weather-image
17°
Von der ersten Lieferung „positiv überrascht“ / Betriebsleiter: Elektroantrieb weiterhin zu teuer

KVG kauft weitere Busse in Polen

Hameln. Solaris und Busse – das klingt wie Nahverkehr ohne Abgase. Doch obwohl der polnische Busbauer mit dem sonnigen Namen und dem grünen Dackel-Logo für sein Modell „Urbino electric“ kürzlich den „EBUS Award“ in der Kategorie Batteriebusse gewonnen hat, bleibt die Hamelner KVG beim herkömmlichen Dieselmotor, wenn sie in diesem Jahr die Erneuerung ihrer Flotte fortsetzt. Zwar habe sich der Aufsichtsrat während seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema Elektrobus befasst, sagt Betriebsleiter Heinz-Jürgen Aust, „aber die Mehrkosten für diesen Antrieb sind nach wie vor zu hoch“.

veröffentlicht am 20.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:41 Uhr

270_008_6425251_hm102_2106.jpg
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nachdem der Hamelner Busbetreiber Ende vorigen Jahres seine Neufahrzeuge erstmals in Polen eingekauft hatte, wurde jetzt die Option für fünf weitere Lieferungen gezogen. Zwei Gelenkbusse, zwei Stadtbusse und ein Überlandwagen sollen Ende Oktober überführt und danach zügig in Dienst gestellt werden. Die Fahrzeuge aus dem Werk in Bolechowo bei Posen seien zuverlässig, es gebe keine Reklamationen, zeigt sich Öffi-Chef Thorsten Rühle zufrieden mit dem Markenwechsel in Richtung Osteuropa. Fahrer und Fahrgäste äußerten sich durchweg zufrieden. Von Busfahrerseite hörte man anfangs, dass sich die Innenbeleuchtung in der Frontscheibe störend spiegele. „Das Licht zu dimmen, erfordert komplizierte Einstellarbeiten in der Werkstatt“, bestätigt Aust unter Hinweis auf die komplexe Bordelektronik. Bewährt hätten sich bei den „Urbinos“ das serienmäßige Tagfahrlicht und die Xenon-Scheinwerfer. Und die Motortechnik sei „deutsche Wertarbeit“, betont Rühle. Die zweiachsigen Solaris-Busse fahren mit MAN-Technik; in den Gelenkbussen stecken Motoren von DAF (der niederländische Produzent gehört zum US-Konzern Paccar). Aust sagt: „Das Handling der Busse ist sehr gut und die Zahl der Mängel unterdurchschnittlich. Wir sind positiv überrascht.“

Die Vorjahresbestellung war für das heimische Nahverkehrsunternehmen die größte Bestellung seit sieben Jahren. 1,1 Millionen Euro gab die KVG für den Ersatz von fünf ausgedienten Bussen aus – ungefähr die gleiche Summe wird in diesem Jahr fällig. Nach rund 15 Jahren täglichem Betrieb und bis zu 900 000 Kilometer Laufleistung sei das erste Leben eines Linienbusses beendet, erläutert der Betriebsleiter. Nachdem nun bald 25 Prozent der KVG-Flotte ausgewechselt seien, werde die weitere Ersatzbeschaffung wohl in kleineren Schritten erfolgen. Ob künftig Öko-Technik bestellt wird, hänge von der Preisentwicklung ab. Aust erklärt: „Wir warten ab. Vielleicht wird es preisgünstiger, wenn wir Geduld zeigen.“ Man kenne das ja aus anderen Technikbereichen: „Nach einiger Zeit gibt es das bessere Gerät zu günstigeren Konditionen.“

Solaris bietet schon jetzt neben dem reinen Elektroantrieb auch fünf verschiedene Hybridsysteme an, also Kombinationen von Diesel- und Elektroaggregaten. Dadurch könnten die Kunden das System nutzen, das ihren betrieblichen Bedürfnissen exakt gerecht wird, heißt es. Der „EBUS Award“ vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) und der Versicherung DEVK wurde 2012 zum ersten Mal verliehen. Die Jury würdigte bei Solaris „das beispielhafte Engagement und das mutige Vorangehen bei der Entwicklung elektrisch angetriebener ÖPNV-Busse mit Batteriespeisung”. In Düsseldorf hat die Rheinbahn AG soeben zwei „Urbino electric“ bestellt. „Zuverlässigkeit, echte Umweltvorteile und die tatsächlichen Kosten fließen in unsere Bewertung ein. Und danach handeln wir dann“, sagt Rheinbahn-Vorstandssprecher Dirk Biesenbach. Malgorzata Olszewska, Marketingchef von Solaris Bus & Coach, berichtet von einer steigenden Nachfrage nach Batteriebussen.

270_008_6425247_hm101_2106.jpg

In der Flotte der Rheinbahn fahren 78 Solaris-Busse, darunter sieben mit Hybridantrieb. Die Üstra in Hannover hat im April einen über drei Jahre laufenden Auftrag für 42 abgasarme Busse, bei denen Elektro-und Verbrennungsmotor zusammenwirken, nach Polen vergeben. 63 Solaris-Busse drehen bereits bei der Üstra ihre Runden. Auch Üstra-Chef André Neiß lobt den Lieferanten als „zuverlässigen und innovativen Partner, der eine sehr hohe Qualität unserer Busflotte zu wettbewerbsfähigen Preisen sicherstellt“.

Die Großstadtverhältnisse sind nach Einschätzung Austs nicht auf Hameln übertragbar. „Bei uns haben die Fahrzeuge eine geringere Laufleistung, aber eine längere Laufzeit“, erklärt er. „Hier müssten die Batteriesätze auf die Lebensdauer des Busses gesehen zweimal ausgetauscht werden.“ Das entspricht zusätzlichen Kosten pro Hybridbus von rund 40 000 Euro. Und diese ließen sich durch die Kraftstoffersparnis – bis zu 30 Prozent laut Werksversprechen – nicht auffangen.

Knick in der Scheibe und grüner Dackel an der Front – daran erkennt an die KVG-Busse aus polnischer Herstellung. Wal



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare