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„Die Leute stehen Schlange“

Lange Wartelisten für Schwimmkurse

HAMELN. 537 Menschen ertranken letztes Jahr in Deutschland – so viele, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bei einer Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) stellte sich heraus: Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzen ein Jugendschwimmabzeichen, 77 Prozent der Grundschüler haben lediglich das „Seepferdchen“ absolviert. In Hameln ist es derweil schwierig einen Platz im Schwimmkurs zu bekommen.

veröffentlicht am 16.08.2017 um 19:29 Uhr

Viele Kinder stehen lange auf einer Warteliste, bevor sie zur ersten Schwimmstunde dürfen. Foto: dpa
Johannes Jordan

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Johannes Jordan Reporter
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Die Sprecherin des DLRG–Ortsverbandes Hameln, Claudia Vasentin, ist überzeugt: „Schwimmen lernen ist wichtig, zudem ist die Nachfrage nach Schwimmkursen in Hameln hoch.“ Offensichtlich zu hoch: „Die Leute stehen Schlange. Aber momentan können wir nicht mehr Kurse anbieten.“

DLRG, Hamelner Schwimmverein (HSV) und die Bäderabteilung Hameln sind Anbieter der heiß begehrten Anfängerschwimmkurse. Wer sich anmeldet, muss sich zumindest beim DLRG und beim HSV auf lange Wartelisten einstellen. Das war auch schon im vergangenen Jahr so. Neu im diesem Jahr: Die Bäderabteilung Hameln hat unter der Leitung der Aquasport Hameln GmbH ihr System zur Anmeldung umgestellt. Geschäftsführer Tim Corinth sagt: „Die ursprüngliche Warteliste wurde abgearbeitet und wir planen fortan unser Angebot an Schwimmkursen ganzjährig durch.“ Mit dem Ganzjahresplan könne den Eltern ein konkreter Termin genannt werden, wann ihr Kind mit dem Kurs beginnen kann. Die nächsten freien Plätze gebe es mit zeitiger Anmeldung im November. Diese neue Planung sei zwingend notwendig gewesen: Ein Platz auf der Warteliste, ohne Termin, wann das Kind in einen Kurs einsteigen kann, das habe „häufig zu Frustration der Kunden geführt“, berichtet Corinth.

In diesem Jahr konnten bereits 190 Kinder in 16 Schwimmkursen der bei den Stadtwerken angesiedelten Hamelner Bäder-GmbH das Schwimmen lernen. „Für das restliche Jahr sind noch mindestens drei weitere Kurse geplant, die ab Oktober bis Dezember im Hallenbad Einsiedlerbach stattfinden. Hierfür sind 33 Kinder angemeldet.“, sagt Corinth.

Beim HSV stehen momentan knapp 100 Kinder auf der Warteliste. Laut der zweiten Vorsitzenden Nina Menges müssen Kinder, die mit fünf Jahren angemeldet werden, ein ganzes Jahr auf der Warteliste verweilen.

Die DLRG beklagt die Schließung des Therapiebeckens der Albert-Schweitzer-Schule: „Nach der Schließung sind Kurse weggefallen oder mussten ins Einsiedlerbad verlegt werden.“ Höchst problematisch, da das Therapiebecken für Kinder von drei bis sechs Jahren optimal zum Schwimmenlernen gewesen sei, wie Vasentin erklärt. „Das Wasser war warm und die Kinder konnten das Ende der Bahn sehen, das brachte Ruhe in die Kurse.“ Das Einsiedlerbad sei da schlechter geeignet: „Es ist laut, da es extrem schallt. Der Ausbilder muss fast schreien.“

Ein optimales Alter zum Schwimmenlernen gebe es übrigens nicht. Wichtig sei, dass die Kinder aus eigenem Antrieb Schwimmen lernen möchten. Das sei im Alter von drei bis sechs der Fall, sagt Vasentin.

Wer beim DLRG Schwimmen lernen möchte, muss Mitglied sein. Mit der Registrierung steht das Kind auf der Warteliste für den Anfängerschwimmkurs. Das Kind macht dann so viele Schwimmstunden, wie es zum Schwimmenlernen braucht und das Bronze–Abzeichen in der Hand hält. Wann der nächste Platz im Kurs frei wird, möchte die DLRG nicht verraten. Die DLRG will jedoch auf die große Nachfrage reagieren: Man habe sich mit Aqua Sport zusammengesetzt. „Es wird sich was tun“, verspricht Vasentin.

Darauf zu vertrauen, dass das Kind irgendwann in der Schule schwimmen lernt, ist für Vasentin keine Option: „Grundschulen können den Kindern das Schwimmen nicht vernünftig beibringen, die Lehrkräfte sind mit der Betreuung der Schüler oft ausgelastet.“Birgit Albrecht, Schulleiterin der Grundschule Hameln–Rohrsen ist da anderer Meinung: „Viele unserer Schüler haben vor der Grundschule das Schwimmen nicht erlernt. Wenn sie unsere Schule verlassen, können dann aber fast alle von ihnen schwimmen.“

Auch an der Grundschule Hohes Feld lernen laut Direktorin Christiana Luttmann–Fähndrich viele Kinder schwimmen. Sie bemängelt allerdings die Bedingungen für den Schwimmunterricht: „Die Schulen müssen immer um Schwimmzeiten kämpfen“, sagt sie. „Freie Becken sind rar.“



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