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Mitarbeiter wurden sofort nach Hause geschickt

Krebserregende Stoffe in der Luft: Rathaus-Etage muss geräumt werden

veröffentlicht am 21.11.2014 um 16:06 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:30 Uhr

Hameln (red). Schreckensmeldung aus dem Rathaus: Die Mitarbeiter müssen die vierte Etage des Langbaus räumen. Einige Büros sind so stark mit Schadstoffen belastet, dass Oberbürgermeister Claudio Griese die betroffenen Beschäftigten noch am Freitagmorgen nach Hause schicken musste. Weitere Mitarbeiter werden ihre Büros im Laufe der kommenden Woche verlassen. „Der Schutz der Gesundheit und die Fürsorgepflicht stehen ganz obenan“, begründet der Rathauschef den weitreichenden Schritt.

Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts haben für Krisenstimmung in der Verwaltung gesorgt. In zwei Büroräumen wurde der Grenzwert für 2-Butanonoxim deutlich überschritten. 360 beziehungsweise 95 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ermittelten die Experten – der Grenzwert liegt bei 60 Mikrogramm. 2-Butanonoxim gilt als krebserregend und kann bei Hautkontakt Allergien auslösen. „Ich nehme das sehr ernst und habe die Reißleine gezogen“, so Griese. Zehn Mitarbeiter der besonders betroffenen Büros seien sofort vom Dienst freigestellt worden.

Andere Räume in der vierten Etage sind gar nicht oder deutlich geringer mit 2-Butanonoxim belastet, so dass hier nach Einschätzung der Stadt keine akute Gefahr besteht. Die Experten des Bremer Umweltinstituts haben jedoch dringend empfohlen, auch in den geringer belasteten Büros ständig zu lüften, um die Schadstoffkonzentration nicht weiter ansteigen zu lassen. Hier will Claudio Griese nach eigenem Bekunden jedoch auch kein Risiko eingehen. Die Verwaltung sucht daher bereits nach Ersatzräumen, die möglichst noch in der kommenden Woche bezogen werden sollen.

„Heute geschlossen“: Zehn Mitarbeiter sind noch am Freitag nach Hause geschickt worden.

Betroffen sind die Abteilung Finanzen mit der zentralen Buchhaltung und die Stadtkasse. Insgesamt sollen 40 Mitarbeiter ausquartiert werden. Die Stadt konnte noch keine Angaben machen, wie lange die Räume in der vierten Etage gesperrt bleiben sollen.

Für die kommende Woche wird sich die Verwaltung um Ursachenforschung bemühen. Noch sei völlig unklar, wie es zu der Schadstoffbelastung kommen konnte, heißt es aus dem Rathaus. „Fest steht lediglich, dass es Ausdünstungen gibt.“ Was besonderes Kopfzerbrechen bereitet: Es sind vor allem Räume belastet, deren Fußböden erst im vergangenen Jahr saniert wurden. Gemeinsam mit Experten des Bremer Umweltinstituts will die Stadt nun die Quelle der Belastung ausfindig machen.

Mitarbeiter aus der vierten Rathaus-Etage hatten über gesundheitliche Beschwerden geklagt, unter anderem über Probleme der Atemwege, der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich, tränende Augen, Hautprobleme und Kopfscherzen. Daraufhin hatte die Verwaltung das Bremer Umweltinstitut mit den Messungen beauftragt. Für OB Griese zeichnet sich nun immer mehr ab, dass eine Sanierung des Rathauses nicht länger aufgeschoben werden darf. „Die Probleme in der vierten Etage sind ein deutlicher Warnschuss. Wenn wir jetzt nicht zügig handeln, ist irgendwann die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung nicht mehr gegeben.“



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