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Warum mancherorts gleich drei Wehren alarmiert werden

Kreisfeuerwehr spart – und braucht dennoch Millionen

Hameln-Pyrmont (ube). Alle reden von der Krise – da macht die Kreisfeuerwehr keine Ausnahme. In Zeiten leerer Kassen muss gespart werden – nur wie? Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke (44), Chef von 4835 Feuerwehrfrauen und -männern, macht sich Gedanken über die Zukunft der Feuerwehr und wird das heiße Thema bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Hameln-Pyrmont, der morgen Abend in Lachem stattfindet, ansprechen. Mit Feuerwehrchef Wöbbecke sprach Ulrich Behmann.

veröffentlicht am 02.06.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 09:21 Uhr

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Herr Wöbbecke, Sie haben analysiert, was dem Landkreis der Brand- und Katastrophenschutz der Feuerwehr in den kommenden zehn Jahren kosten wird. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Wenn wir nur die 35 Sonderfahrzeuge und Anhänger und die vielen Geräte, die die Landkreisbehörde für die acht Städte und Gemeinden in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Kirchohsen und im Katastrophenschutzzentrum Marienau vorhält, betrachten, benötigen wir bis 2020 etwa 3,8 Millionen Euro, um in dieser Zeit für gleichwertigen Ersatz sorgen zu können. Das heißt: Zirka 380 000 Euro müssten pro Jahr bereitgestellt werden.

Wird die Feuerwehr das Geld bekommen?

Das müssen Sie den Kämmerer fragen. Wir stehen hier erst am Anfang der Verhandlungen. Wir tun alles, um Geld zu sparen. Ein Beispiel: Das Führungsfahrzeug der Bereitschaft wird nicht nur vom Bereitschaftsführer, sondern auch von der Feuerwehrtechnischen Zentrale und für Fahrten zu Fortbildungen benutzt. Wo es Sinn macht, werden gebrauchte Fahrzeuge eingesetzt. Noch ein Sparmodell: Wir lagern Spezialmaterial auf Rollwagen und laden es, wenn es von einer Feuerwehr angefordert wird, auf einen handelsüblichen Lkw mit Ladebordwand, der allerdings mit Blaulicht und Sirene ausgestattet ist. Einen Klein-Lkw werden wir damit zukünftig einsparen. Allerdings haben wir als Landkreis eine andere Aufgabe im Brandschutz als die Städte und Gemeinden. Wir haben nicht ein einziges Löschfahrzeug. Viele unserer Geräte und Fahrzeuge sind nur einmal im Landkreis vorhanden.

Es gibt Politiker, die fragen sich, ob es in jedem Dorf eine Ortsfeuerwehr geben muss. Was sagen Sie denen?

Nicht viel, denn es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen. Wenn Politiker so etwas vorhaben und der Rat die Abschaffung einer Ortswehr beschließen sollte, ist es an mir, zu beurteilen, ob der Brandschutz in dieser Gemeinde noch sichergestellt ist. Meistens hört man von solchen Vorschlägen aber nur dann, wenn niemand anderes dabei ist.

Hat die Feuerwehr Nachwuchssorgen?

Nein. Wir hatten im vergangenen Jahr 3568 Aktive. Das sind zehn weniger als im Jahr davor. Das bereitet uns zurzeit keine Sorgen. Die Feuerwehr steuert gegen. 2008 hatten wir drei Kinderfeuerwehren. 2009 waren es 13. In den Jugendfeuerwehren engagieren sich 1016 junge Leute im Alter von 10 bis 18 Jahren. Daraus kommt unser Nachwuchs. Weniger als zehn Prozent der Neumitglieder sind Seiteneinsteiger. Es ist mein Wunsch, dass dort, wo es möglich ist, weitere Kinderfeuerwehren gegründet werden.

Tagsüber ist es mancherorts schwierig, genug Aktive zu finden, die einen Lkw-Führerschein für Feuerwehrfahrzeuge oder einen Sägeschein haben. Wie begegnet die Feuerwehr diesem Problem?

Auf unterschiedliche Weise. Weil wir wissen, dass heutzutage nur die wenigsten Dorfbewohner im eigenen Ort arbeiten, alarmiert die Leitstelle nicht nur eine, sondern gleich zwei oder drei Feuerwehren. Der Einsatzleitrechner ist bereits so programmiert und macht dem Leitstellen-Disponenten entsprechende Vorschläge. Andere Feuerwehren setzen tagsüber Alarmfahrer ein. Das sind Feuerwehrleute, die einen Lkw-Führerschein haben, die bei der Stadtverwaltung und in der Nähe des Feuerwehrhauses arbeiten. Sie müssen nicht zwangsläufig der Ortsfeuerwehr, für die sie tätig werden, angehören.

Zeigt Lösungen auf: Hameln-Pyrmonts Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke, Chef von 4835 Feuerwehrfrauen und -männern.

Foto: ube



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