skepsis

Leben im „Englischen Viertel“

Hameln. Die Abkürzung ist unaussprechlich: JbLieV. Soll heißen „Junges, buntes Leben im englischen Viertel“ – so der Arbeitstitel des Projekts, mit dem für Studenten, junge Familien und Flüchtlinge Wohnraum in der Nordstadt geschaffen wird.

veröffentlicht am 11.12.2015 um 18:17 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Birte Hansen und Kerstin Hasewinkel
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Gestern wurde das Konzept hinter dem „Englischen Viertel“ – der bislang verwendete Name „Künstlerviertel“ wurde verworfen – der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten Häuser in der Ecke Haydnweg, Schwindweg und Ludwig-Richter-Weg wurden bereits von Flüchtlingen bezogen, sechs weitere folgen in Kürze. Im nächsten Schritt will der Landkreis gezielt Hochschulen und ihre Studierenden auf das Viertel als attraktives Wohnquartier, in dem Integration gelebt werden soll, aufmerksam machen. Wohnungssuchende, die zum Konzept passen, können sich ab sofort an den Landkreis wenden.

Bis April, so die Vorstellung von Landkreis und Hameln, sollen die 57 Reihenhäuser bezogen sein. 37 davon von Flüchtlingen und Flüchtlingsfamilien; 20 Reihenhäuser sind als Wohngemeinschaften für Studierende vorgesehen und für weitere Familien.

Die Kaltmiete beträgt zwischen 360 und 490 Euro. Die kleineren Reihenhäuser verfügen über 87 Quadratmeter, die anderen über 106 Quadratmeter Wohnfläche. Die Idee hinter dem Viertel: Junge, weltoffene Menschen ohne Berührungsängste leben nebeneinander, Gemeinschaftsgefühl stiftende und Integration fördernde Angebote stärken das Miteinander. Ein Hausmeister und ein weiterer Mitarbeiter fürs Gemeinwesen sollen ab Januar im Einsatz sein, Deutschkurse und Kurse mit dem Titel Familienbildung sind für die Zeit ab Januar/Februar vorgesehen. Ab April wird laut Plan ein Begegnungscafé zunächst provisorisch zur Verfügung stehen, ein Quartiersmanager kommt außerdem zum Einsatz, bis im Jahr 2017 weitere Gemeinschaftsräume und -angebote geschaffen sein sollen. In gut einem Jahr soll es dann auch einen „Erlebnis-Outdoorpark“ in diesem Viertel geben.

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  • Dr. Dursan Tan, Experte für „sozialen Städtebau“, wirbt für das Projekt.

Für das Vorhaben kooperieren Landkreis und Stadt, wobei der Kreis die Kosten für Gebäude, Personal und Infrastruktur trägt. Das Viertel, so der Erste Stadtrat Hermann Aden am Freitag bei der Informationsveranstaltung, sei bereits ein gutes Beispiel für gelungene Integration: „Wir haben die Briten als Freunde verabschiedet.“ Er sieht die Aufnahme von Menschen, „von woher sie auch immer kommen“, als Chance. Kreisrätin Petra Broistedt machte deutlich, was das Ziel ist: „Kein Wohnen nebeneinander, sondern miteinander.“ Stadt und Kreis hatten sich Verstärkung aus Hannover geholt: Dr. Dursan Tan, der in der niedersächsischen Staatskanzlei das Referat für Grundsatzfragen und Koordinierung, Migration und Teilhabe leitet, warb für die soziale Aufwertung des Stadtteils: „Das Konzept ist sinnvoll und notwendig.“ Das Hamelner Projekt könnte ein „Modell sein, an dem sich andere Kommunen orientieren“ werden.

Der Landkreis hat elf Häuser, die bis zum Sommer 2014 von den in Hameln stationierten britischen Soldaten und ihren Familien bewohnt waren, von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft. 12 000 Euro musste der Landkreis für ein Haus bezahlen. Der niedrige Preis kommt dadurch zustande, dass der Bund durch das Haushaltsbegleitgesetz die Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen unterstützt. „Jeder andere hätte einen Preis dem Verkehrswert entsprechend bezahlen müssen“, sagt Kreisrätin Petra Broistedt, um einer Neiddebatte Einhalt zu gebieten. Die anderen Gebäude mietet der Kreis zunächst von der Bima an. Die Stadt selbst hat dort keine Immobilien gekauft.

Geht es nach der Vorstellung der Planer, bringen sich die Menschen des Quartiers aktiv in die Gestaltung des Zusammenlebens ein. Ehrenamtliches Engagement ist gewünscht, sei es in Form von Hausaufgabenhilfe, gemeinsamem Kochen, Vorlesen, Kinderbetreuung oder auch Deutschkursen. Für das Viertel gesucht werden außerdem Spenden wie Fahrräder, Schreib- und Malzeug, Spielzeug und -geräte für die Kinder, Kinderbücher, Gartengeräte und Werkzeug. Auch „Geld für Umbau“ ist willkommen. Wer ehrenamtlich tätig ist, kann „eine Aufwandsentschädigung“ erhalten, heißt es.

Die Fragestunde nutzten rund 90 Interessierte. Dabei wurden sowohl Zuspruch als auch Skepsis deutlich.



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