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Bloß keine „Königin Camilla“

Lady-Di-Club Hameln: Evelyn Seidel sorgt sich um die Queen

VETTELSCHOSS / HAMELN. Prinz William habe ihr schon die Hand geschüttelt und ihren großen Hut gelobt, erzählt Evelyn Marie Seidel. Die Gründerin des deutschen „Lady-Di-Clubs“ sorgt sich um das Wohl der Queen. Kürzlich hat sie einen Ausflug zu einem Mini-Britannien in Deutschland organisiert.

veröffentlicht am 05.11.2021 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2021 um 11:50 Uhr

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Großkrempiger blauer Hut und eleganter blauer Mantel: Evelyn Marie Seidel, möglichst britisch gekleidet, nimmt probeweise in dem grünen Rolls-Royce-Cabrio Platz. In der Nähe stehen Londoner Doppeldeckerbusse und ein als riesige britische Fahne angemalter Panzer, englische Telefonzellen und ein roter Briefkasten. Gary Blackburn, Chef des Hotels „The Little Britain Inn“ in Vettelschoß im Norden von Rheinland-Pfalz, bat kürzlich Seidel und zwei weitere Damen von seinem Außenbereich hinein zum „Afternoon Tea“, zum englischen Nachmittagstee. „Ich glaube, wir sind der einzige deutsche ‚Lady Di Club‘“, sagt Seidel aus dem niedersächsischen Hameln. Von einem anderen habe sie noch nie gehört.

Lady Dianas Unfalltod in einem Pariser Autotunnel liegt bereits 24 Jahre zurück. Doch der kleine Club hält der „Königin der Herzen“ bis heute die Treue. Man werde über sie wie über Sissi von Österreich noch nach 100 Jahren sprechen, versichert die 72-jährige Clubchefin Seidel beim Vereinsausflug zu Blackburns Mini-Britannien. „Über die Monacos und über die Schwedenprinzessin nicht unbedingt. Diana ist für mich eine Jahrhundertprinzessin und deswegen möchte ich sie auch in Deutschland mit meinem Club unvergessen machen.“ Petra Drost (73) aus Mainz pflichtet ihr bei: „Diana hat sich sozial sehr engagiert, auch in Kinderheimen und Waisenhäusern. Sie sollte in Erinnerung bleiben.“

Hotelier Blackburn, ein seit Jahrzehnten in Deutschland lebender gebürtiger Brite, führt die drei Damen des Clubs durch sein Themenhotel in Vettelschoß. Angetrieben von seiner Heimatliebe, habe er gerade nach dem Brexit hier mit seiner Familie ein kleines „Vereinigtes Königreich“ schaffen wollen, erklärt er. „Sherlock Holmes Room“, „Harry Potter Room“, „Queen’s Room“, „Scottish Room“ – die Malerin Andrea Montermann alias AndyMo hat in Blackburns Auftrag riesige Wandgemälde über den Hotelbetten geschaffen.

Seidel macht im „Queen’s Room“ eine allumfassende Handbewegung: „Wir freuen uns sehr, dass es hier so schön ist.“ Eigentlich reise immer eine Abordnung ihres Clubs zweimal im Jahr nach London, zu Dianas Geburts- und Todestag. Aber wegen Corona sei das leider seit Frühling 2020 nicht möglich gewesen. Umso schöner der kleine Clubausflug zu Gary Blackburn, der lächelnd sagt: „Ich denke, wir (Briten) sind wirklich skurril, habe ich selber festgestellt, ganz ehrlich.“

Einst hat ihm sein britischer 52-Tonnen-Panzer auf dem Grundstück seines Baumpflegedienstes im nahen Erpel Ärger mit kommunalen Behörden bereitet: Für seinen damaligen dortigen Mini-Freizeitpark mit dem riesigen Vehikel und anderen britischen Kuriositäten wie der Hütte des Rebellen Robin Hood und Palast-Wachsoldaten fehle eine Genehmigung. Also ist Blackburn damit nach Vettelschoß umgezogen.

Der gebürtige Brite hat sich auch einst eine große Statue der Queen besorgt. Die echte Elizabeth II., 95 Jahre alt, hat jüngst zwei Reisen abgesagt. Clubchefin Seidel sagt: „Die Gesundheit der Queen macht mir Sorgen.“ Dass Prinz Charles dereinst die Krone tragen soll, behage ihr nicht: „Wir mögen Charles und Camilla nicht.“ Diesen Aufstieg gönne sie Dianas Dauer-Nebenbuhlerin nicht: „Dann fahre ich ein Jahr nicht nach London.“ Das Mainzer Clubmitglied Petra Drost, Besitzerin von rund 1000 Teddybären und einst Floristin, erinnert daran, dass Camilla schon lange vor Dianas Tod in Charles’ Leben gewesen ist. Seidel hofft, angebliche Insider hätten recht, die ein rasches Abdanken eines Königs Charles zugunsten seines ältesten Sohnes William voraussagten.

Gegründet hat die einstige Rechtsanwaltsgehilfin, Arzthelferin und Heilerzieherin Seidel, die heute noch als pädagogische Mitarbeiterin in einer Schule aktiv ist, den „Lady Di Club“ 1998 in Holzminden: „Beim ersten Treffen hatten wir eine kleine Prinzessinnentorte.“ Der Club sei nie groß gewesen. „Wir waren mal 20 Leute aus ganz Deutschland. Aber fünf sind schon gestorben, auch ein Mann.“

Anfangs habe sich der Club in ihrer überaus britisch eingerichteten Wohnung getroffen, inzwischen aber in einer Gaststätte in Hameln. „Da bringe ich mein eigenes blaues Geschirr mit“, erzählt die Besitzerin von mehr als 30 teils sehr breitkrempigen Hüten. Noch immer zehrt Seidel von einem Erlebnis im Juli 2017: Damals habe ihr Prince William beim Besuch in Hamburg die Hand geschüttelt und ihr versichert: „I love your hat!“ (ins Deutsche übersetzt: Ich liebe Ihren Hut!).



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