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Integration per Pinsel

Kunstprojekt für Migrantinnen: „Was wir Frauen wollen“

HAMELN. Hamelns Integrationsmanagerin Suna Baris ist immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Frauen aus anderen Ländern zusammenzubringen, ihnen die Möglichkeit und den Ort zum Austausch zu geben und sich so auf lange Sicht gut in Hameln zu integrieren. Gerade für Frauen, die sich sonst meist ausschließlich um Kind und Kegel kümmern, ein wichtiges Unterfangen. Beim jüngsten Projekt kommen Farben und Pinsel zum Einsatz.

veröffentlicht am 16.09.2018 um 13:05 Uhr

Das große Gemeinschaftswerk, in das sich jeder einbringen kann. „Das hat auch mit Respekt zu tun“, sagt Babs Krüger (hinten) - „wo ist noch Platz, wo kann ich noch malen, ohne etwas Vorhandenes kaputt zu machen?“ Kunststudentin Verena Jeske (im Vorde
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Sie bedauert, dass sie nicht besser Deutsch spricht, gibt Rahime zu verstehen. Zu sagen, wie lange sie bereits in Deutschland lebt, ist ihr daher unangenehm. „Lange“, sagt sie. Woran es liegt, dass sie Deutsch nicht besser kann? „Niemanden zum Sprechen“, antwortet die gebürtige Türkin. Ihre inzwischen erwachsenen Kinder wollten zuhause mit ihr immer nur Türkisch sprechen, erzählt sie, und sonst habe sie wenig Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Anders Freitagmorgens im Regenbogen. Hamelns Integrationsmanagerin Suna Baris hat ein „Kunst-Projekt“ für Frauen aus aller Herren Länder ins Leben gerufen. Im Keller des Regenbogens können sie sich zunächst an fünf Vormittagen vor allem ohne Worte ausdrücken, in Bildern und Objekten, andererseits sollen die 12 Frauen unterschiedlicher Herkunft hier Deutsch als verbindende Sprache sprechen.

Mithilfe der freischaffenden Künstlerin und Heilpädagogin Babs Krüger aus Alfeld entsteht ein großformatiges Gemeinschaftsprojekt mit Acryl auf Leinwand, wer Lust hat, malt daran weiter. Daneben gibt es verschiedene Stationen, an denen die Frauen sich ausprobieren und mitteilen können. Ursprünglich hatte das Thema „100 Jahre Wahlrecht“ sein sollen, erzählt Suna Baris. Im Laufe der Gespräche sei aber deutlich geworden, das dieses politische Thema kaum bis überhaupt nicht dem Lebensalltag der Frauen aus Afghanistan, Syrien, Iran oder der Türkei bestimmt. So hätten sie gemeinsam das Motto „Was wir Frauen wollen“, beschlossen. „Was ist uns wichtig“, sagt Suna Baris – für viele der Frauen sei das an erster Stelle die Familie, vor allem die Kinder. Viele definierten sich über die Kinder und hätten sich nie Gedanken darüber gemacht, was sie denn noch mögen und machen wollen.

Und so sitzen die Frauen jetzt am langen Bierzelttisch, Pinsel, Schwamm oder Buntstift in der Hand und tun, wie ihnen von Babs Krüger geheißen: „Was ist in dir? Lass es raus!“ Ein Blumenbild entsteht, ein abstraktes, mit Schwamm getupftes Farbenexperiment, ein rotes, weinendes Herz, der Umriss von Syrien. Rahime steht an einer anderen Station und legt stilisierte Tulpenblüten aus Filz auf Stoff. „Ich mache eine Einkaufstasche“, erklärt sie. Früher habe sie auch Kleidung zuhause genäht, doch in Deutschland sei der Stoff so teuer, dass sie in sich nicht mehr leisten kann. Gekaufte Kleider seien hier so günstig – für das Geld kann man nicht selbst nähen. „Ich würde das gerne wieder machen“, sagt sie.

Rahime gestaltet einen Einkaufsbeutel mit Tulpen – im Regenbogen hat sie außerdem die Gelegenheit, mit anderen Frauen zu sprechen, möglichst auf Deutsch. Foto: BHA
  • Rahime gestaltet einen Einkaufsbeutel mit Tulpen – im Regenbogen hat sie außerdem die Gelegenheit, mit anderen Frauen zu sprechen, möglichst auf Deutsch. Foto: BHA
Eine Bild in Form einer Briefmarke, gemeinsam gestaltet von allen Teilnehmerinnen.
  • Eine Bild in Form einer Briefmarke, gemeinsam gestaltet von allen Teilnehmerinnen.

Tipps gibt es nebenbei von Babs Krüger. Keine inhaltlichen, nur fachliche. Es sollen ja keine Krügerschen Bilder werden, sondern etwas, das sich aus den Frauen den Weg bahnt.

Ein erstes Gemeinschaftswerk hängt schon an der Wand: ein Bild in Form einer Briefmarke, harmonisch, rund mit einem leuchtenden Zentrum; die offizielle, die anlässlich „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ herausgegeben wird, sieht anders aus. „Sehr männlich“, findet Babs Krüger. Die im Regenbogen kreierte, hätte sie schöner gefunden.

Die Werke, die an einem Vormittag entstehen, werden in den Abschlussrunden gemeinsam besprochen. Der Öffentlichkeit präsentiert werden sie im November gemeinsam mit den Gleichstellungsbeauftragten der Region.



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