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Hamelner veröffentlicht Jugendbuch – und wünscht sich stärkeres Bewusstsein beim Thema „Organspende“

Künstlername: Flynn Todd

HAMELN. Der Titel klingt mindestens nach Krimi, in den Ohren mancher eher nach Horror: „Warmes Blut auf weißem Sand“. Ist aber ein Jugendbuch, sagt der Autor. Der hat, das wird im Gespräch schnell deutlich, eine gewisse Vorliebe für Blutiges. Ein Filmplakat des Horrorschockers „Freitag der 13.“ hängt im Flur, gleich neben der Eingangstür. „Ich weiß nicht, was Liebesszenen im Horrorfilm zu suchen haben – die bringen die Geschichte überhaupt nicht weiter …“

veröffentlicht am 18.12.2017 um 18:29 Uhr
aktualisiert am 19.12.2017 um 15:10 Uhr

Autor Flynn Todd bei der Arbeit. Foto: bha
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Ein Jugendbuch also, wenngleich eines, in dem es schon etwas härter zur Sache geht und empfindsamen Seelen ganz sicher zu ungemütlich sein dürfte. „Für’n Jugendbuch ziemlich heftig“, sagt er selbst. Die Blackfin Boys – Toby, Roland und Mark – werden die Protagonisten genannt, die nach 40 Stunden auf einer Rettungsinsel im Meer, auf einer einsamen Insel landen. Das Abenteuer beginnt. Und soll noch lange nicht enden, erzählt der Autor. Dabei gibt er mit diesem Buche gerade mal sein Debüt.

Flynn Todd nennt er sich. Weil die Buchstaben nebeneinander in seinen Augen gut zueinander passten. Und Google lediglich einen weiteren Flynn Todd preisgegeben habe. „Der ist Zahnarzt in New York“, und stört sich hoffentlich nicht an seinem Namensvetter im Osten. Kürzlich habe er „Flynn Todd“ auch beim Bürgeramt als Künstlernamen eintragen lassen, erzählt der Hamelner, der seinen Klarnamen nicht preisgeben möchte. Wie viele Abenteuer seine drei Jungs noch erleben werden, hängt eng damit zusammen, wie viele Jahre der 45 Jahre alte Autor selbst noch erleben darf. Seit acht Jahren ist er Dialysepatient, wartet seither vergeblich auf eine Spender-Niere, hat von Einzelhandelskaufmann auf Verwaltungsangestellter umgesattelt, ist beruflich kürzer getreten und hofft, erzählt er, dass er mit dem Schreiben irgendwann seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Das Schreiben lenkt ab. Abends, wenn er sich an die Dialyse anschließe, sei auch sein Laptop immer dabei, dann versinke er völlig in seiner Geschichte und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Eine Filmszene gab die Initialzündung: Maze Runner, mit Dylon O‘Brien. „Der kann ja alles spielen“, habe er über O‘Brian, der auch schon in der Serie Teen Wolf mitgespielt hat, und dessen schauspielerischen Fähigkeiten gedacht. „Und irgendwie habe ich dann sowas wie eine Stimme im Kopf gehabt, die zu mir gesagt hat: ja, und du kannst alles schreiben“, erzählt der in jenem Moment geborene Todd. „Ich habe dann ohne Konzept angefangen, und alles hat sich von selbst entwickelt.“ Gestartet war er im Mai 2016; jetzt gibt es das Buch als E-Book oder als Taschenbuch über Amazon.

Die Mühe, sich durch mehrere Verlage zu beißen, damit die sein Buch drucken, hat Todd sich nicht gemacht. Auch, weil nicht absehbar gewesen sei, wie lange es dann tatsächlich bis zum Erscheinen gedauert hätte. Mit allen Kürzungen, Streichungen, Änderungswünschen. „So viel Zeit habe ich nicht“, sagt er, zum anderen sollte es sein Buch bleiben, so, wie es ist. Für einen Fall in der Zukunft – der jetzt ist – , dass er vielleicht irgendwann einmal gehört wird, habe er sich immer gefragt, „was sagst du dann eigentlich?“. Hier die Antwort: „Leute, die kurz vor der Dialyse stehen, haben oft schon mit dem Leben abgeschlossen. Das muss ja aber gar nicht sein.“ Und, dass sich mehr Menschen mit dem Thema „Organspende“ befassen und im Idealfall einen Organspendeausweis bei sich tragen, wünsche er sich. Ein System, wie Österreich es eingeführt hat, wäre auch hier gut, findet der Hamelner. Österreich setzt auf die Widerspruchslösung, bei der jeder Gesunde qua Geburt Organspender ist. Ein „Nein„ zur Organentnahme kann man dort ins Widerspruchsregister eintragen lassen, einen entsprechenden Vermerk mit sich führen oder Angehörigen gesagt haben, dass eine Organspende unerwünscht ist. Bei Kindern und Personen, die einen Betreuer haben, kann der gesetzliche Vertreter widersprechen.

Ob er seine persönliche Geschichte mit dem Schreiben verarbeitet? „Nicht bewusst“, sagt er. Aber wenn er hinterher noch einmal lese, „dann erkenne ich mich manchmal“. Ansonsten trennt er sich stark von Todd, zwei unterschiedliche „Personen“, die eine verheiratet mit einem Mann, die andere „asexuell“, wie der Autor sagt; genau wie seine Protagonisten. „Es gibt keinen Sex in den Büchern“, hebt Todd über sein Erstlingswerk und potenzielle weitere hervor. Ist ja auch nur konsequent, wenn die Geschichte vorangebracht werden soll … An die zwölf Fortsetzungen plant Todd. „Solange ich das kann, möchte ich das machen.“



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