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Unberechtigte Abbuchungen vom Girokonto und der Ärger danach / Wie man sich schützen kann

Lastschrift – so einfach, aber auch mit Risiko

Hameln/Bad Pyrmont (khr). Es ist ja so bequem. Ob Stadtwerke, Zeitungsabonnement, Vereinsbeitrag oder Telefonrechnung – man erteilt eine Einzugsermächtigung und braucht sich um die pünktliche Bezahlung der geschuldeten Beträge nicht mehr zu kümmern. Auch bei einmaligen Zahlungen, zum Beispiel für Einkäufe im Internet, wird oft dem Lastschriftverfahren zugestimmt.

veröffentlicht am 28.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 02:41 Uhr

Harald Schmidt überprüft seinen Kontoauszug – und entdeckt
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Die Angabe der Kontonummer und der Bankleitzahl genügt, und der Rechnungsbetrag wird automatisch vom Konto abgebucht. Die Sache hat nur einen Haken. Die Bank prüft im Einzelfall nicht, ob der Kontoinhaber der Lastschrift zugestimmt hat. Diese Tatsache machen sich Kriminelle zunutze, um sich auf Girokonten zu bedienen. Dabei setzen sie auch auf die Arglosigkeit der Bürger. Bei mehreren Lastschriften im Monat kann man leicht mal eine Abbuchung übersehen, für die es gar keine Grundlage gibt. Denn meist sind es keine großen Beträge, die vom Konto verschwinden: mal sind es 12,95, mal 39 Euro. Viele Betroffene bemerken so gar nicht den Betrug.

Internetforen, in denen sich Geschädigte austauschen, sind voll von solchen Vorfällen. Aber wie kommen die Betrüger an die Kontodaten? „Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten“, erklärt Andreas Burmeister, stellvertretender Vorstand der Stadtsparkasse Bad Pyrmont. „Vom weggeworfenen Kontoauszug über illegalen Handel von Kontodaten, Datendiebstahl bis hin zur leichtfertigen Weitergabe durch die Bankkunden selbst ist alles drin“, so Burmeister.

Aber es gibt weitere Schwachpunkte im System selbst. Bei Lastschriften unter 350,00 Euro prüft die Bank nicht einmal die Übereinstimmung des Namens auf der Lastschrift mit dem Namen des Kontoinhabers, bestätigt Lars Papalla von der Stadtsparkasse Hameln. Harald Schmidt, Inhaber eines Zeitschriften- und Tabakwarengeschäfts mit Lotto-Annahmestelle in Bad Pyrmont, ist beinahe Opfer dieser Sicherheitslücke des Lastschriftverfahrens geworden. Am 21. September wird auf sein Konto bei der Stadtsparkasse Hameln ein Betrag von 0,01 Euro überwiesen. Absender ist laut Kontoauszug ClickandBuy, ein Zahlungsportal für Einkäufe im Internet. Die Überweisung des einen Cent dient offensichtlich dem Zweck, die Existenz des Kontos zu prüfen. Zwei Tage später werden 200 Euro per Lastschrift vom Konto abgebucht. Schmidt hatte aber weder einen Interneteinkauf getätigt, noch ClickandBuy seine Kontodaten übermittelt. Wegen der Höhe des Betrages bemerkt er den Fehler sofort und gibt der Stadtsparkasse den Auftrag zur Rückbuchung der Lastschrift. Diese erfolgt problemlos und auch Gebühren fallen dafür nicht an.

Der Kontoauszug dokumentiert die unberechtigte Lastschrift. Kont
  • Der Kontoauszug dokumentiert die unberechtigte Lastschrift. Kontoauszüge sollten regelmäßig überprüft werden.

Wer allerdings die Frist von sechs Wochen nach Zugang des Rechnungsabschlusses (in der Regel das Quartal) für die Rückbuchung überschreitet, bleibt meistens auf dem Schaden sitzen, denn dann gilt die Lastschrift als vom Kontoinhaber genehmigt. In diesem Fall kann er zwar immer noch gegen den Zahlungsempfänger selbst vorgehen. Bei Betrügereien ist das aber meistens erfolglos. Zumal die Bank keine Daten herausgibt, wer hinter der Lastschrift steckt, wie Harald Schmidt zu seiner Enttäuschung von der Sparkasse erfährt. „Das dürfen wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht“, meint dazu Lars Papalla, Pressesprecher der Stadtsparkasse Hameln. „Nur wenn die Polizei beziehungsweise die Staatsanwaltschaft tätig wird, können wir den Ermittlungsbehörden die Daten geben“, erläutert Papalla.

Schmidts Versuche, direkten Kontakt mit ClickandBuy aufzunehmen, scheitern. Der Sitz der Gesellschaft ist in London. Mit seinen Telefonanrufen endet er regelmäßig auf einer stereotypen Bandansage. Seine Anfrage per E-Mail ist bis heute nicht beantwortet. Wütend und empört marschiert Schmidt zur Polizei und erstattet Anzeige. Gleichzeitig informiert er die Dewezet. Nachforschungen bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, der Polizei und den Sparkassen in Hameln und Bad Pyrmont ergeben, dass es zwar immer wieder zu Betrugsversuchen durch Lastschriften kommt, es im Augenblick aber keine besondere Häufung im Zusammenhang mit ClickandBuy gebe. Selbst die Stiftung Warentest lässt ClickandBuy als Bezahldienstleister für den Bezug von kostenpflichtigen Leistungen zu. Gerd Maack von der Stiftung Warentest meint daher: „Ich gehe nicht davon aus, dass ClickandBuy selbst die Nutzer betrügt oder betrügen will.“ Und weiter: „Uns ist bekannt, dass Betrüger versuchen, sich über ClickandBuy-Nutzerkonten zu bereichern.“

Die Hinweise sind für Harald Schmidt aus Bad Pyrmont wenig hilfreich. Weitere Nachfragen bei der Stadtsparkasse Hameln führen aber schließlich doch noch zur Aufklärung des Falles. Lars Papalla von der Stadtsparkasse Hameln hat zusammen mit seinen Mitarbeitern herausgefunden, dass die Kundin einer anderen Bank ein Konto bei ClickandBuy eröffnet hat. Ihre Kontonummer stimmt mit der von Harald Schmidt überein. Bei der Eingabe ihrer Bankleitzahl ist ihr ein Zahlendreher unterlaufen, und so ist die Bankleitzahl der Stadtsparkasse Hameln eingegeben worden. Dadurch landete die Lastschrift auf dem Konto von Harald Schmidt. „Dieser Vorfall wird bei uns im Hause zu einer Überprüfung führen, ob die Betragsgrenze für den Abgleich der Namensidentität von Kontoinhaber und Lastschriftempfänger auf 200 Euro abgesenkt wird“, meint dazu Papalla.

Außer viel Lauferei, Telefonaten und Schriftwechseln ist Harald Schmidt zum Glück kein Schaden entstanden. Sein Fall zeigt aber, wie leicht es mit Lastschriften gelingt, ein Girokonto zu plündern.



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