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Diese Inschrift ziert die alte Volksschule Coppenbrügge

„Lasset die Kindlein zu mir kommen“

Wer seinen Blick an der Giebelseite des großen Backsteingebäudes direkt neben der Kirche von Coppenbrügge nach oben schweifen lässt, findet dort eine Tafel mit der Inschrift: „1883 Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Die alte Aufnahme von 1908 aus dem Fotoalbum des Stifterpaares Ernst und Sophie Feuerhake zu seiner Silberhochzeit zeigt den Zustand der Niederstraße zum Zeitpunkt der Bauarbeiten für die Trinkwasserversorgung. Die Spuren der Rohrverlegung am rechten Straßenrand sind noch nicht beseitigt. Links das Gebäude ist die ehemalige Apotheke, rechts hinter der Mauer beginnt der Kirchhof und danach folgt die schmucke Fassade der alten Volksschule.

veröffentlicht am 15.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Gernot Hüsam
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In Friedrich Beckmanns Chronik von Coppenbrügge steht ein eigenes Kapitel über die Entwicklung des Schulwesens im Ort. So bringt Beckmann die Verordnung zur Einführung einer allgemeinen Schulpflicht für Knaben vom 11. März 1754 im Wortlaut. Eine Mädchenschule wird erst 1787 beurkundet. Diese Gebäude befanden sich neben dem Pfarrhaus und wurden als Kantor- oder Mädchenschule und für die Knaben als „Rektorschule“ bezeichnet. Der Küster für die Kirche war zugleich Schulmeister und hatte nur ein kärgliches Einkommen. Er hatte seine Wohnung im Schulhaus. Das ihm zustehende Schulgeld musste er selbst von den Eltern der Schüler einfordern. Später übernahm das die Gemeinde. Die Aufsicht über das Schulwesen oblag der kirchlichen Superintendentur. Erst 1920 wurde der Lehrer von allen Kirchendiensten befreit. Mit Einführung der allgemeinen Schulpflicht Mitte der 1850er Jahre sah sich die Gemeinde Coppenbrügge gezwungen, einen größeren Schulneubau zu errichten. Sie konnte 1869 von der Witwe des Salomon Seelberg das Haus und Grundstück direkt an der Straße erwerben. Das Haus wurde abgebrochen und für den Bauplatz benötigte man noch einen Teil des Kirchhofs. Das neue mit Backsteinen errichtete Schulhaus war dann 1883 fertig und ab da mussten alle Kinder aus Coppenbrügge dort zur Schule gehen. Die Vorgänger-Gebäude wurden aber weiterhin benutzt, wie etwa das Fachwerkhaus neben dem Pfarrhaus. Es gehört heute zum evangelischen Kindergarten.

Zu Beginn waren an der neuen Volksschule drei Lehrerstellen eingerichtet, wobei die Lehrer mietfrei im Obergeschoss des Hauses wohnen konnten. 1885/86 war das Schulgeld abgeschafft worden. Die Lehrer bezogen ihr Gehalt aus der Gemeindekasse. Später übernahmen die Landesschulkassen die Besoldung der Lehrer. Schließlich wurde 1906 durch das Volksschul-Unterhaltungsgesetz die Unterhaltung der Schulen auf die politischen Gemeinden übertragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand durch die vielen Flüchtlinge und ihre Kinder eine neue Herausforderung. Es musste ein Schulgebäude mit erheblich größerem Raumangebot her. So entstand 1951 hinter dem ehemaligen Judenfriedhof an der B1 ein großer Winkelbau für die Klassen 5 bis 9. Die Grundschulklassen blieben in der alten Volksschule an der Kirche. Dort begann 1962 mit der Einrichtung einer ersten Sonderschulklasse der Aufbau einer selbstständigen Sonderschule im Ostkreis Hameln-Pyrmont. Mit dem Auszug der Grundschule 1965 in das neue Gebäude am Sportplatz war für weitere Sonderschulklassen Platz. 1967 waren es bereits 5 Klassen. Über diese Zeit gibt es eine Prüfungsarbeit von 1968 des damaligen Volksschullehrers Ernst Wöbbeking, die er bei seinem Sonderschulstudium in Hannover verfasste und die den Aufbau und die Entwicklung der Sonderschule in Coppenbrügge detailliert beschreibt. Für das Schuljahr 1968/69 wurde mit 100 Sonderschülern aus dem Ostkreis gerechnet. Die Schule hatte jetzt einen Sonderschulrektor und einen Sonderschullehrer. Alle anderen Lehrkräfte waren Volksschullehrerinnen. Wieder wurde das Gebäude zu klein für die Schüler und der Unterricht in dem alten Gebäude hatte so seine Tücken. Ernst Wöbbeking beschreibt es so: „Diese beiden Räume (zur Straße hin) leiden unter der Lärmbelästigung durch den Verkehr auf der direkt vorbeiführenden Bundesstraße. Zum anderen ist ein außerordentlich unebener Fußboden mit tief ausgetretenen Dielen der Grund für eine häufige Unruhe in den Klassen durch wackelnde Möbel. Beide Faktoren wirken sich hemmend auf eine fruchtbare Arbeit mit leicht ablenkbaren Kindern aus. Teilweise werden sie auch von einigen Kindern dazu ausgenutzt, Störungen des Unterrichts zu provozieren.“ Erst 1978 konnte die Sonderschule das alte Schulgebäude verlassen und in die leerstehende und vom Landkreis gut ausgebaute Schule an der B1 umziehen. Das nun lange Zeit leerstehende alte Schulhaus an der Kirche kaufte die Kreissiedlungsgesellschaft und richtete darin Wohnungen ein.

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Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

„Blick nach der Osterstraße“ lautet der Text unter dem Bild aus dem prachtvollen Fotoalbum von 1908, das Ernst und Sophie Feuerhake zur Silberhochzeit geschenkt bekamen. Unten: Das vollkommen neu restaurierte Backsteingebäude der alten Schule ist zum Schmuckstück geworden.Fotos: pr/gh



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