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Zwei Kreuzungen, zwei Erfahrungsberichte

Kreisel – ja und? Oben drüber geht doch auch

Von wegen „jetzt läuft’s rund“ – Hamelns neue Mini-Kreisel sind rund, ja, ansonsten geht es vor allem am Feuergraben/Gartenstraße zwar nicht drunter, aber häufig drüber, gerne auch links dran vorbei. Wir haben den Verkehr (und die Verstöße) beobachtet.

veröffentlicht am 13.09.2018 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 21:10 Uhr

Selbst wenn sich der Fahrer an die Regel halten wollte: Mit einem großen Auto kann man nicht drüberfahren. Foto: Dana

Autor:

Birte Hansen-Höche und Dorothee Balzereit
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HAMELN. Von wegen „jetzt läuft’s rund“ – Hamelns neue Mini-Kreisel sind rund, ja, ansonsten geht es vor allem am Feuergraben/Gartenstraße zwar nicht drunter, aber häufig drüber, gerne auch links dran vorbei. Um bei der Wahrheit zu bleiben: Der Kreisel am Feuergraben ist noch nicht vollendet, Baustellen-Absperrungen bremsen die Autofahrer bislang aus und tragen zum Kurvenschneiden bei. Ungeachtet dessen bietet sich ein amüsantes Bild – wenn es nicht so gefährlich wäre. Zwei Bestandsaufnahmen.


Donnerstag, 8.37 Uhr, Feuergraben/Gartenstraße: Der erste, der aus Richtung Süntelstraße kommt, fährt direkt drüber, geradeaus weiter. Keine zwei Sekunden später lässt der nächste Fahrer den Kreisel rechts liegen und biegt einfach auf kürzestem Weg links in den Feuergraben ab. Dann wird’s spannend: Zwei Autos treffen im selben Moment auf ihre Einfahrt in den Kreisel. Na? Na? Die Fahrerin hält sich lieber an vertrautes Rechts vor Links und gewährt ihrem ebenfalls haltenden Nachbarn Vorfahrt.

Da, ein seltenes Exemplar: der macht’s richtig, so den ganzen Weg rundherum und wieder raus – was an dieser Stelle gar nicht so einfach gestaltet, weil die Fahrbahn schmal ist. Am Vortag habe ein Fahrer sogar extra noch einmal zurückgesetzt, um die Kurve im zweiten Anlauf zu kriegen, hatte unsere Fotografin Dana Pollok bereits berichtet. Auch andere haben Schwierigkeiten, den Kreisel sauber zu nehmen und – die schönen Felgen – schrappen dabei teilweise am Kantstein entlang.

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Dem Radfahrer, der aus dem Feuergraben kommt, ist der Kreisel herzlich egal, er fährt einfach direkt links rum in die Gartenstraße, genauso wie der Krankenwagen, der aus der Gartenstraße kommt und in den Feuergraben will. Wie gut, dass von dort keiner kommt. In den Facebook-Kommentaren unkt schon jemand: Bisher sei diese Kreuzung kein Unfallschwerpunkt, „ich schätze mal, jetzt wird es einer werden“.

Es blinkt an dieser Stelle übrigens niemand in dem Beobachtungszeitraum. Eines allerdings geschieht: Alle nähern sich dem Kreisel auffallend langsam, um sich zu orientieren, halten oft sogar an und fahren vor allem in das lange Stück der Gartenstraße sehr langsam hinein. Ob es die Baken sind, die Tempo verhindern oder ob die Ausbuchtung, die dort noch gepflastert wird und dann die Fahrbahn verengt, den gleichen Effekt erzielt – mal sehen. Fazit bisher: Die wenigsten fahren hier regelkonform, oder polemisch: beste neue Einnahmequelle für Bußgelder (s.u.).


Mittwoch 17 Uhr, Meyers Grund/Ahornweg: Rushhour am Basberg-Kreisel – wenn man davon sprechen kann. Zwischen 16 und 18 Uhr fahren hier die meisten Autos, besagt eine Messung. 1259 Fahrzeuge mit durchschnittlich 35 Stundenkilometern (an dieser Stelle hat sich die Stadt korrigiert und für den erneuten Fehler entschuldigt) kommen täglich vorbei. Am Mittwoch sind es in 45 Minuten 88. Vergleichsweise viel.

Um es vorwegzunehmen: Der Kreisel bringt hier niemanden ins Schlingern. Die Mehrzahl hält sich sogar penibel an die Regeln. Nur 14 der 88 Gezählten fahren ganz oder halb über das platte Rund, einige sogar ziemlich schnell. Manche blinken falsch, andere biegen falsch ab. Zweimal hat das ein unfreiwilliges Bremsmanöver zur Folge: Die unbedarften Linksabbieger beachten nicht, dass ihr Vordermann, der brav eine Dreiviertelrunde im Kreis dreht, dieselbe Straße zum Ziel hat. Was von außen betrachtet ein bisschen wirkt wie „Wer ist als erster da?“ hat aber durchaus Gefahrenpotenzial.

Hauptsächlich, so ist aus dem Rathaus zu vernehmen, geht es aber um Verkehrsberuhigung. Ob die Leute nun langsamer unterwegs sind als bei der Rechts-vor-Links-Lösung, ist schwer zu beurteilen. Einige Geradeaus-Fahrer sind immer noch hurtig unterwegs – in die Kurve legen muss man sich bei dem großen Kreisel nur minimal. Ohne jemanden auf dumme Gedanken bringen zu wollen: Wie schnell man wohl fahren kann, ohne den Rand zu berühren?

Fazit: Die meisten haben den Kreisel begriffen. Der Einfluss auf die Geschwindigkeit, bleibt – subjektiv betrachtet – fraglich.

Regeln: So fahren Sie korrekt im Kreisel

Vorfahrt

Fahrzeuge im Kreisverkehr haben grundsätzlich Vorfahrt. Wer sich einem Kreisel nähert, sollte deshalb langsamer werden. Beim Ausfahren sollte besonders auf Radfahrer geachtet werden. Auch auf querende Fußgänger müssen Fahrzeuge als Abbieger besondere Rücksicht nehmen.

Blinken

Beim Kreisel gilt: Wer hineinfährt, darf nicht blinken, wer hinausfährt, muss blinken. Ein Verstoß kostet 10 Euro.

Halten und Parken

Soweit nicht verkehrsbedingt erforderlich, ist das Halten auf der Fahrbahn verboten. Ein Verstoß kostet 10 Euro. Wer sogar parkt oder behindernd hält, wird mit 15 Euro bestraft. Dauert es länger als eine Stunde, kostet behinderndes Parken 25 Euro beziehungsweise 35 Euro.

Mittelinsel

Die Mittelinsel darf nicht überfahren werden. Ausgenommen sind besonders lange Fahrzeuge oder Gespanne, wenn die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Andernfalls droht eine Geldbuße von 35 Euro.

Fahrtrichtung

Fahren entgegen der Fahrtrichtung ist nicht erlaubt. Ansonsten werden 25 Euro fällig. Radfahrer kommen mit 20 Euro weg, wenn sie keinen behindern. Bei Behinderung erhöht sich für sie das Verwarngeld auf 25 Euro, bei Gefährdung auf 30 Euro und bei Sachbeschädigung sogar auf 33 Euro.



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